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4. Klassifikationen der Persönlichkeit

Bei der Klassifikation der Persönlichkeit geht es in diesem Zusammenhang zunächst um die Persönlichkeit im engeren Sinne. Leistungsdimensionen (wie z.B. Intelligenztests) werden nicht betrachtet.

4.1. Persönlichkeitsfaktoren

Die Persönlichkeitsfaktoren sind Dimensionen und Eigenschaften, quasi einzelne Elemente, die man Personen zuschreiben kann (in einer bestimmten Ausprägung). Als Schwerpunkt sind dabei die Big Five zu betrachten.

Variablenorientierte Perspektive

Als Grundsatz liegt eine variablenorientierte Perspektive nach Stern vor.

Fragestellung

Die zu Grunde liegende Fragestellung sucht nach grundlegenden Eigenschaften zwischen denen sich Menschen unterscheiden.
Die Eigenschaften sollen dabei zentrale Unterschiede abbilden, als auch in ihrer Anzahl überschaubar bleiben.

Psycholexikaler Ansatz

Sedimentationshypothese

Die Sedimentationshypothese postuliert, dass sich zentrale Unterschiede zwischen den Menschen in der Alltagssprache wiederfinden, da sie sich dort aus der benötigten Notwendigkeit entwickelt haben.

Psycholexialer Ansatz

Im psycholexialen Ansatz werden Eigenschaftswörter aus Lexika gesammelt und sortiert.

  • Sortierung anhand ihrer semantischen Ähnlichkeit
  • Selbst- oder Fremdbeschreibung
  • Statistische Reduktion mittels Faktoranalyse (s. unten)

Faktoranalyse

Auf der Basis der Fremd- oder Selbsteinschätzung werden Interkorrelationen zwischen den jeweiligen Eigenschaften gebildet. Ähnliche Eigenschaften (mit hoher Korrelation) werden zusammengefasst und generalisiert auf einzelne Faktoren. Dabei wird versucht einer Eigenschaft nur einem Faktor zuzuweisen (→ Einfachstruktur).

Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3
Eigenschaft 1 ** - *
Eigenschaft 2 * * -
Eigenschaft 3 - ** *
Eigenschaft 4 ** * -
Eigenschaft 5 - - **

Als Faktorladung (→ tex:a) wird dabei die Korrelation zwischen Eigenschaft und Faktor bezeichnet (in der Tabelle nur prinzipiell dargestellt als -, * und **).
(Diese Definition der Faktorladung gilt nicht für alle Varianten.)

Die Ausprägung einer Person (→ tex:F) bezeichnet den Wert der Selbst- bzw. Fremdeinschätzung.

Für die Eigenschaft (→ tex:E) ergibt sich: tex:E = a_1 \cdot F_1 + a_2 \cdot F_2 + ... + a_i \cdot F_j + Rest

Big Five

Als Ergebnis einer Aufwändigen Faktoranalyse (Goldberg, 1981 & Ostendorf, 1990) ergaben sich die Big Five. Diese 5 Faktoren lassen sich nun über die Abfrage der zugehörigen Eigenschaften in einem Fragebogen testen.

Neurotizismus

Neurotizismus bezeichnet eine negative und instabile emotionale Lage.

  • stressanfällig, ängstlich, depressiv, unsicher
  • entspannt, selbstsicher, ruhig, robust

Extravesion

Extraversion bezeichnet das aktive Aufsuchen einer sozialen Umgebung.

  • gesellig, gesprächig, aktiv, lebhaft
  • zurückhaltend, schüchtern, gehemmt, passiv

Offenheit

Offenheit bezeichnet mentale Tiefe, Breite, Originalität und Komplexität.

  • fantasievoll, neugierig, einfallsreich, originell
  • konventionell, konservativ, desinteressiert, einfach

Verträglichkeit

Verträglichkeit bezeichnet prosoziale gemeinschaftliche Orientierung.

  • gutmütig, vertrauensvoll, wohlwollend, hilfsbereit
  • kalt, zynisch, aggressiv, streitlustig

Gewissenhaftigkeit

Gewissenhaftigkeit bezeichnet eine zielorientierte Impulskontrolle und Organisiertheit.

