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10. Psychische Störungen mit körperlicher Symptomatik

1. Überblick und allgemeines Modell nach Steinhausen

  • Auslösereize
  • Organvulnerabilität
  • Mediatoren → Psychologisch, autonom-vegetativ, zentralnervös, endokrin
  • Klinische Symptomatik

(1) Familiäre Faktoren und (2) Persönlichkeit stehen in Interaktion mit klinischer Symptomatik

2. Schlafstörungen nach DSM IV

2.1. Einleitung: Phasen und Funktionen

Schlafphasen

  • Wach
  • REM
  • Einschlafstadium
  • Normaler Schlaf
  • Tiefschlaf

Wandel im Alter

Die Schlafprofile ändern sich mit dem Alter:

  • (1) Tiefschlaf-Phasen und (2) REM-Schlaf-Phasen nehmen mit dem Alter ab.
  • Schlaf-Wach-Wechsel verändert sich (Neugeboren: Ständiger Wechsel, Erwachsen: Schlafphase/Wachphase an einem Tag)

Funktionen

  • Kortikale Regeneration (Erholung)
  • Konsolidierung von Langzeitgedächtnisinhalten
  • Informationsverarbeitung durch Traumaktivität
  • Protektive Wirkung gegen psychische Störungen

2.2. Messung von Schlafstörungen

Die Gesamtbalance von Schlaf-/Wachphasen wird während des Nachtschlafes mit folgenden Maßen erhoben:

  • Schlaflatenz → Zeitdauer bis zum einschlafen
  • Intermittierendes Wachsein → Summe der Wachzeiten nach Einschlafen
  • Schlafeffizienz → Prozentualer Anteil: Schlafintentionszeit pro Gesamtschlafzeit
  • Schlafarchitektur → Anteil/Verteilung der Schlafstadien, z.B. Prozentualer Anteil: REM-Schlaf zu Non-REM-Schlaf

⇒ Wichtiges Kriterium für eine Schlafstörung sind neben den 4 Genannten auch immer das Leiden der Person unter den Schlafproblemen!

2.3. Primäre Schlafstörungen

Primäre Schlafstörungen sind endogene (1) Störungen der schlaf-wach-generierenden Mechanismen oder (2) Störung der zeitlich steuernden Mechanismen, welche sich durch konditionierende Faktoren chronifizieren.

2.3.1. Dyssomnien

Eine Dyssomnie bezeichnet eine Beeinträchtigung der Dauer, Qualität und der zeitlichen Abfolge des Schlafes.

1. Primäre Insomnie

Die Primäre Insomnie zeichnet sich allgemein durch eine (1) Einschlafstörung und (2) Durchschlafstörung aus.

Prävalenz
  • 15-70% bei Erwachsenen
  • 15-20% bei Kleinkindern (0,5 – 3 Jahre)
Ätiologie
  • Familiäre Häufung
  • Fehlkonditionierung
  • Starke psychosoziale/körperliche Belastung
Diagnosekriterien
  • Ein- und Durchschlafschwierigkeiten / Nicht-erholsamer Schlaf, mind. 8 Monate
  • Nicht bei Narkolepsie, nicht Atmungsgebunden, keine Störung des zirkadianen Rhythmus, keine Parasomnie
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine andere Störung → z.B. Depression, Angststörung, etc.
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

2. Primäre Hypersomnie

Die Primäre Hypersomnie äußert sich in eine (1) erhöhten Schlafbedürfnis, bzw. einer (2) erhöhten Schläfrigkeit.

Prävalenz
  • 5-10% bei Allgemeinbevölkerung
Ätiologie
  • Beginn zwischen 15. und 30. LJ
Diagnosekriterien
  • Übermäßige Schläfrigkeit seit mind. 1 Monat → Führt zu: Verlängerte Schlafepisoden / Tägliche Schlafepisoden
  • Nicht bei Narkolepsie, keine andere Schlafstörung, nicht Atmungsgebunden, keine Störung des zirkadianen Rhythmus, keine unzureichende Schlafdauer
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine andere Störung
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

3. Narkolepsie

Narkolepsie äußert sich in Form von Schlafattacken, welche 10-20 Minuten dauern können und (unbehandelt) 2-6 Mal am Tag auftreten.

