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5. Attributionsforschung

Entstehung von Kausalattribution

Der Begriff Kausalattribution bezeichnet eine Zuschreibung von Ursachen für auftretendes Verhalten.

Attributionstheorien geben einen konzeptuellen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens wird versucht zu erklären wie sich Personen im Alltag Verhaltensweisen anderer erklären.

Naive Handlungsanalyse

In der naiven Handlungsanalyse (Fritz Heider, 1958) werden Menschen als intuitive Psychologen verstanden. Jede Person konstruiert eigene kausale Theorien über das Verhalten. Diese Ermöglichen (1) Vorhersagbarkeit und (2) Kontrolle.

Dabei werden zwei Typen der Ursachenzuschreibung unterschieden:

  • Internal → Intension, Fähigkeit, Anstrengung, etc.
  • External → Aufgabenschwierigkeit, Glück, etc.

Personen neigen dabei tendenziell zur Überschätzung von:

  • Internale Ursachen
  • Stabile Ursachen (Disposition)

Korrespondierende Schlussfolgerungen

Die korrespondierende Schlussfolgerung bezeichnet eine Neigung zu einer dispositionalen Attribution.

Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerung (Jones & Davis, 1965)

Kovariation und Konfiguration

Kovariationsmodell

Im Kovariationsmodell (Kelley, 1967) werden unterschiedliche Attributionen beschreiben. Es wird beschrieben, wie Menschen die Attribution anwenden sollten.

Es wird zwischen drei Kausalattributionen unterschieden:

  • Handelnde Person
  • Objekt/Stimulus
  • Situation

Unter der Bedingung, dass vollständige Informationen verfügbar sind, werden alle kovariierenden Bedingungen überprüft, welche mit dem Verhalten einhergehen. Folgene Informationen werden benötigt:

  • Konsensus → Verhalten nur von einer Person oder von mehreren
  • Distinktheit → Verhalten gegenüber spezifischem Stimulus oder generalisiert
  • Konsistenz → Verhalten nur in einer Situation oder in jeder Situation
Beispiel

→ Siehe auch Vorlesung!

Kausalattribution bezüglich:

  • Person → Konsensus gering, Distinktheit gering, Konsistenz hoch
  • Objekt/Stimulus → Konsensus hoch, Distinktheit hoch, Konsistenz hoch
  • Situation → Konsensus hoch, Distinktheit hoch, Konsistenz gering

Konfiguration

Sind die Informationen unvollständig werden zur Ergänzung allgemeine Schemata angewendet. Dabei werden zwei Schemata unterschieden:

  • Schemata der multiplen hinreichenden Ursachen → Vorliegen verschiedener möglicher Ursachen, die auch alleine Erklärend für Effekt sind
  • Schemata der multiplen notwendigen Ursachen → Vorliegen mehrerer gemeinsamer Ursachen für Effekt

Außerdem wird ein Abwertungs- und Aufwertungsprinzip angenommen, welches sich je nach abhängig vom angewendeten Schemata ausrichten kann.

  • Abwertungsprinzip → Wenn andere plausible Erklärungen möglich sind
  • Aufwertungsprinzip → Effekteintritt trotz hemmender Bedingungen

Folgen spezifischer Attributionsmuster

Attributionsmuster können Konsequenzen haben. Dies kann z.B: eine Wirkung haben bei:

  • Leistungshandeln → Attribution von Erfolg/Misserfolg (Weiner)
  • Gelernte Hilflosigkeit → Attributionale Erklärung von Depression (Abramson, Seligman & Teasdale)

Attribution von Erfolg/Misserfolg

Die Attribution von Erfolg und Misserfolg kann zukünftige Motivation, Emotion und Erwartung beeinflussen.

