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Emotionale Störungen im Kindesalter

Lernziele:

- Welche emotionalen Störungen können im Kindesalter auftreten?
- Welche Faktoren werden für die Herausbildung dieser Störungen diskutiert?
- Welche Erkenntnisse gibt es zu Verlauf und Therapie dieser Störungen?

Angststörungen und Phobien einschl. Mutismus

Angststörungen und Phobien

Im Kindesalter gibt es spezifische normative Angststörungen und Phobien:

  • Säuglings- und Kleinkindalter → Trennungsangst
  • Vorschulalter, mittlere Kindheit → Tierphobie, Dunkelangst
  • Mittlere Kindheit, frühe Adoleszenz → Schulphobie/Schulangst, Mutismus
  • Adoleszenz → Generalisierte Angststörung

⇒ Liegt das Ausmaß auf einem klinischen Niveau, dann werden die normativen Angststärungen und Phobien zu Störungen

Klassifikation

  • F93.0 emotionale Störung mit Trennungsangst
  • F93.1 phobische Störung des Kindesalters
  • F93.2 Störung mit sozialer Ängstlichkeit
F93.0 Emotionale Störung mit Trennungsangst
  • Trennungsangst schwerer als normalerweise im frühen Kindesalter
  • Läger andauernd
  • Beeinträchtigt soziale Funktionen
  • Angstäußerungen

Angstäußerungen:

  • Unrealistische Besorgnis um Trennung
  • Weigerung in Schule/Bett zu gehen
  • Somatische Symptome bei Trennung
  • Äußere Reaktionen → z.B. Schreien
  • Wut
  • Sozialer Rückzug
F93.1 Phobische Störung des Kindesalters
  • Diagnose analog zu Erwachsenen (F4)
  • Altersangemessene Phobien mit klinischer Ausprägung

⇒ Beispiele: Tierphobie im Vorschulalter, Schulangst, etc.

F93.2 Störungen mit sozialer Ängstlichkeit
  • Diagnostiziert, wenn Beginn zw. 1-6 Jahren
  • Alterstypische normative Maß muss überschritten sein
  • Störung des Sozialverhaltens
  • Anhaltendes Vermeiden von Fremden
  • Bezieht sich auf Erwachsene und/oder Gleichaltrige

Ätiologie

  • Bedingungsgefüge aus neuer Situation (Umweltveränderungen)
  • Kindliches Temperament (sensibel)
  • Prämorbide Ängstlichkeit
  • Reale Ängste unzureichend verarbeitet
  • U.U.: Isolation der Familie, Bindungsbesonderheiten

⇒ Diskussion: Unzureichende Modelle für Angstbewältigung

Therapie und Verlauf

  • Ambulant/Stationär → z.B. Verhaltenstherapie, Pharmakotherapie
  • Frühe Intervention notwendig → Vermeidung einer Chronifizierung
  • Günstiger Verlauf für die meisten Ängste (Ausnahme: Schulphobie)

Mutismus

Definition und Auftreten

  • Sprechverweigerung → Nach erfolgreichem Spracherwerb, Erhaltenes Sprechvermögen
  • Im Zusammenhang mit (1) hirnorganischen Störungen und (2) Psychosen
Varianten
  • Elektiver Mutismus → Bezieht sich auf bestimmte Personen
  • Totaler Mutismus → Bzieht sich auf alle Personen
Auftreten
  • Prinzipiell selten
  • Häufiger Mädchen als Jungen

Klinisches Bild

  • Beginn im Vorschul- und frühen Schulalter
  • Non-verbale Kommunikation oft möglich
  • Erscheinungsbild → Angst, Abwehr, Trotz, Passivität
  • Psychopathologie → Scheu, Angst, Depressivität

Ätiologie

  • Migrationshintergrund als Risikofaktor
  • Familienpathologie
  • Mehrere weitere Aspekte
Familienpathologie
  • Modelllernen
  • Eng bindende Mütter
  • Kommunikationsarme Väter
  • Störungen in der elterlichen Beziehung
  • Kindemisshandlung (z.T.)
Mehrere weitere Aspekte
  • Sprachentwicklungsverzögerung
  • Prämorbide Gehemmtheit
  • Ängstlichkeit
  • Enuresis/Enkopresis
  • Vererbte Persönlichkeitsmerkmale → Schweigsamkeit

