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7. Persönlichkeitsentwicklung

7.1. Persönlichkeitsveränderung

Mittelfristig stabile Merkmale, wie sie für die Persönlichkeit typisch sind, schließen eine langfristige Entwicklung und Veränderung nicht aus.

Die kritische Frage bei Persönlichkeitsveränderung ist vor allem, ob eine Entwicklung statt findet, wenn sich Werte verändern. Diese zunächst triviale Frage ist längst nicht einfach zu beantworten. So kann das konstante beibehalten eines Intelligenzalters zu einem niedrigeren Intelligenzquotienten führen. Die Frage an dieser Stelle ist also ob eine Entwicklung (in diesem Fall des Intelligenzalters) eine Persönlichkeitsentwicklung oder eine konstante Persönlichkeit bedeutet. Inwiefern ist eine Entwicklung ein determinierter Prozess und in wiefern geschieht tatsächlich eine substanzielle Veränderung.

7.2. Arten der Persönlichkeitsveränderung

Es gibt zwei Komponenten der Rohwertveränderung der Persönlichkeit:

  • Universelle Veränderungen (mean-level-changes) → Durchschnittlich, Alterstypisch
  • Differenzielle Veränderung (rank-order-changes)

Universelle Veränderung

In Abhängigkeit vom Alter ändert sich bei der universellen Änderung die durchschnittliche Persönlichkleitsausprägung. Das heißt die Werte verändern sich zur gleichen Zeit gemeinsam mit anderen vergleichbaren Personen. Das Grundniveau der Eigenschaften aller Personen hebt sich an oder senkt sich. In welche Richtung sich ein Wert ändert ist dimensionsabhängig.

Am stärksten ist diese Art der Ändernug im jungen Alter. Im älteren Alter kann dieser Effekt jedoch auch auftreten.

Probleme

Problematisch bzw. besondere Vorsicht geboten ist bei eventuellen Kohorteneffekten bei Querschnittsstudien (→ zu einem Zeitpunkt mehrere Personen verschiedenen Alters messen). Ähnlich wie dem Flynn-Effekt (→ kontinuierliche Steigung des IQ in den letzten Jahrzehnten) kann es auch in anderen Bereichen zu einer Änderung des Populationsvergleichswertes kommen.

Gründe

  • Genetische Determination (intrinsische Reifung) → Persönlichkeitsänderung als Vorbereitung auf reproduktive Veränderung (z.B. Eigenschaftsänderung werdender Eltern).
  • Soziale Investition (Umgebungseffekt) → Veränderung ist die Reaktion auf Investition in soziale Rolle (z.B. Eltern, Beruf)

Eine Evidenz für die soziale Investition ist, dass die Persönlichkeitsreife mit sozialer Investition korreliert (Roberts et al.).

Eine Partnerschaft wirkt sich auch positiv auf emotionale Stabilität aus.

Intelligenz

Auch die Intelligenz verändert sich universell. Vor allem im Kindes- und Jugendalter steigt die Intelligenz stark an. In höherem Erwachsenenalter sinkt sie jedoch wieder. Im Erwachsenenalter unterscheiden sich auch der Verlauf der fluiden und kristallinen Intelligenz. Während die fluide Intelligent mit dem Alter sinkt, bleibt die kristalline Intelligenz relativ konstant.

Ursachen für eine Änderung der Intelligenz können sein:

  • Genetische Determination (intrinsische Reifung)
  • Effekte der Umwelt

Differenzielle Veränderungen

Eine differenzielle Persönlichkeitsveränderung bedeutet eine Rangänderung der Eigenschaften. Einige Werte erreichen also mit der Zeit höhere Werte als andere, sie werden quasi „überholt“ oder sie erreichen niedrigere Werte und „bleiben zurück“ (→ rank-order-change).

Universelle Änderungen (mean-level-changes) sind zunächst unabhängig von differenziellen Veränderungen. Universelle Veränderungen können jedoch wichtige Informationen zur Erklärung differenzieller Veränderungen liefern.

