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1.7. Angst und Leistung

1. Theoretische Einführug

1. Definition und Beschreibung

Angst ist eine emotionaler Ausdruck, der eine Situation subjektiv als Bedrohung bewertet.

Differenzierung Angst/Ängstlichkeit
  • Angst → Zustand (state)
  • Ängstlichkeit → Persönlichkeitsmerkmal (trait)

Angst und Leistung

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Angst (Prüfungsangst) und der Leistung (Schulleistung/Prüfungsleistung). Die durchschnittliche Korrelation liegt bei -.212 (95% der Korrelationen verschiedener Studien liegt zwischen -.36 und -.07).

Aufgeregtheit und Besorgnis

Es können zwei Angstkomponenten unterschieden werden:

1. Aufgeregtheit

Die Aufgeregtheit entspricht der emotionality-Komponente.

  • Affektiv → Anspannungsgefühl, Bedrohungsgefühl
  • Physiologisch → Herzklopfen, kalt-feuchte Hände, Zittern, flaues Gefühl, trockener Mund, etc.
  • Wahrnehmung → Aufmerksamkeit (Leistung) nicht direkt beeinflusst
  • Zusammenhang → Leistung/Aufgeregtheit -.15
2. Besorgnis

Die Besorgnis entspricht der worry-Komponente und ist hauptsächlich von Kognition geprägt.

  • Katastrophierungs-Ideen („Das schaffe ich nie.“)
  • Selbstverstärkend, Aufgabenirrelevant
  • Wahrnehmung → Aufmerksamkeit (Leistung) direkt beeinflusst
  • Zusammenhang → Leistung/Besorgnis -.22

Yerkes-Dodson-Gesetz

Das Yerkes-Dodson-Gesetz besagt, dass die beste Leistung bei mittlerer Aufgeregtheit (siehe 1.) vorliegt. Ist die Aufgeregtheit (Affekt, Physiologisch) zu hoch oder zu niedrig fällt die Leistungsfähigkeit.

Es gibt jedoch zwei Modifikationen:

  • Zu niedrige Aktivierung (Aufgeregtheit) kommt in Prüfungssituationen äußerst selten vor
  • Komplexere Aufgaben benötigen ein geringeres Aktivierungsnieveau für die optimale Leistungsfähigkeit

Wichtig: Das Gesetz gilt nur für Aufgeregtheit, nicht für Besorgtheit.

Besorgnis und Leistung

Besorgnis hat einen linearen negativen Einfluss auf die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses.

2. Erklärungsansätze Angst-Leistungs-Zusammenhang

1. Performanz-Interferenz-Modell

Das Performanz-Interferenz-Modell (Aufmerksamkeits-Defizit-Hypothese) geht davon aus, dass besorgnisbezogene Gedanken mit den Gedanken über die eigentliche Aufgabenstellung interferieren. Die Aufmerksamkeit dafür wird von der eigentlichen Prüfungsleistung abgezogen.

→ Das Einlassen und Konzentrieren auf eigentliche Aufgabe wird erschwert.

Hochprüfungsängstliche

Hochprüfungsängstliche (HPÄ) achten sehr (1) stark auf bewertungsrelevante Informationen und (2) weniger auf Lösungshinweise in der Aufgabenstellung.

2. Processing-efficiency theory

Die Processing-efficiency theory geht davon aus, dass Hochprüfungsängstliche (HPÄ) mehr Zeit investieren (Mehraufwand).

3. Studierfertigkeiten-Defizit-Modell

Das Studierfertigkeiten-Defizit-Modell geht davon aus, dass Hochprüfungsängstliche (HPÄ) weniger effektive Studienfertigkeiten besitzen.

Das Modell geht also davon aus, dass die Hochprüfungsängstlichen objektiv weniger Wissen/Können haben und daher eine berechtige Angst vor der Prüfung vorliegt.

