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Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts Syndrom

Klassifizierung der Psychopharmaka

  • Tranquillanzien → Dämpfend, ohne antipsychotische Wirkung
  • Neuroleptika → Dämpfend, mit antipsychotischer Wirkung
  • Stimulantien → Stimulierend, ohne antipsychotische Wirkung
  • Antidepressiva → Stimulierend, mit antipsychotischer Wirkung

Klassifizierung von Psychopharmaka

Stimulantien

Definition

„Als Stimulantien, Stimulantien auch Psychostimulantien, Psychotonika oder Psychoanaleptika werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken.“

Nach der WHO wirken Stimulantien wie folgt auf die Aktivität der Nerven:

  • Erhöhend
  • Beschleunigend
  • Verbessernd

⇒ Stimulantien haben meist ein Abhängigkeitspotential

Typische Stimulantien

  • Amphetamine
  • Xanthine → z.B. Koffein, Theophyllin
  • Kokain
  • Nikotin
  • Ephedrin

Pharmakologische Charakterisierung

Kokain und Amphetamine sind starke Psychostimulantien. Mit folgender Wirkung:

  • Psychische Erregung
  • Erhöhter Wachheitsgrad
  • Euphorie
  • Vermindertes Schlafbedürfnis
  • Gesteigerte motorische Aktivität
  • Stimulation des Zentralnervensystems (ZNS)
Spezielle Wirkungen
  • Kokain → (1) Verhaltensbeeinflussend, (2) Anstieg der Noradrenalin- und Dopaminmenge an Synapsen, (3) Verengt Blutgefäße, (4) Wirksames Lokalanästhetikum
  • Amphetamin → (1) Verhaltensbeeinflussend, (2) Anstieg der Noradrenalin- und Dopaminmenge an Synapsen
  • Koffein → Blockade von Adenosinrezeptoren
  • Nikotin → Stimulation von Acethylcholinrezeptoren

Nebenwirkungen von Psychostimulatien

Bei Dauerkonsum (länger regelmäßiger Konsum für über 1 Monat) ergeben sich unter anderem folgende Nebenwirkungen:

  • Nervenschädigungen
  • Schwere Konzentrationsprobleme
  • Knochenschwund
  • Verlust des Zahnschmelzes
  • etc.
  • Tod durch Überdosierung
  • Körperlicher/Geistiger Verfall
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Körperliche/Geistige Schwäche

Bei Schnupfkonsum kann außerdem (1) Schleimhäute und (2) Nasenscheidewand auflösen und zerstören.

⇒ Da Strecksubstanzen meist unbekannt sind, können auch die Folgend oft nur schlecht eingeschätzt werden

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts Syndrom

Berichte von Eltern

„Mein Kind ist so nervös, es fällt ihm schwer sich zu konzentrieren.“

„Mein Sohn läuft pausenlos herum, an ein ruhiges Spiel mit ihm ist überhaupt nicht zu denken.“

„Ob Malen, Basteln oder Lesen, mein Sohn macht nichts wirklich zu Ende und am traurigsten ist er selbst darüber.“

„Es gibt Tage, da ist der Junge unausstehlich, reagiert völlig unangemessen, wird laut und aggressiv, zerstört mutwillig Spielsachen, schlägt, beißt…“

Charakteristika

  • Unaufmerksamkeit
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität

Die Charakteristiken können auch einzeln auftreten, für ADHS müssen nicht alle Charakteristiken auftreten. Die Symptome müssen jedoch durchgehend auftreten.

