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3./4. Metakognition, deklaratives und prozedurales Wissen

Lernziele
- Charakteristiken erfolgreich Lernender
- Begriffe Metakognition, deklaratives Wissen und prozedurales Wissen
- Forschungsergebnisse, Trends und Integration

Chrakteristiken erfolgreich Lernender

Erfolgreich lernende Personen weisen nach dem GIV-Modell folgende Eigenschaften auf:

  • Reflektiv
  • Planen des Lernens
  • Effiziente Lernstrategien
  • Einsetzen der passenden Lernstrategien in entsprechenden Situationen
  • Motivation Lernstrategien einzusetzen
  • Automatische Nutzung der Lernstrategien
  • Überwachung der Fortschritte
  • Hohe Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses
  • Reichhaltiges Weltwissen
  • Vertrauen in Lernfähigkeit
  • Wunsch/Überzeugung weiterer Verbesserungsmöglichkeit
  • Stellen sich neuen Anforderungen

INVO-Modell

Erweitert werden diese Punkte im INVO-Modell. Dabei wird getrennt zwischen:

Kognition
  • Selektive Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis
  • Strategien und metakognitive Regulation
  • Vorwissen
Motivational-volitional
  • Motivation und Selbstkonzept
  • Volition und Emotionen

Metakognition

Zwei-Koponenten-Sichtweise

Die Zwei-Koponenten-Sichtweise trennt Metakognition in (1) metakognitive Kontrolle und (2) metakognitives Wissen.

1. Metakognitive Kontrolle
  • Selbstreflexive Prozesse beim Wissenserwerb → Planen, Überwachen, Kontrollieren, Bewerten
  • Steuerungsprozesse auf Metaebene
  • Metakognition → Beeinflussung des eigenen Denkverlaufs
2. Metakognitives Wissen

Metakognitives Wissen enthält Wissen über:

  • Eigene kognitive Funktionen
  • Aufgaben
  • Kognitive Strategien

Integratives Klassifikationsschema

  1. Systemisches Wissen → (1) Eigenes kognitives System, (2) Lernanforderungen, (3) Strategien
  2. Epistemisches Wissen → (1) Gedächtniszustand, (2) Inhlate/Grenzen des eigenen Wissens, (3) Verwendungsmöglichkeiten des eigenen Wissens
  3. Exekutive Prozesse (Kontrolle) → (1) Planung, (2) Überwachung, (3) Steuerung von Lernprozessen
  4. Sensitivität für eigene kognitive Möglichkeiten → (1) Erfahrungswissen, (2) Intuition
  5. Metakognitive Erfahrungen → (1) Bewusste kognitive Empfindung, (2) Bewusste affektive Zustände

Entwicklung

Aspekte

  • Biologische Reifung ermöglicht basale strategische Verhaltensmöglichkeiten
  • Hoher Aufwand für Erwerb metakognitiver Strategien
  • Erste Behaltensstrategien im Grundschulalter
  • Komplexe Lernstrategien nach Grundschulalter → 15-16 Jahre

Entwicklung

  1. Mediationsdefizit → Modellhaft gezeigte Strategien (Beginn) ohne Selbstinitiierung
  2. Produktionsdefizit → Erlernte Strategien nicht spontant produzierbar
  3. Nutzungsineffizienz → Spontane Produktion unzureichende Automatisierung / fehlerhafte Anwendung

Metakognition im Kindesalter

In einer Studie von Robson (2010) wurde die Metakognition im Kindesalter untersucht. Dabei wurde speziell betrachtet:

  • Art und Weiser der Metakognition bei Kindern
  • Selbstkonzept als Lerner
  • Nutzung von Strategien
Grundannahmen
  • Lernen/Entwicklung sind soziale Prozesse
  • Kinder haben Kapazität zu Metakognition/Selbstregulation
  • Freies Spiel gut zur Beobachtung
  • Selbst-reguliertes Lernen durch Bereitstellung von Wahlmöglichkeiten
Methode

In der Studie wurden 12 Kinder und deren Erzieher untersucht. Es wurden innerhalb von einem Jahr Videoaufnahmen des „freien Spielens“ und Audioaufnahmen von Gesprächen zwischen Kindern und Erziehern analysiert.