⇒ Eigenschaften verlieren durch differenzielle Veränderung an Stabilität

Beispiel

Eine Partnerschaft kann unterschiedliche Reaktionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten bewirken ⇒ Differenzielle Veränderung.

7.3. Prinzipien der Eigenschaftsstabilität

Langfristige Stabilität des IQ

Der Intelligenzquotient ist langfristig relativ gut stabil. Der IQ mit 11 Jahren korreliert im Schnitt mit dem IQ im Alter von 80 Jahren mit einem Wert von .66.

Die Eigenschaftsstabilität verhält sich wie folgt:

1. Sinkt mit wachsendem Restintervall

Je länger die Zeitspanne zwischen zwei Messungen des IQ desto mehr wirken Umwelteinflüsse. Diese kumulieren sich mit der Dauer der Zeit, was zu stärkeren Variationen im IQ führt. Dieses Verhalten kann wurde in einer mathematischen Formel von Conley (→ Conley-Formel) beschrieben.

tex:r_{21} = R \cdot r^n

tex:r_{21} → Beobachtete Stabilität zwischen t1 und t2
tex:R → Retest-Reliabilität
tex:r → 1-Jahres-Stabilität
tex:n → Länge des Restintervalls (in Jahren)

2. Variation zwischen Persönlichkeitsbereichen

Die Höhe der Stabilität variiert zwischen Persönlichkeitsbereichen. So ist der Intelligenzquotient mit einer Jahres-Stabilität von tex:r = .995 ein sehr stabiler Persönlichkeitswert. Temperament hat eine Jahres-Stabilität von tex:r = .98 und ist damit noch mittelhoch stabil. Selbstwertgefühl und Lebenszufriedenheit haben hingegen eine schwache Stabilität, ihr Wert liegt bei tex:r = .93 (→ 10-Jahres-Stabilität: tex:.80 \cdot .93^{10} = .39).

Konstante Faktoren (wie z.B. Gene) wirken sich unterschiedlich stark, aber kontinuierlich aus.

3. Instabile Umwelt (Ereignisse)

Durch eine instabile Umwelt (Lebenseinschnitte, Lebensereignisse, etc.) sinkt die Stabilität der Eigenschaften.

Beispiel

Eltern sollten die Schüchternheit ihrer Kinder in zwei aufeinanderfolgenden Jahren einschätzen. Dabei wurden bedeutende Lebensereignisse berücksichtigt (Einschulung, Umzug, Wegzug eines Freundes, etc.). Die Anzahl der Ereignisse korreliert mit der Differenz der Schüchternheit (z-Werte).

4. Altersabhängigkeit der Stabilität

Im mittleren Erwachsenenalter ist die Stabilität der Persönlichkeitseigenschaften am höchsten. In der Kinder- und Jugendphase und im hohen Alter variieren die Eigenschaften eher. Vor allem in der Pubertät kommt es zu einer vorübergehenden Destabilisierung.

Ursachen

  1. Zunehmende Reliabilität mit zunehmendem Alter
  2. Stabilisierung des Selbstkonzeptes
  3. Formung der Umwelt nach der Persönlichkeit

7.4. Statik/Dynamik der Persönlichkeit

William James (1842 - 1920) ging noch davon aus, dass die Persönlichkeit nach dem 30 Lebensjahr fix sei und nicht mehr zu verändern wäre. Seine These wurde dabei vor allem von der Tatsache gestützt, dass es ab dem 30. Lebensjahr keine universellen Eigenschaftsänderungen mehr gibt und die Test-Retest-Stabilität im Alter sehr hoch ist. Empirische Befunde machen jedoch deutlich, dass grundsätzlich eine Persönlichkeitsentwicklung auch später stattfindet. Das Ausmaß der Veränderung variiert jedoch mit dem Alter der Personen.

 
uni-leipzig/psychologie/module/persoenlichkeit/7.txt · Zuletzt geändert: 2011/07/14 14:30 von carlo
 
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