ADHS, ADS, HKS

  • ADHS → Aufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität
  • ADS → Aufmerksamkeit
  • HKS (Hyperkinetisches Syndrom) → Hyperaktivität, Impulsivität

Geschlechtsverhältnis

  • Unaufmerksamkeit tendenziell eher bei weiblichen Personen
  • Hyperaktivität tendenziell eher bei männlichen Personen

Begleiterscheinungen

Häufige Begleiterscheinungen von ADHS sind:

  • Störungen des Sozialverhaltens (14%)
  • Oppositionelles Trotzverhalten (40%)
  • Angststörungen, affektive/depressive Störungen (34%)
  • Tic-Störungen/Tourette-Syndrom (11%)

Diagnostik

Bis zum Vorschulalter

Diagnostische Hinweise können sein:

  • Schwangerschaft → z.B. ungewöhnlich starke Kindsbewegungen, etc.
  • Säuglingsalter → z.B. niedriges Geburtsgewicht, verstärke Unruhe, Schreibabies, etc.
  • Kleinkindalter → z.B. Motorische Unruhe
  • Kindergartenalter → z.B. Spielstörungen
  • Vorschulalter → z.B. Mangelnde soziale Kompetenz

Diagnose

Symptome müssen für eine Diagnose folgende Kriterien erfüllen:

  • Vor dem 7. Lebensjahr
  • Kontinuierlich über 6 Monate
  • In verschiedenen Lebensbedingungen → z.B. zu Hause, Schule/Kindergarten

EEG-Diagnose

Mit Hilfe eines EEG sind Veränderungen gegenüber einer Kontrollgruppe in vielen Gehirnbereichen erkennbar. Eine Diagnose kann dadurch gestützt werden.

Ursachen

  • Gendefekt und Risikofaktoren führen zu
  • Biologische Faktoren modifiziert durch
  • Psychosoziale Faktoren führt zu
  • ADHS

Gestörte neuronale Kommunikation

Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen Botenstoffen:

  • Serotonin → u.a. Impulsivität
  • Dopamin → u.a. Antrieb
  • Noradrenalin → u.a. Antrieb

Informationsübertragung zwischen Nervenzellen ist in bestimmten Hirnbereichen gestört

Transmitter

Die Transmitter haben im Zusammenspiel spezifische Wirkungen:

  • Noradrenalin und Serotonin → Angstzustände
  • Serotonin und Dopamin → Appetit, Aggression, Lust
  • Noradrenalin und Dopamin → Motivation
  • Noradrenalin, Serotonin, Dopamin → Stimmung, Emotionalität, kognitive Fähigkeiten

⇒ Störung des Gleichgewichts, bedeutet Störung in der Reizweiterleitung

Aufmerksamkeitszentren

  • Hinteres Aufmerksamkeitszentrum→ Noradrenalin
  • Vorderes Aufmerksamkeitszentrum → Dopamin

⇒ ADHS: DopaminmangelGestörte Kommunikation zwischen Aufmerksamkeitszentren

Medikamente - Methylphenidat

Wirkung

  • Stimmungsaufhellend/Euphorisierend
  • Gesteigerte Leistungsfähigkeit
  • Senkt den Appetit
  • Vertreibt Müdigkeit
  • Steigert Puls/Blutdruck
  • Verstärkte Durchblutung der Muskulatur
  • Steigert Sauerstoff- und Glucosekonzentration
  • Erzeugt teilweise halluzinogene Effekte

Wirkmechanismus

Metyhlphenidat ist ein Reuptake-Hemmer, was zu einer erhöhten Konzentration von Dopamin im synaptischen Spalt (Verhinderung der Wiederaufnahme) führt. Der Dopaminmangel wird ausgeglichen.

⇒ Wirkt relativ spezifisch in den Kerngebieten des vorderen Aufmerksamkeitszentrums

Bildgebende Studien zeigen, dass Transporter (für den Rücktransport des Dopamin) bei ADHS-Patienten in einer hohen Zahl verfügbar sind. Methylphenidat besetzt diese Dopamin-Transporter und verhindert somit den „Abbau“ des Dopamins.