Prävalenz
  • 0,02-0,16% bei Erwachsenen
Ätiologie
  • Genetische Grundlage
  • Tagesschläfrigkeit bereits im Vorschulalter/Schulalter
  • Ab AdoleszenzKlinisch auffällige Schlafattacken

Berufsuntauglichkeit für viele Tätigkeiten! (z.B. LKW-, Bus-, Zugfahrer, etc.)

Diagnosekriterien
  • Unwiderstehbare Attacke von erholsamen Schlaf, mind. 3 Monate
  • Mindestens ein Merkmal von: (1) Kataplexie (Verlust von Muskeltonus), (2) Einstreuung von REM im Übergang Schlaf/Wach
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

4. Atmungsgebundene Schlafstörung

Prävalenz
  • 1-10% bei Erwachsenen
  • Häufigkeit steigt mit dem Alter
  • Gehäuft bei Übergewicht
Ätiologie
  • Familiäre Häufung
  • Bei Kindern oft ohne Schnarchen → Aufgeregtes Aufwachen
  • Ungewöhnliche Schlafpositionen → z.B. Schlafen auf Händen, Knien, etc.
Subtypen
  • Obstruktives Schlaf-Apnose-Syndrom → Lautes Schnarchen, Nach Luft japsen, Atempausen von 20-90 Sekunden
  • Zentrales Schlaf-Apnose-Syndrom → Zeitweiliger Atemstillstand mit wiederholtem Aufwachen, leises Schnarchen
  • Zentrales Hypnoventilations-Syndrom → Niedrige Sauerstoffsättigung des Blutes, bei sehr übergewichtigen Personen
Diagnosekriterien
  • Schlafunterbrechungen in Folge schlafgebundener Atmungserkrankungen
  • Keine andere Störung
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

5. Schlafstörung mit Störung des zirkadianen Rhythmus

Subtypen
  • Typus mit verzögerter Schlafphase → Betrifft eher Jüngere (7%), Spätes Einschlafen / Spätes erschwertes Aufstehen, Verbunden mit Tagesschläfrigkeit
  • Jet-Lag-Typus → Diskrepanz: Gewünschtes/Erforderliches Schlaf-Wach-Zeiten(z.B. Zeitzonenwechsel)
  • Schichtarbeits-Typus → 60% der Nachtschichtarbeiter, Erschwert Ein-/Durchschlaf, Schläfrigkeit
  • Unspezifischer Typus → Vorverlagerte Schlafphase, Nicht-24-stündiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Irregulärer Schlaf-Wach-Rhythmus
Diagnosekriterien
  • Anhaltendes/Wiederkehrendes Muster von Schlafunterbrechung führt zu übermäßiger Schläfrigkeit/Insomnie
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine andere Störung
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

2.3.2. Parasomnien

Parasomnien bezeichnen ein abnormes Erleben und Verhalten im Schlaf.

1. Schlafstörung mit Alpträumen

Prävalenz
  • 50% bei Erwachsenen
  • 10-50% bei Kindern (3-5 Jahre)
Ätiologie
  • Psychosoziale Belastung
Diagnosekriterien
  • Wiederholtes Erwachen aus Schlaf mit detaillierter Erinnerung an ausgedehnte/furchterregender Träume → Bedrohung des Überlebens/Sicherheit/Selbstwert
  • Nach Erwachen schnell orientiert und wach → Keine Verwirrung/Desorientierung
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine andere Störung

2. Pavor nocturnus

Pavor nocturnus bezeichnet regelmäßiges Aufschrecken im Schlaf.