Dabei wird unterschieden zwischen:

  • Internale UrsachenStabil (z.B. Wissen), Instabil (z.B. Motivation)
  • Externale UrsachenStabil (z.B. soziale Kontakte), Instabil (z.B. situative soziale Ressourcen)

⇒ Die Ursachen können als (1) Kontrollierbar oder (2) Nicht-kontrollierbar wahrgenommen werden

Gelernte Hilflosigkeit

Zu intensiv negativ attribuierte Misserfolge oder Hilflosigkeitserfahrungen können zu einer Despression führen. Dabei wird ebenfalls zwischen internalen und externalen Ursachen unterschieden (ebenfalls auch zwischen stabil/instabil).

⇒ Die Ursachen können als (1) global oder (2) spezifisch wahrgenommen werden.

Zu einer Depression können die Ursachen dann führen, wenn sie generalisiert werden. Wenn also ein Misserfolg nicht spezifisch in dieser Situation angenommen werden, sondern wenn aus dem einen Misserfolg auf wahrscheinliche Misserfolge in ähnlichen zukünftigen Situationen geschlossen wird. Zum Beispiel „Ich war für Person xy unattraktiv“ → „Ich bin unattraktiv für alle Personen“.

Attributionsverzerrungen

Attributionstheorien sind (1) normativ und sie gehen von einer (2) systematischen Informationsverarbeitung aus. In der Realität handeln Menschen jedoch meist nicht rational. Dies führt zu einer systematischen Verzerrung

  • Korrespondenzverzerrung
  • Actor-Observer-Difference
  • Selbstwertdienliche Verzerrung
  • Gruppendienliche Verzerrung

Korrespondenzverzerrung

Die Korrespondenzverzerrung (auch Fundamentaler Attributionsfehler) bezeichnet die Tendenz der Menschen Persönlichkeit, Meinung und Einstellung zu überschätzen und Situationsfaktoren zu unterschätzen.

Studie

Den Probanden (USA) wurde ein Essay über Fidel Castro gegeben. Dabei gab es zwei Gruppen. Eine Gruppe bekam einen Text mit positiv gesinnter Meinung, die andere Gruppe einen Text mit negativ gesinnter Meinung.

Anschließend (1) wurden die Probanden gefragt, welche Einstellung sie dem Autor unterstellen. In einer zweiten Bedingung (2) wurden die Probanden zusätzlich darüber informiert, dass die Autoren vom Experimentator zufällig gebeten wurden entweder einen positiven oder einen negativen Text zu schreiben.

Waren die Probanden nicht informiert (1), so schrieben sie dem Autor die Meinung des Textes zu. Waren die Probanden jedoch informiert (2), so war diese Zuschreibung deutlich geringer.

Erklärung
  • Kognitive Ursachen(1) Fehlende korrigierende kognitive Ressourcen, (2) Situative Faktoren schwerer feststellbar
  • Kulturelle Ursachen → Höher in kollektivistischen Kulturen

Actor-Observer-Difference

Die Actor-Obersver-Difference meint, dass die Beobachter (Observer) tendenziell eher dispositional attribuieren, als die Ursache des Verhaltens auf die Situation zurückzuführen, während die Akteure (Actor) beide Ursachenquellen beachten.

Erklärung
  • Wahrnehmungsfokus (Storms, 1973)
  • Informationsunterschiede (Jones & Nisbett, 1972)

Selbstwertdienliche Verzerrung

Die Selbstwertdienliche Verzerrung bezeichnet eine Verzerrung der Attribution, welche eine (1) Selbstwertsteigerung fördert oder einen (2) Selbstwertschutz ermöglicht.

Debatte über kognitive Ursachen der Attributionsverzerrung

Studien

In einer Studie wurden Nachhilfelehrer und ihre Schüler untersucht. Hatten die Schüler Erfolg, so gingen die Lehrer davon aus, dass dies auf Basis ihrer Lehrfähigkeiten geschah. Hatten die Schüler Misserfolg, so gingen die Lehrer davon aus, dass die Schüler mangelhafte Fähigkeiten haben.

 
uni-leipzig/psychologie/module/sozial/5.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/20 18:20 von carlo
 
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