  • organisiert, zielstrebig, ordentlich, zuverlässig
  • faul, nachlässig, ungenau, ziellos

Messung

  • Selbstbericht / Fremdbericht
    • Adjektivlisten (z.B. nach Goldberg)
    • Fragebögen
  • Interview
  • Indirekte Tests (z.B. Assoziationstests)
  • Systematische Verhaltensbeobachtung

Fragebögen

Es gibt verschiedene Fragebögen kommerziell oder unkommerziell mit mehr oder weniger Items und Facetten.

  • NEO-FFI → Entwickelt von Costa & McCrae, übersetzt von Borkenau & Ostendorf (1993)
  • NEO-PI-R → Revidierte Fassung des FFI: Erfasst zusätzlich jeweils 6 Facetten der Big Five
  • BFI → Unkommerziell, entwickelt von John

Bewertung

Die Big Five sind keine funktionale Analyse, sondern eher eine leicht wahrnehmbare Oberflächenstruktur. Es handelt sich also um eine implizite Theorie über die Zusammenhänge von Eigenschaften. Sie bilden trotzdem ein nützliches deskriptives Rahmenmodell der Persönlichkeit.

  • Die Big Five sind eine Integrative Taxonomie (keine Theorie!) der Persönlichkeit. Sie basieren auf der Zusammenfassung relevanter alltäglicher Begriffe.
  • Konsensfähiger Rahmen für Forschung und Praxis
  • Universalität ist strittig, grundsätzlich aber wohl gegeben
  • Erhebung von Faktorfacetten bei den Big Five ist möglich (z.B. Ängstlichkeit oder Narzismus)

Andere Faktoren-Modelle

Neben den Big Five gibt es noch andere Faktoren-Modelle, welche meist zwischen 3 und 7 Faktoren schwanken. So gibt es im Modell von Eysenck nur Extraversion, Neurotizismus und Psychotizismus, während es im Modell von Ashton zusätzlich zu den Big Five noch den sechsten Faktor Ehrlichkeit gibt.

4.2. Persönlichkeitstypen

In Persönlichkeitstypen werden Menschen zusammengefasst, welche viele ähnliche Eigenschaften haben. Diese Typeneinordnung entspricht jedoch eher dem alltagspsychologischen Denken der Persönlichkeit. Zur Beschreibung von Persönlichkeitstypen gibt es 2 Methoden:

  • Auflistung kritischer Merkmale (→ Extremgruppen, z.B. klinische Störungen)
  • Prototypen auf statistischer Basis (anschließend Zuordnung eines Menschen nach Ähnlichkeit)

Bestimmung der Typen

Überlichweise geschieht die Bestimmung der Persönlichkeit nicht durch die Korrelation der Eigenschaftswerte, sondern über die euklidische Distanz zwischen den Eigenschaftswerten.

tex:\sqrt { d_1^2 + d_2^2 + ... + d_n^2 }

tex:d→ Eigenschaftsdifferenz

Wenn zwei Profile identisch sind, dann ist die euklidische Distanz null. Sie ist ein Maß für Profilähnlichkeit.

Clusteranalyse

Mit der Clusteranalyse lassen sich Gruppen von Profilen finden. Ein Cluster entspricht einem Prototyp. Auf Basis der euklidischen Distanz kann nun jedem Profil ein passender Prototyp zugeordnet werden.

Ein Problem der Clusteranalyse ist, dass die Analyse stichprobenspezifische Ergebnisse liefert. Dies Betrifft die Anzahl der sich ergebenden Cluster.

Persönlichkeitstypen

  • Resilient (~ Wiederstandsfähig)
  • Überkontrolliert
  • Unterkonrolliert

Bewertung

Vor allem aufgrund der starken Vereinfachung und der Personenzentrierung ist das Modell der Persönlichkeitstypen eher selten in der Persönlichkeitspsychologie zu finden.

  • Unklar ob 3 Typen die richtige Anzahl sind (zusätzlich evtl. „zuversichtlicher Typ“, „reservierter Typ“)
  • Personenzentrierte Typen-Klassifikation sind leichter zu verstehen als variablenzentrierte
  • Starke Vereinfachung → Gefahr des „Schubladendenkens“
 
uni-leipzig/psychologie/module/persoenlichkeit/4.txt · Zuletzt geändert: 2011/07/10 18:30 (Externe Bearbeitung)
 
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