Es wurden anschließend reflektive Dialoge mit den Kindern über die Videoaufnahmen durchgeführt, bei denen die Kinder ihr eigene Verhalten erklären konnten.

Ergebnisse

Weites Spektrum metakognitiver gedanklicher Aktivität.

Erwerb Deklarativen Wissens

Definition

Deklaratives Wissen umfasst Wissen, welches (1) faktisch vorhanden ist und auf das bewusst zugegriffen werden kann, sowie das (2) gesamte vorbewusste Wissen im Langzeitgedächtnis.

  • Faktisches Wissen mit bewusstem Zugriff
  • Vorbewusstes Wissen im Langzeitgedächtnis

Erwerb

  • Elaborative Prozesse → Differenzierte Ausarbeitung von Wissen
  • Organisationsprozesse
  • Wissenserwerb im schema-theoretischen Ansatz

Elaboration

Arten von Elaborationen sind:

  • Bildhafte Vorstellungen
  • Persönliche Erfahrungen
  • Metakognitive Aussagen
  • Kritische Auseinandersetzung
  • Aktivierung von Sachwissen
  • Paraphrasierung
  • Generierung von Beispielen

Zum Erwerb deklarativen Wissens können Elaborationsstrategien angewendet werden:

  • Vorwissen aktivieren
  • Fragenstellen
  • Notizen machen
  • Vorstellungsbilder
  • Sokratischer Dialog
  • Wiederholungsstrategien

Organisationsprozesse

Wissenserwerb kann auch durch Organisationsprozesse stattfinden, diese können sein:

  • Weglassen (Tilgen)
  • Selektion → Textorientiert, Interessenorientiert
  • Generalisierung → Evtl. problematische Übergeneralisierung
  • Konstruktion → z.B. Modelle

Generalisierung/Konstruktion benötigen Schemata (Textschemata, Wissensschemata)

Um diese Prozesse anwenden zu können, können unterschiedliche Organisationsstrategien angewendet werden:

  • Zusammenfassung
  • Textgestaltung
  • Wissensschemata
  • Externe Visualisierung (z.B. Mind Maps)

Wissenserwerb im schema-theoretischen Ansatz

Das Schemakonstrukt wird gekennzeichnet durch:

  • Allgemeines Wissen im Gedächtnis
  • Hierarchische Strukturen
  • Generisches und episodisches Wissen
  • Wechselwirkung von datengeleiteten (bottom-up) und schemageleiteten (top-down) Prozessen

Es können verschiedene Arten von Schemata unterschieden werden, bei denen Wissen nach einer bestimmten Informationsart strukturiert wird:

  • Formschemata
  • Personenschemata
  • Szenenschemata
  • Narrationsschemata

Die Funktionen sind:

  • Steuerung der Aufmerksamkeitsverteilung
  • Verständnis und Kohärenz bei neuen Informationen
  • Beeinflussen Abruf/Rekonstruktion und Ausgabe von Wissen

Erwerb prozeduralen Wissens

Definitionen

Eine Fertigkeit bzw. prozedurales Wissen ist ein „Verhalten, welches aus einer komplexen Folge von Handlungen besteht und in festgelegter Weise wiederholt wird.“ Außerdem beinhaltet dies „Wissen über die Art und Weise wie man kognitive Aktivitäten und Operationen tatsächlich ausführt.“

  • Psychomotorische Fertigkeiten → Muskulare Aspekte
  • Kognitive Fertigkeiten → Mentale Aspekte (nutzen von Wissen über Sachverhalte)

⇒ Fertigkeiten werden (1) automatisch und (2) nicht bewusst ausgeführt.

Korrespondenz

Es gibt einen relativ engen Zusammenhang zwischen deklarativ/prozedural und implizit/explizit. Die Begriffe können jedoch nicht synonym verwendet werden.

