Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

1. Einführung

Definition Lern- und Verhaltensbeeinträchtigung

Lern- und Verhaltensbeeinträchtigungen sind:

Negative Normabweichung in der (1) Leistungsentwicklung und/oder des (2) Erlebens und Verhaltens. Sie belasten den pädagogischen Alltag und erfordern psychologische und/oder sonderpädagogische Intervention.“

Definition Verhaltensstörung

Verhaltensstörungen sind:

„normabweichende Verhaltens- und Erlebensweisen des Kindes, die sich in gestörten Beziehungen des Kindes und des Jugendlichen zu anderen und sich selbst entäußern.“

Dies kann folgende Symptombereiche Treffen:

  • Sozialverhalten
  • Sexualität
  • Neurovegetativer Bereich
  • Motorik / Abnorme Gewohnheiten
  • Sprache/Sprechen

Es kann außerdem zeitlich unterschiedlich auftreten:

  • Kurzfristig/Selten
  • Phasenhaft
  • Permanent

Norm

Normarten

  • Individuelle/Subjektive Norm
  • Mikrogruppennorm
  • Statistische Norm → Verteilungsbezogen/Kriteriumsbezogen
  • Gesellschaftliche Norm → Formell/Informell, Ideal/Realnorm
  • Juristische Norm

Statistische Norm - Beispiel Enuresis

Ein Beispiel für eine kriteriumsbezogene Norm ist eine Studie zum Betnässen (Enuresis). Dort wurde ein Kriterium festgelegt, auf dessen Basis festgelegt wurde, ab wann ein Kind nicht mehr Bettnässen sollte.

Als Kriterium wurde 95% genommen. Sobald also 95% der Kinder nicht mehr Bettnässen wird dieses Alter als normales Alter festgelegt, in dem Kinder nicht mehr Bettnässen sollten. Das Alter änderte sich im Lauf der Zeit:

  • 1980 → Ab 3 Jahren 95% der Kinder keine Bettnässer mehr
  • 2001 → Ab 5 Jahren 95% der Kinder keine Bettnässer mehr

⇒ Kriterium für „Normal“ bleibt konstant

Gesellschaftliche Norm – Beispiele

Ziel der Norm Formell Informell
Realnorm StVo Geschlechtsstereotyp
Idealnorm WHO Definition Gesundheit Menschenbild

Normabweichung

Es können unterschiedliche Schweregrade einer Normabweichung definiert werden, mit absteigendem Schweregrad von Lern- und Verhaltensbeeinträchtigungen:

  • Normalität
  • Kurzfristige Auffälligkeit
  • Störung → 10% der Kinder/Jugendlichen
  • Schwäche → 8% der Kinder/Jugendlichen
  • Behinderung → 4-6% der Kinder/Jugendlichen

Störung

„Bezieht sich auf einen klinisch erkennbaren Komplex von Symptomen/Normabweichungen, die mit Belastung und Beeinträchtigung von Funktionen verbunden sind und die sich über einen längeren Zeitraum herausgebildet und chronifiziert haben“

Beispiel Essstörung

Bei Essstörungen kann grob unterschieden werden zwischen:

  • Eating/Purging-Typus → Mit Ess-Brechanfällen
  • Restriktiver Typus → Ohne Ess-Brechanfälle
Epidemiologie

Die Kriterien für Anorexie oder Bulimie werden erfüllt von:

  • 5% aller 14-24-Jährigen Mächen/Frauen
  • 1% aller Jungen/Männer

⇒ Auffälligkeiten meist deutlich vor 15. Lebensjahr

Neben den Fällen, welche die Essstörung tatsächlich diagnostiziert bekommen, gibt es jedoch viele, welche nur einen Teil der Kriterien erfüllen, z.B. „große Angst vor Zunahme“ oder „zu dünn“ (bzw. zu niedriger BMI).

Verlauf

Die Genesung dauert meist relativ lange (6-7 Jahre), sofern sie denn eintritt. Ca. 10% der Anorexia Nervosa Patienten verstirbt.

⇒ 10-Fach erhöhte Mortalität, Erhöhte Suizidrate

Schwäche

„Eine biologisch verursachte Beeinträchtigung von Funktionen, die von minimalen zerebralen Dysfunktionen verursacht werden und eine permanente Zeitcharakteristik trägt.“

Beispiel Legasthenie

Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche hat folgende Auffälligkeiten:

  • Häufigkeit → 5-16%
  • Jungen häufiger als Mädchen (ca. 4:1)
  • Genetische Ursache → Familiäres Auftreten (ca. 44%)

Behinderung

„Behindert ist derjenige, bei dem eine körperliche und/oder seelische Erkrankung, ein angeborenes Leiden oder eine äußere oder innere Schädigung vorliegt, welche Schäden nach sich zieht, die wiederum Fähigkeitsstörungen und soziale Beeinträchtigungen auslösen bzw. mit bedingen.“ (WHO, 1997)

Sozialrechtlich

Im sozialrechtlichen Verständnis (Sozialgesetzbuch IX, 2001) ist eine Behinderung:

„Menschen sind behindert, wenn körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.“

Prävalenz der Behindertenarten

  • 2,38% Lernbehinderte
  • 0,63% Geistigbehinderte
  • 0,34% Sprachbehinderte
  • 0,24% Verhaltensgestörte
  • 0,22% Körperbehinderte
  • 0,07% Schwerhörige
  • 0,05% Gehörlose
  • 0,03% Sehbehinderte
  • 0,02% Blinde

⇒ Gesamt: 3,99% behinderte Kinder in Schulen

Beispiel Down-Syndrom

Körperliche Probleme

Kinder mit Down-Syndrom (Trisomie 21) haben folgende körperlichen Probleme:

  • Hypotomie → Schlaffer Muskeltonus, Verzögerung in der körperlichen Entwicklung
  • Minderwuchs

Gesundheitliche Probleme

  • Angeborene Fehlbildungen → Herzfehler, Dünndarm-Fehlbildung
  • Andere Probleme → Anfällig für Infektionen (Luftwege/Ohren), Allergien

Stärken

  • Schnelles Lernen
  • Aufnahmefähig für Hilfestellungen
  • Sehschärfe
  • Soziale Zugänglichkeit
  • Sprachverständnis
  • Geringe Entwicklungsverzögerung (bis 3. Monat)
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch3/1.txt · Zuletzt geändert: 2012/11/06 18:23 von carlo
 
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