Hochprüfungsängstliche sind nach dem Modell eher misserfolgsorientiert und haben oberflächlichere Lerntechniken. Durch vermehrten Zeitaufwand wird versucht dieses Defizit zu kompensieren. Diese Technik kann auch gelingen, ist jedoch weniger effizient.

→ Lerntechnik mit höherer Verarbeitungstiefe verbessert Erfolg.

4. Gedächtnisdefizithypothese

4.1. Langzeitgedächtnis

Hypothese

Hoch- und niedrigängstliche unterscheiden sich bzgl. semantischem Gedächtnis auch in angstfreien Situationen.

Methode

84 Versuchspersonen bekommen emotionale Adjektive gezeigt. Sie sollen diese Adjektive ihrem Erleben einer Prüfungssituation zuordnen und diese anschließend frei reproduzieren.

  • 2 Komponenten → Aufgeregtheit, Besorgtheit
  • 5 Selbstzuschreibung → klug, verkrampft, angenehm, wütend, unermüdlich
  • 3 abhängige Variablen → Intensität Selbstzuschreibung, Gedächtnisleistung, Intrusionen (Fehlnennungen)

Ergebnisse

  • Prüfungsängstliche eher negative Selbstbeschreibung
  • Personen mit hoher Besorgnis → Erinnern mehr Worte, mehr Fehler bei Reproduktion
  • Personen mit hoher Aufregung → Kein Effekt bzgl. Erinnerung/Reproduktion

Interpretation

  • Besorgnis → Verbunden mit prüfungsrelevanten semantischen Strukturen
  • Aufgeregtheit → Keine Verbindung

Bedeutung für PädagogikWissen über die eigene Person hat wichtigen Einfluss, nicht nur Reduzierung der Bedrohlichkeit.

4.2. Arbeitsgedächtnis

Hochprüfungsängstliche haben bereits in der Vorbereitungsphase Angst (bzw. Besorgnis).

  • Geringere Aufmerksamkeit beim Lernen (Enkodierungsphase)
  • Prüfungsangst verringert Wissen/Können im Vorfeld
  • Berechtige Angst in konkreter Prüfungssituation (→ Performanz-Interferenz-Modell)

Subtypen

Angst kann bei Hochprüfungsängstlichen sowohl positive, als auch negative Konsequenzen haben. Die zwei Subtypen unterscheiden sich also in:

  • Effektiv / Mehraufwand / Positiver Effekt → Keine Leistungsminderung (Angst als Leistungsmotiv)
  • Effektiv / Mehraufwand / Negativer Effekt → Leistungsminderung bei Aufgeregtheit und Besorgnis vor und in Prüfung
  • Ineffektiv / Mehraufwand / Negativer Effekt → Chaotisches Lernen, Geringes subjektives Prüfungswissen
  • Ineffektiv / Geringer Mehraufwand / Negativer Effekt → Vermeidung, Verdrängung, Ablenkung, objektiv geringes Prüfungswissen

Schlussfolgerung

Angst kann im Einzelfall zu deutlich schlechteren Prüfungsergebnissen oder zur Prüfungsvermeidung führen.

Subjektive Belastung

Die subjektive Belastung kann sehr stark sein und zu Komorbidität („Begleitproblemen“) führen. Es können (1) psychosomatische Beschwerden oder andere (2) psychische Belastungen und Störungen in Folge hoher Angst eintreten. Z.B.:

  • Arbeits- und Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Sozialer Rückzug
  • Angststörungen
  • etc.

Psychologische Intervention

  • Makro-EbeneSelektionsfunktion der Prüfungsleistungen reduzieren (für Zukunftschancen)
  • Meso-EbeneKooperativeres Lehren und Lernen fördern
  • Mikro-Ebene → Angstfreie Lehrer-Schüler-Interaktion
  • Individual-Ebene(1) Prüfungsängstlichkeit reduzieren, (2) Lernstrategie verbessern
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch2/3.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/20 19:27 (Externe Bearbeitung)
 
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