Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

5.2. Implizite Modelle

Lernen

„Lernen ist das Aufnehmen, Verarbeiten und Speichern von Informationen, als deren Resultat eine relativ stabile Verhaltensänderung oder eine Veränderung des Verhaltenspotenzials entsteht.“

Lernen umfasst alle erfahrungsbasierten Verhaltensänderungen:

  • Aneignung neuer Informationen
  • Interne Verarbeitungsprozesse

Bestimmte Veränderungen gehören jedoch nicht zum Lernen:

  • Genetisch determiniert (z.B. Reifung)
  • Biochemisch verursacht (z.B. Medikamente)
  • Kurzzeitige verändert (z.B. Müdigkeit)

Unterscheidung implizites & explizites Lernen

Unterscheidungskriterien sind:

  • Intention/Absicht
  • Zielausrichtung
  • Aufmerksamkeit
  • Bewusstheit
  • Planung
  • Anstrengung

Implizites Lernen

Definition

Implizites Lernen verläuft:

  • Beiläufig/Unbeabsichtigt
  • Mit eingeschränktem Bewusstsein (z.B. im Schlaf)
  • Veränder gegenüber Normalzustand (z.B. bei Entspannung)
  • Während anderen Aktivitäten

Dabei liegen folgende Fähigkeiten vor:

  • Unbemerktes Lernen
  • Gelerntes kann nicht erinnert werden
  • Gelerntes kann nicht wiedererkannt werden

Beispielstudie

In einer Studie, bei der bestimmte Buchstabenfolgen gelernt werden sollten wurde gezeigt:

  • Schnellere Bearbeitung durch Übung
  • Anstieg der Reaktionszeit, wenn Sequenz geändert
  • Phänomene auch wenn Proband Systematik nicht bewusst kennt

Unterrichtskonzepte mit implizitem Lernen

  1. Lernen im Spiel
  2. Ganzheitlich-, sinnlich-, handlungsorientierter Unterricht
  3. Lernen im Schlaf
  4. Suggestopädie

1. Lernen im Spiel

Siehe Zusammenfassung Lernen im Spiel.

2. Ganzheitlich-, sinnlich-, handlungsorientierter Unterricht

Der Ansatz wird vor allem im reformpädagogischen Ansatz realisiert.

  • Stimulierung aller Sinne
  • Körperliche Bewegung/Gesten
  • Interaktives Lernen mit anderen
  • Lernen in natürlichen Situationen
  • Symmetrische Interaktion Lehrer/Schüler
  • Ziel ist Persönlichkeitsentwicklung → Nicht nur Wissenserwerb
  • Aktive Handlungserfahrung → Episodisches Wissen, nicht nur deklarativ

3. Lernen im Schlaf

Bedeutung

  • Informationsaufnahme und Verarbeitung
  • Konsolidierung → Spurenbildung im Langzeitgedächtnis

Schlafphasen

Im Schlaf werden verschiedene Phasen durchlaufen:

  • Wach
  • REM
  • Einschlafstadium
  • Normaler Schlaf
  • Tiefschlaf

Schlafveränderung im Lebenslauf

Veränderter Schlafverlauf

Der Verlauf der Schlafphasen ändert sich mi zunehmendem Alter. Mit dem Alter folgen:

  • Weniger Tiefschlaf
  • Erhöhte Störbarkeit
Vermindertes Schlafbedürfnis

Mit dem Alter nimmt außerdem das Schlafbedürfnis tendenziell ab. Dabei ist folgendes zu beobachten:

  • Non-REM Schlaf → Bleibt ungefähr gleich
  • REM-Schlaf → Nimmt deutlich ab
  • Tiefschlaf → Nimmt deutlich ab

Gedächtnisbildung im Schlaf

In einer Studie wurden zwei unterschiedliche Aufgaben gestellt. Entweder sollten (1) Wortpaar-Assoziationen (deklarative Aufgabe) gelernt werden oder es sollte eine (2) Spiegelzeichnung (prozedurale Aufgabe) geübt werden.

Die Aufgabe sollte entweder geübt und nach einer bestimmten Wartezeit im Wachzustand in der Nacht durchgeführt werden ((1) Wachbedingung) oder die Aufgabe sollte geübt und dann nach einer bestimmten Schlafzeit erneut durchgeführt werden ((2) Schlafbedingung).

Außerdem wurde eine frühe und eine späte Schlafphase unterschieden. In der (1) frühen Schlafphase sollte noch vor dem einschlafen geübt werden, mitten in der Nacht wurde der Proband geweckt und sollte die Aufgabe erneut durchführen. In der (2) späten Schlafphase sollte zunächst geschlafen werden, nach der Hälfte der Zeit wurde der Proband geweckt, es wurde geübt und der Proband sollte weiterschlafen. Die Aufgabe sollte dann erst nach der zweiten Schlafphase erneut durchgeführt werden.

Im Ergebnis ergaben die unterschiedliche Schlafphasen für die unterschiedlichen Lerntypen andere Vorteile:

  • Frühe Schlafphase → Deklarative Aufgabe besser
  • Späte Schlafphase → Prozedurale Aufgabe besser

Störung der Schlafkontinuität

Die Schlafkontinuität kann gemessen werden mit.