Merkmale von Fertigkeiten

  • Hoher Automatisierungsgrad
  • Leistungssteigerung durch Übung
  • Weniger Information nötig mit verbesserter Fertigkeit
  • Geringe Vergessensrate (im Vergleich zu deklarativem Wissen)

Erwerb von Fertigkeiten

Stufen des Fertigkeitenerwerbs

Im ACT-Modell (Grafik siehe Vorlesung) wird der Fertigkeitenerwerb in 3 Stufen eingeteilt:

  1. Kognitive Stufe
  2. Wissenskompilierung
  3. Automatisierung
1. Kognitive Stufe
  • Wissen über genauen Ablauf/Ausführung der Fertigkeit
  • Deklaratives Wissen, begriffliches Regelwissen
  • Wissen über Handlungs- und Bewegungsfolgen
  • ProduktionssystemeWenn-Dann-Regeln (Bedingung und Aktions/Handlungsteil)

Beispiel für eine Wenn-Dann-Regel ist der Schlatvorgang beim Autofahren. Es müssen bestimmte (1) Bedingungen herrschen (Bestimmte Geschwindigkeit, aktueller Gang, Kupplung/Schalthebel vorhanden, etc.), damit eine bestimmte (2) Handlung ausgeführt werden kann (Kupplung drücken, Schalthebel bewegen, Kupplung los lassen).

2. Wissenskompilierung
  • Transformation in prozedurales Wissen
  • Psychomotorisch/Mental
  • Flüssigere Bewegungsausführung
  • Einzelelemente werden zu Prozedur/Komposition
  • Arbeitsgedächtnisentlastung → Ermöglicht Parallelhandlung
3. Automatisierung
  • Präzisere, schnellere, sicherere Ausführung
  • Keine Verbalisierung mehr möglich → Nur noch Ausführung
  • Deklaratives Wissen im Hintergrund

Dabei sind 3 Prozesse von Bedeutung:

  • Generalisierung → Erweiterung auf weitere Fälle
  • Diskrimination → Einschränkung auf speziellere Anwendungen
  • Stärkung → Durch wiederholte Anwendung

Kritik am ACT-Modell

Das ACT-Modell geht davon aus, dass deklaratives Wissen durch Übung in prozedurales Wissen transformiert wird.

Dem Gegenüber stehen Fertigkeiten, welche ohne voriges deklaratives Wissen erworben werden können. Dazu gehört z.B. die menschliche Lautbildung, Kontrolle der Muskeln oder kinästhetische Orientierung.

Entwicklung mathematischer Fähigkeiten

Das Triple-Code-Modell (Grafik siehe Vorlesung) erklärt die Entwicklung der Rechenfähigkeit im Kindesalter. Dazu gehört:

  • Visuell-arabische Repräsentation → Operationen, Paritätsentscheidung (gerade/ungerade)
  • Analoge Repräsentation von Größen → Vergleiche, Überschlagsrechnung
  • Auditiv-sprachliche Repräsentation → Faktenwissen
Entwicklungsschritte
  • 1. Monat → Mengenunterschiede
  • 5. Monat → Präverbales Zählen
  • 6. Monat → Rangordnung
  • 18. Monat → Einfache Addition/Subtraktion
  • 2. Jahr → Körperteile zählen
  • 4. Jahr → Addition/Subtraktion

Bis 5. Klasse folgt dann:

  • Zählen
  • Transformation in Wortform
  • Dekadisches System
  • Arithmetische Fakten
  • Mehrstellige Zahlen
  • Textaufgaben
  • Flächenberechnung
  • Negative Zahlen
  • etc.

Förderung des Erwerbs

Eine Förderung kann erreicht werden durch:

  • Vereinfachung der Darstellung
  • Teilschritte (nicht der ganze Handlungsablauf)
  • Verteiltes Lernen (kein massiertes Lernen)
  • Rückmeldung

Lerntherapie

Lerntherapie wird z.B. am Duden-Institut durchgeführt, dabei wird gefördert die Entwicklung von:

  • Zahlenvorstellung
  • Vorstellung über Rechenoperationen

Dabei werden 3 Ebenen angesprochen:

  • Enaktiv → Gegenständliche Arbeit
  • Ikonisch → Arbeit mit Bildern/Vorstellungen
  • Symbolisch → Arbeit mit Zeichen

Frage

„Worauf sollte der Unterrichtsschwerpunkt grundsätzlich liegen? Auf prozeduralen Fähigkeiten oder auf konzeptuellem Verständnis?“

 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch2/5.txt · Zuletzt geändert: 2012/08/12 21:10 (Externe Bearbeitung)
 
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