Nebenwirkungen

Verbreitete Nebenwirkungen sind:

  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit

Weitere Nebenwirkungen sind:

  • ZNS-Effekte → Kopfschmerzen, Dyskenisien, Halluzinationen, visuelle Störungen
  • Gastrointestinalsystem → Übelkeit, Abdominale Schmerzen
  • Kardiovaskuläres System → Blutdruckveränderung, Tachykardie

Einschätzung

  • Im Allgemeinen sichere und bewährte Therapieform
  • Sollte im Rahmen einer regelmäßigen ärztlichen Absprache erfolgen
  • Sollte im Rahmen einer psychotherapeutischen Begleitung erfolgen
  • Längerfristige / Akute Nebenwirkungen sehr selten

Wichtig ist jedoch: Methylphenidat ist:

  • Keine Motivationspille
  • Keine Liebmachpille
  • Keine IQ-Steigerungspille
  • Keine Zensurenheberpille

Beachten

  • Strikte Einhaltung der Dosis/Applikation
  • Regelmäßige Arztbesuche
  • Kontrolle des Gewichts/Wachstums
  • Beachtung von Arzneimittelinteraktionen

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikation
  • Schizophrenie / Akute Psychosen
  • Überfunktionen der Schilddrüse (sofern unbehandelt)
  • Glaukom
  • Herzerkrankung → Angina Pectoris (sofern unbehandelt)
  • Bluthochdruck (sofern unbehandelt)
Relative Kontraindikation
  • Geistige Behinderung
  • Tiefgreifende Entwicklungsstörung
  • Medikamenten-/Drogenmissbrauch (Patient oder Patientenumfeld)

Generika

Neben dem bekannten Markenpräparat Ritalin® gibt es auch günstigere wirkstoffgleiche Variationen (Generika). Handelsnamen dieser Präparate sind z.B.:

  • Medikinet®
  • Equasym®
  • etc.

Sie unterscheiden sich meist lediglich in:

  • Dosierung → 5mg, 10mg, 20mg
  • Packungsgröße → 20, 50, 100

Wirkdauer liegt bei ca. 3,5h, kann aber zwischen 2,5h und 5h variieren

Retardierte Präparate

Methylphenidatpräparate, welche über längere Zeit wirken gibt es erst in jüngster Zeit. Seit 2007 erste Ritalin®-Kapsel mit veränderter Wirkstofffreisetzung. Eine neue Form ist Concerta®:

Concerta

Concerta® besteht aus 3 Kammern, die sich im Laufe des Tages Kammer für Kammer öffnet und damit eine regelmäßige Aufnahme des Methylphenidats ermöglicht. Es muss nur noch 1x täglich ein Medikament eingenommen werden. Vorteile:

  • Seltenere Einnahme nötig
  • Gleichmäßigere Wirkung

ADHS im Erwachsenenalter

Bei Erwachsenen weniger Hyperaktivität, eher verminderte Konzentration. Häufig wird das Interesse an einer Sache verloren.

Persönliche Probleme
  • Schlechte Konzentration
  • Verlieren von Sachen
  • Schlechte akademische Leistung
  • Schlechte Karrierechancen
  • Eher-Instabilität
Arbeitsplatzprobleme
  • Niedrige Verdienste
  • Schlechtere Jobs → Arbeitslosigkeit jedoch gleich
  • Ruhelosigkeit → Schwierigkeit bei Schreibtischjobs
  • Probleme bei Zuhören / Anweisungen verstehen
  • Oppositionelles Verhalten (gegenüber Autoritätspersonen)
  • Verlust von Jobs
  • Kündigung aus Langeweile
Psychiatrische Probleme
  • Angst/Stimmungsschwankungen
  • Depression
  • Erhöhtes Suchtrisiko
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Antisoziales Verhalten
  • Vermehrt Autounfälle/Strafzettel

Alternative Wirkstoffe

Atomoxetin

Methylphenidat führt bis zur Pubertät zwar zu keiner Abhängigkeit, ist aber grundsätzlich eine abhängigkeitsrelevante Substanz (vor allem bei Erwachsenen). Es gibt aber auch – wie angesprochen – andere Bedingungen unter denen Methylphenidat nicht eingesetzt werden darf.

Eine Alternative für Methylphenidat ist Atomoxetin.