Prävalenz
  • Unter 1% bei Erwachsenen
  • 1-6% bei Kindern
Ätiologie
  • Familiäre Häufung
  • Reifeverzögerung des ZNS
  • Psychosoziale Belastung
Diagnosekriterien
  • Wiederholte Episoden plötzliche Hochschreckens → Verbunden mit panischem Schrei
  • Starke Angst, Anzeichen vegetativen Arousals, schnelles Atmen, Schwitzen
  • Keine Reaktion auf Beruhigung
  • Keine detaillierte Traumerinnerung
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

3. Schlafstörungen mit Schlafwandel

Prävalenz
  • 1-7% (einzelne Episoden) bei Erwachsenen
  • 1-5% bei Kindern
  • 10-30% (einzelne Episoden) bei Kindern
Ätiologie
  • Familiäre Häufung
  • Beginn mit 7 Jahren
  • Stärkste Ausprägung mit 12 Jahren
  • Abklingen mit 15 Jahren
Diagnosekriterien
  • Wiederholtes Aufstehen aus dem Bett und Umhergehen im Schlaf
  • Ausdrucksloses starres Gesicht , Keine Reaktion auf Berührung, Hohe Weckschwelle
  • Amnesie nach dem Aufwachen
  • Keine Beeinträchtigung geistiger Funktionen / des Verhaltens nach dem Aufwachen
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

2.4. Schlafstörungen im Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung

Prävalenz

  • 35-50% Insomnie bei anderen psy. Störungen
  • 5% Hypersomnien bei anderen psy. Störungen

Andere psychische Störungen

Andere psychische Störungen, die Schlagprobleme auslösen können sind:

  • Depression
  • Manisch-depressive Störung
  • Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Enuresis
  • Enkopresis
  • Essstörungen

Diagnosekriterien

Insomnie in Zusammenhang mit …
  • Ein- oder Durchschlafschwiergkeiten / Nicht-Erholsamer Schlaf, mind. 1 Monate
  • In Zusammenhang mit einer anderen Störung auf Achse I/II,
  • Keine andere Schlafstörung
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor
Hypersomnie im Zusammenhang mit …
  • Übermäßige Schläfrigkeit, mind. 1 Monat
  • In Zusammenhang mit einer anderen Störung auf Achse I/II,
  • Keine andere Schlafstörung
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
  • Keine Substanzwirkung oder medizinischer Krankheitsfaktor

2.5. Schlafstörungen auf Grund eines medizinischen Krankheitsfaktors

Subtypen

  • Insomnie-Typus → Ein-/Durchschlafbeschwerden
  • Hypersomnie-Typus → Verlängerter Nachtschlaf/Tagesschläfrigkeit
  • Parasomnie-Typus → Abweichendes Verhalten im Schlaf
  • Mischtyp

Medizinische Krankheitsfaktoren

  • Degenerative neurologische Erkrankung → z.B. Morbus Parkinson, Alzheimer Demenz
  • Virale und bakterielle Infektion → Virale Enzephalitis
  • Husten, Bronchitis
  • Rheumatische Erkrankungen (damit verbundene Schmerzen)
  • Kreislauferkrankungen → z.B. Bluthochdruck
  • Übergewicht

Diagnosekriterien

  • Beeinträchtigung des Schlafes mit klinischer Relevanz
  • Hinweise, dass Schlafstörung Folge eines medizinischen Krankheitsfaktors ist
  • Nicht ausschließlich im Verlauf eines Delirs („Verwirrtheitszustand“)
  • Keine Atmungsgebundene Schlafstörung oder Narkolepsie
  • Keine andere psychische Störung
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung

2.6. Substanzinduzierte Schlafstörung

Die (1) Intoxiation mit und der (2) Entzug von folgenden Substanzen rufen Schlafstörungen hervor:

Alkohol
  • Sedierender Effekt (3-4 Stunden)
  • Anschließend gesteigerte Wachheit
  • Ruheloser Schlaf
  • Ein- und Durchschlafbeschwerden
  • Verminderter Tiefschlaf
  • Lebhafte (oft) angstbesetzte Träume
Stimulantien, Koffein
  • Insomnie bei Einnahme
  • Hypersomnie bei Entzug
Kokain
  • Insomnie bei Einnahme
  • Hypersomnie bei Entzug
Sedativa, Hypnotika, Anxiolytika
  • Abhängigkeitsentwicklung
  • Schwere Insomnie bei Entzug

Diagnosekriterien

  • Beeinträchtigung des Schlafes mit klinischer Relevanz
  • Hinweise, dass Schlafstörung Folge einer Intoxikation bzw. eines Entzugs ist
  • Nicht ausschließlich im Verlauf eines Delirs („Verwirrtheitszustand“)
  • Keine andere Schlafstörung
  • Verursacht Leiden/Beeinträchtigung
 
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