Therapie und Verlauf

Therapie
  • Ambulant/Stationär → z.B. Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Familientherapie
  • Einbindung der Eltern
Verlauf
  • Wenig Angaben zum Verlauf
  • 50-80% Heilung
  • Einzelne persistente Fälle

Zwangsstörungen einschl. Tics & Tourette-Syndrom

Zwangsstörungen

Definition und Auftreten

Unter einer Zangsstörung werden wiederkehrende, als unsinnig erlebte, sich aufdrängende Ideen, Gedanken, Impulse, Handlungen verstanden.

Varianten
  • Zwangshandlungen
  • Zwangsgedanken
Auftreten
  • Manifestation im Kindesalter
  • Im Vorschulalter normal → Rituale zum Erlernen von Verhaltensskripten
  • < 1% Auftreten

Klinisches Bild

  • Eltern oft in Rituale einbezogen
  • Gradueller Beginn → z.B. Schrittfolge, welche angstreduzierende Funktion hat
  • Introversion/Ängstlichkeit oft vorhanden
  • Folge von Zwangsstörungen → Depressive Symptomatik
Abgrenzung
  • Stereotypien bei geistiger Behinderungen
  • Autismus
  • Organische Psychosyndrome → z.B. Schädel-Hirn-Trauma
  • Epilepsien
  • Schizophrenie
  • Endogene Depression
  • Phobie

Ätiologie

  • Hohe emotionale Aktivierung (Faktoren siehe unten)
  • Starke Angst
  • Mangelnde Anpassungsfähigkeit an neue Situationen
Hohe emotionale Aktivierung
  • Genetische Prädisposition
  • Neurophysiologische Funktionsstörungen
  • Störungen der Neurotransmitter

Verlauf und Therapie

Therapie
  • Bei Jugendlichen → Stationäre Therapie bei schweren Störungen
  • Bei jüngeren Kindern → Veränderung des elterlichen Erziehungsverhaltens
Verlauf
  • Chronisch → ca. 10%
  • Phasisch → Zweitweise Remission
  • Episodisch → Zeitweise inkomplette Remission

⇒ Chronischer Verlauf erschwert bei sekundärer Depression

Tics & Tourette-Syndrom

Definition und Auftreten

Definition

Tics und das Tourett-Syndrom zeichnen sich durch eine plötzliche, repetetive, unwillentliche, auf bestimmte Muskeln beschränkte Bewegung aus.

Auftreten
  • 5-25% Auftreten
  • Jungen 3x häufiger als Mädchen

Varianten

  • Isolierte (einfache) remittierende Tics → muskulär, eine Region
  • Multiple (komplexe) Tics → muskulär, mehrere Regionen
  • Chronisch persistierende Tics → muskulär
  • Tourette Syndrom → muskulär und vokal

Klinisches Bild

  • Kurzfristiges Unterdrücken/Reduzieren möglich
  • Oft als Reaktionen auf emotional belastende Situationen
  • z.T. Entwicklung aus sinnvollen Bewegungen
  • z.T. Gemeinsam mit HKS, Sprechstörungen, Enkopresis, schulische Probleme
Mögliche Symptome
  • Blinzeln
  • Schnüffeln
  • Räuspern
  • Kopfschütteln
  • Schultern-hoch-ziehen
  • Beugen von Armen/Beinen

Ätiologie

  • Hirnorganische Ursachen → Perinatale-, EEG-, neurologische Auffälligkeiten
  • Funktionen von Neurotransmittern
  • Genetische Ursachen
  • Lerntheoretische Ursachen → Imitation, Konsolidierung von Reflexen

Therapie und Verlauf

Therapie
  • Spannungsreduktion (Kind)
  • Psychoedukation (Eltern) → Empfehlung, Symptome wenig zu beachten
  • Medikamentöse Therapie bei Tourette-Syndrom
Verlauf

Ungünstige Prognose bei:

  • Geistige Behinderung
  • Epilepsien
  • Schwere familiäre Probleme
  • Eltern mit Tic-Störungen
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch3/11.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/24 17:39 (Externe Bearbeitung)
 
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