Vorteile

  • Sicher/Effektiv
  • Beeinflusst Unaufmerksamkeit
  • Kein Stimulants
  • Kein Einfluss auf Gewicht
  • Unterdrückte Schlafstörungen
  • Untersteht nicht dem BTMG (Betäubungsmittelgesetz)
  • Gabe nur einmal am Tag

⇒ Gute Wirkungen bei Erwachsenen (bei denen Unaufmerksamkeit vorwiegend vorliegt)

Nebenwirkung

  • Leberschädigungen in einigen Fällen
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Leichter Puls-/Blutdruckanstieg
  • Schwierige individuelle Einstellung

⇒ Hoher Preis!

Ein großes Problem (Rote-Hand-Brief) ist jedoch, dass bei Kindern (nicht bei Erwachsenen) erhöhtes aggressives Verhalten, Suizidalität und Suizidhandlungen begünstigt werden.

Wirkungsmechanismus

Atomoxetin hemmt die Wieder-Aufnahme von Noradrenalin. Die Noradrenalin-Konzentration im hinteren Aufmerksamkeitszentrum steigt damit an.

Die Kommunikation zwischen den Aufmerksamkeitszentren müssten somit noch stärker ins Ungleichgewicht gebracht werden. Es gibt jedoch einen Wirkmechanismus, welche paradox wirkt. Die Aktivität im hinteren Aufmerksamkeitszentrum wird verringert. Es entsteht ein Gleichgewicht zwischen den Aufmerksamkeitszentren.

Wirkt mit einer Latenz von 2-3 Wochen

Terabenazin

Um Hyperkinesen zu lindern kann Terabenazin eingesetzt werden. Es hemmt den vesikulären Mono-Amin-Transporter 2 (VMAT2), welches zu einer geringeren Dopamin-Ausschüttung führt. Die Erregungsleitung ist damit vermindert.

Es kann eingesetzt werden bei:

  • Chorea Huntington
  • Tourette-Syndrom
  • Spätdyskindesie
  • Hemiballismus
Beachten
  • Dosis sollte langsam erhöht werden
  • Keine gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern

Weiter Alternativen

  • Mirtazapin → Noradrenalin-/Serotonin-Agonisten (Antidepressivum)
  • Venlafaxin → Selektiver Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer
  • Fluoxetin → Selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (in hohen Dosen auch Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer)
  • Reboxetin → Hochselektiver Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (wirkt der Antriebslosigkeit entgegen)
  • Betablocker → Auswirkungen auf Noradrenalinhaushalt

ADHS und Zink

Kinder, welche ADHS haben, haben meist auch einen Mangel an Zink. Eine Supplementierung von Zink kann die Wirkung von Methylphenidat verbessern.

Probleme

  • Unkritische Verschreibung → Deutliche Steigerung der Verschreibung in den letzten Jahren
  • Langzeiteffekt → Nicht genügend untersucht
  • Missbrauch → Stimulants für Prüfungen, Unterdrückung von Müdigkeit (bei Alkoholkonsum)

Unkritische Verschreibung

In den letzten Jahren erhöhte sich die Verschreibung von Methylphenidat drastisch.

  • 1993 → 34kg
  • 1995 → 58kg
  • 2000 → 463kg
  • 2005 → 1.199kg

ADHS und Sucht

In der Kindheit lösen Stimulantien nach heutigem Erkenntnisstand keine Sucht aus. Die Suchtgefahr ist sogar eher erhöht, wenn Kinder trotz ADHS nicht mit Stimulantien behandelt wurden.

Neue Alternativen

Auch wenn viele Effekte, vor allem Langzeiteffekte, von Methylphenidat noch nicht bekannt sind, ist Methylphenidat derzeit immer noch das wirksamste Mittel im Zusammenhang mit ADHS.

Möglichkeit und Grenzen

Medikamente Psychotherepeutische Betreuung
Aktivitätsniveau senken „Gute Erziehung“
Konzentration steigern Umgang mit Gefühlen lernen
Abnahme unkontrollierter Impulsivität Fertigkeiten lernen
Abnahme aggressiven Verhaltens Motivation
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch3/6.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/25 21:35 (Externe Bearbeitung)
 
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