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6. Einstellungen und Verhalten

Inhalt und Funktion

Definition Einstellung

“[…] a mental and neural state of rediness, organised through experience, exerting a directive or dynamic influence upon the individual's response to all objects and situations with which it is related.“ (Allport, 1935)

„Eine psychische Tendenz, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass man ein bestimmtes Objekt mit einem gewissen Grad an Zuneigung oder Abneigung bewertet.“ (Eagly & Chaiken, 1993)

⇒ Einstellungen können das Verhalten beeinflussen.

Komponenten

  • Ein-Komponenten-Modell → Bewertung/Affekt gegenüber einem Objekt
  • Zwei-Komponenten-Modell(1) Mentale Handlungsbereitschaft, (2) Bewertung gegenüber Objekt
  • Drei-Komponenten-Modell(1) Kognitiv, (2) Affektiv, (3) Behavioral

Drei-Komponenten-Modell

Das Drei-Komponenten-Modell geht davon aus, dass Einstellungen (1) über Situationen hinweg stabil sind. Außerdem beinhalten Einstellungen (2) sozial bedeutsame Ereignisse und Objekte. Einstellungen sind zusätzlich (3) generalisierbar und abstrahierbar.

Funktionen

Nach Katz (1960) sind die Funktionen von Einstellungen:

  • Wissen → Reduzierung, Organisierung und Strukturierung (Ökonomiefunktion)
  • Instrumentalität → Handlungssteuerung
  • Ich-Abwehr → Schutz der eigenen Person vor Konflikten
  • Wertausdruck → Definition der sozialen Identität

Herek (1985) fasst die Funktionen in zwei Gegenpole:

  • Instrumentelle Einstellung
  • Wertausdruckseinstellungen

Messung

  • Explizite Maße → Z.B. Likert Skala
  • Implizite Maße → Z.B. Impliziter Assoziationstest (IAT)

Zusammenhang zwischen Einstellung und Verhalten

Beispiele

  • Hotelbefragung zur Aufnahme chinesischer Gäste (zu der Zeit diskriminierte Gruppe) → LaPieree (1934)
  • Metaanalyse Umwelteinstellung und Verhalten → Hines, Hungerford, Tomera (1987)

Zusammenhang

Zusammenhang zwischen der Einstellung und dem tatsächlich gezeigten Verhalten über viele Studien gemittelt liegt bei r = .35, nur 12% der Varianz des Verhaltens kann mit der Einstellung erklärt werden.

Theorie des geplanten Verhaltens

Nach Ajzen und Fishbein sagen Einstellungen das Verhalten nur dann gut vorher, wenn Einstellung und Verhalten sehr spezifisch passend ist. Zu diesem Korrespondenzprinzip gehört eine Spezifität von:

  • Handlung
  • Gegenstand
  • Kontext
  • Zeit

Theorie des geplanten Verhaltens

Außerdem werden in der Theorie des geplanten Verhaltens (Theory of planned behavior) bestimmte Determinanten formuliert, mit Hilfe derer aus der Einstellung das Verhalten vorhergesagt werden kann.

Die Verhaltensintention wirkt sich direkt auf das Verhalten aus. Die Intention wiederum wird beeinflusst von:

  • Einstellung gegenüber dem Verhalten → Z.B. Konsequenzerwartung
  • Subjektive Norm → Angenommene Norm, welches Verhalten gut wäre
  • Wahrgenommene Kontrolle → Möglichkeit die Einstellung in Verhalten umzusetzen

⇒ Alle drei Determinanten haben einen Einfluss auf die Intention, die Kontrolle kann sich jedoch auch direkt auf das Verhalten auswirken (trotz positiver Intention ist eine Handlung z.B. schlicht nicht möglich).

Modell des geplanten Verhaltens (Quelle Wikipedia)

Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Einstellung_(Psychologie)

Theorie des überlegten Handelns

Bei der Theorie des überlegten Handelns (reasoned action) wird die Determinante der wahrgenommenen Kontrolle nicht beachtet.

Erwartungs-mal-Wert-Theorie

Bei dieser Theorie wird angegeben wie sich die drei Determinanten zu einer Verhaltens-Vorhersage berechnen lassen:

  • Einstellung → Erwartetes Handlungsergebnis mal Wert
  • Subjektive Norm → Bewertung durch andere mal Entsprechungsmotiv
  • Wahrgenommene Verhaltenskontrolle → Erwartete Barrieren mal Tatsächliche Barrieren

Kontrollierbarkeit

Ist ein Verhalten stark kontrollierbar bzw. wird ein Verhalten stark kontrollierbar wahrgenommen (z.B. genügend Vitaminzufuhr in westlichen Ländern), so sagen beide Modelle (überlegtes Handeln / geplantes Verhalten) die Intention und das Verhalten gleich gut voraus.

Ist ein Verhalten gering kontrollierbar bzw. wird ein Verhalten gering kontrollierbar wahrgenommen (z.B. genug Schlaf), so sagt die Theorie des überlegten Handelns vor allem das Verhalten deutlich besser voraus, als die Theorie des geplanten Handelns.

Verhalten ist abhängig von der Kontrollmöglichkeit/Kontrollüberzeugung

Kritik

In dieser Theorie werden einige Aspekte vernachlässigt. Dazu gehört:

  • Generalisierte Einstellungen
  • Vergangenes Verhalten
  • Handlungsprozesse
  • Unbewusstes/Unbeabsichtigtes Verhalten

Allgemeine Einstellung

Eine Erweiterung der Theorie des geplanten Verhaltens ist die Erfassung der allgemeinen Einstellung. Dabei werden zusätzlich weitere Einflussfaktoren auf die Determinanten betrachtet.

Automatische Einstellungseinflüsse

Automatisierte, also unbeabsichtigt/unbewusste Einstellungen sind abhängig von:

  • Verfügbarkeit von Einstellung → Fehlende Gelegenheit/Motivation zu bewusster Beurteilung
  • Stärke von Einstellung → Assoziationsstärke Stimulus/Einstellung
 
uni-leipzig/psychologie/module/sozial/6.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/20 18:20 (Externe Bearbeitung)
 
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