  • Schlaflatenz → Dauer bis zum Einschlafen
  • Intermittierendes Wachsein → Kumulierte Wachzeiten
  • Schlafeffizienz → Schlafanteil an im Bett verbrachter Zeit
  • Schlafarchitektur → Anteil/Verteilung der Schlafstadien

4. Suggestopädie

Definition

Suggestion

Die Suggestion ist die „bewusste oder unbewusste Beeinflussung einer Person auf der Grundlage ihrer affektiven Resonanz und unter Umgehung ihrer kritischen, rationalen Kontrolle.“

Suggestologie

Die Suggestologie ist die „Lehre von der Suggestion und der Suggestibilität (d.h. der Empfänglichkeit für Suggestionen) von Menschen.“

Suggestopädie

Unter Suggestopädie wird eine Lehrmethode verstanden, welche die Lernleistung durch Suggestion steigern soll. Dabei ist es das Ziel durch Vermeidung von Desuggestion und Einsatz von Suggestion vor allem auf unbewusster Ebene eine erhöhte Lernleistung zu erreichen.

  • Desuggestion → Lernhemmenden Faktoren
  • Suggestion → Lernfördernden Faktoren

⇒ Ziel ist Wechsel von aktivem und entspanntem Zustand

Superlearning

Als Superlearning werden verschiedene methodische Varianten verstanden, welche das Lernen in Entspannungszuständen ermöglichen sollen.

Lernzustandsregulierung

Die Lernzustandsregulierung ist eine Sammelbezeichnung für didaktische Methoden, welche einen entspannten mentalen Zustand erreichen sollen um die Aufnahmebereitschaft für Informationen zu erhöhen.

7 Grundprinzipien

  • Prinzip der suggestiven Präsentation → Angenehme Präsentation, Partnerschaftliche Beziehung, Suggestionsmittel (z.B. Gesten, Mimik, etc.)
  • Prinzip des vergrößerten Inputs → Globaler Überblick, Toleranz, Keine vollständige Verständlichkeit
  • Prinzip der Emotionalität → Positives emotionales Erleben, Romanhafte Dialoge, Rolle des Lehrers (Ankerkennung, Akzeptanz, keine negative Rückmeldung, etc.)
  • Prinzip der Dynamik von Spannung und Entspannung → Wechsel Aktiv/Passiv, Entspannter Wachzustand, Durchgängiges Lernen möglich
  • Prinzip der Desuggestion von Lernbarrieren → Abbau von Lernbarrieren
  • Prinzip der Ästhetik → Bedeutung der Umgebung, Verwöhnen des Lernenden
  • Prinzip des Spracherwerbs → Sprache als Ganzheit, Auswahl aus Angebot, Regelwissen selbst erkennen
Allgemein
  • Motivationale, emotionale und soziale Faktoren
  • Didaktische, künstlerische und psychologische Mittel

Suggestopädischer Unterricht

In der ersten Veranstaltung sollte eine Einführung stattfinden, mit einer Vorstellung, bei der die Teilnehmer evtl. fiktive Rollenidentitäten annehmen. Der weitere Verlauf ist in 3 Phasen gegliedert:

  • Phase 1 - Pre-Session → Erste Lernmaterialien mit suggestopädischen Methoden, Hausaufgaben
  • Phase 2 - Session → Aktives „Lernkonzert“ (ruhige aktivierende Stücke von Beethoven), Pseudopassives „Lernkonzert“ (ästhetischer Genuss der Musik)
  • Phase 3 - Post-Session → Anwendung/Transferierung des Gelernten mit kreativem Umgang (Rollenspiele, Gespräche, etc.)

Didaktische psychologische Methoden

Eingesetzte didaktische Mittel sind:

  • Wiederholung bei Hausaufgaben
  • Rhythmisierung des Ablaufs
  • Umfangreiches Lernmaterial
  • Zweisprachige/Fremdsprachige Texte
  • Interaktive Übungsformen
  • Kotextbezogene Vermittlung von Grammatik

Eingesetzte psychologische Mittel sind:

  • Suggestiv-desuggestives Lernverhalten
  • Partnerschaftliche Beziehung
  • Indirekte Fehlerkorrektur
  • Angenehme Umgebungsatmosphäre
  • Pseudopassivtät
  • Assoziative Verknüpfung
  • Identitätswechsel

Beteiligte Disziplinen sind:

  • Suggestologie
  • Neuropsychologie
  • Lernpsychologie
  • Psychotherapie
  • Didaktik des Fremdsprachenunterrichts
  • Musikpsychologie, Musiktherapie

Rolle der Musik

  • Auslöser von Emotionen
  • Psychohygienische Wirkung
  • Förderung kognitiver Prozesse
  • Fördert Lernklima
Evaluation

Das Musik (1) unterstützend wirken kann ist weitestgehen nachgewiesen, vor allem für Barockmusik, Rapmusik und meditativer Musik. Außerdem haben (2) musikalische Personen oft bessere Lernerfolge, auch wenn sie beim Lernen keine Musik hören. Erklärt wird dies mit einer evtl. höheren Suggestibilität.

  • Unterstützende Wirkung
  • Besserer Lernerfolg musikalischer Menschen

Suggestopädie heute

  • Deutsche Gesellschaft für suggestopädagogisches Lehren und Lernen (DGSL)
  • Society of Affective Effective Learning (SEAL)
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch2/9.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/20 19:29 (Externe Bearbeitung)
 
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