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5.3. Explizite Modelle

Lernziele
- Klassifikation von Lernarten
- Explizite Lernarten im pädagogischen Kontext

Lernarten

Hierarchisches Klassifikationsmodell

Das hierarchisches Klassifikationsmodell von Sinz (1985), nach unten hin ist der Anteil kognitiver Prozesse und Sprache zunehmend erhöht:

  • Habituation → Gewöhnung der Orientierungsreaktion
  • Prägung → Frühkindliche Erfahrungsbildung
  • Klassische Konditionierung → Assoziatives Lernen
  • Instrumentelle Konditionierung → Versuch-Irrtum-Lernen, Hypothesenbildung
  • Beobachtungs- und Nachahmungslernen → Modelllernen, mechanisches Auswendiglernen
  • Einsichtiges Lernen → Begriffslernen, Regellernen, Problemlösen

4 Grundformen des Lernens

Die 4 Grundformen des Lernens bilden sich aus den Dimensionen (1) mechanisch/sinnvoll und (2) entdeckend/rezeptiv.

  • Mechanisch/Rezeptiv → Dargebotene Information, Keine Verknüpfung mit Vorwissen (wortwörtliches Lernen)
  • Mechanisch/Entdeckend → Entdeckte Informationen, Keine Verknüpfung mit Vorwissen(wortwörtliches Lernen)
  • Sinnvoll/Rezeptiv → Dargebotene Informationen, Verknüpfung mit Vorwissen (inhaltliches Lernen)
  • Sinnvoll/Entdeckend → Entdeckte Informationen, Verknüpfung mit Vorwissen (inhaltliches Lernen)

Aspekte des Lernens

Nach Schunk (2012) gibt es einige wichtige Aspekte des Lernens:

  • Neuropsychologische Grundlage → Neuronale Organisation, Gehirnentwicklung
  • Behaviorismus → Konditionierung
  • Sozial-kognitive Aspekte → Modelllernen, Selbstwirksamkeit
  • Informationsverarbeitung → Aufmerksamkeit, Gedächtnis
  • Konstruktivistische Aspekte → Zone proximaler Entwicklung
  • Lernprozesse → Metakognition
  • Motivation → Leistungsmotivation, Ziele
  • Selbstregulation

Lernarten im Kontext

Klassische Konditionierung

Die Klassische Konditionierung wurde vor allem durch Pavlov und Watson geprägt. Die Ergebnisse der Konditionierung sind abhängig von:

  • Prädisponierende Faktoren
  • Bekannte Hintergrundinformationen

Eine besondere Bedeutung hat die Konditionierung emotionaler Reaktionen. Klassische Konditionierung kann sowohl beim (1) Aufbau erwünschter Emotionen angewendet werden, vor allem aber auch zum (2) Abbau unerwünschter Emotionen. Dieser Abbau durch klassische Konditionierung wird als systematische Desensibilisierung bezeichnet.

Abbau unerwünschter Emotionen

Mit Hilfe der klassischen Konditionierung kann Kindern der Übergang zwischen Schulformen erleichtert werden. Dabei kann z.B. helfen:

  • Besuch der Schule vor Schuleintritt (Klassenzimmer, Leherer, etc.)
  • Kennenlernen und Malen des Erlebten in den ersten Tagen
  • Positive Emotionen im neuen Kontext

Kontiguitätslernen

Kontiguitätslernen wurde von Guthrie postuliert und bezeichnet das Lernen durch die zeitliche und räumliche Verknüpfung zweier Stimuli. Im Schulkontext ist diese Lernart relativ präsent in Form von z.B. Wandtafeln oder Flashcards (Lernkartei).

Beim Kontiguitätslernen wird die Gewohnheit als erlernte Disposition betrachtet. Es werden Hinweisreizen (Cues) mit Verhalten verknüpft. Findet diese Verbindung in vielen Kontexten statt, dann wird dieses Verhalten zur Gewohnheit.

Unerwünschte Gewohnheiten verändern

Um unerwünschte Gewohnheiten zu verändern, müssen nach dem Kontiguitätslernen zunächst die entsprechenden Hinweisreize gefunden werden. Anschließend müssen andere Verhaltensweisen geübt werden. Dafür gibt es drei Methoden:

  • Schwellenmethode → Schwacher Stimulus wird immer weiter leicht erhöht, Schwelle zum unerwünschten Verhalten wird nicht überschritten
  • Ermüdung → Immer wieder zum unerwünschten Verhalten auffordern
  • Methode der inkompatiblen Antwort → In Gegenwart des Hinweisreizes nur andere Reaktionen möglich

Operante Konditionierung

  • Positive Verstärkung → Geben eines angenehmen Reizes (klassische Belohnung)
  • Negative Verstärkung → Entfernen eines unangenehmen Reizes
  • Positive Bestrafung → Geben eines unangenehmen Reizes (klassische Bestrafung)
  • Negative Bestrafung → Entfernen eines angenehmen Reizes

Lernen im sozialen Kontext

Zone proximaler Entwicklung

Die Annahme der Zone der proximalen Entwicklung ist, dass ein Kind am Besten dann lernt, wenn eine Aufgabe knapp über dem bisherigen Fertigkeitenniveau liegt.

⇒ Das Kind kann auf bekanntem Wissen aufbauen und den nächsten Schritt schnell bewältigen

Scaffolding

Vygotsky hatte die Annahme, dass komplexe kognitive Aktivitäten ihren Ursprung in sozialen Interaktionen haben. Dabei ist von Bedeutung:

  • Zone proximaler Entwicklung
  • Guided participation → Angeleitetes Lernen
  • Scaffolding → Gestütztes Lernen

Unter Scaffolding wird ein Lernen verstanden, bei dem der Lehrende zunächst eine Orientierung, eine Art „Gerüst“ bietet. Dazu gehören 6 Elemente (nach Bruner):

  • Interesse wecken
  • Lösung demonstrieren
  • Aufgabe vereinfachen → Teilschritte
  • Kind fokussieren/ermutigen
  • Positives Feedback
  • Frustration kontrollieren

Blooms Lernzielhierarchie

Bloom beschreibt in seiner Lernzielhierarchie eine 6-stufige Hierarchie von Fähigkeiten, welche vom Einfachen zum Komplexen gelernt werden sollten. Dabei sind folgende 6 Prozesse zentral:

  • Kenntnisse → Deskription
  • Verständnis → Reorganisation
  • Anwendung → Problemlösen durch Wissen
  • Analyse → Kritisches Denken
  • Synthese → Originelles Denken
  • Evaluation → Beurteilung auf Metaebene

Lese-Lehr-Methoden

  • Synthetische Lese-Lehr-Methode (Explizit)
  • Ganzwort Lese-Lehr-Methode (Explizit)
  • Analytisch-synthetische Lese-Lehr-Methode (Explizit)
  • Implizite Lese-Lehr-Methode (Implizit)
1. Synthetische Lese-Lehr-Methode
  • Verbindung Buchstabe/Laut
  • Einführung und Kombination aller Buchstaben
  • Bottom-Up
  • Nachteil → Auf längere Zeit ist dieses Lernen sinnfrei und führt zu Frustration
  • Vorteil → Es werden sichere Kenntnisse erworben
2. Ganzwort Lese-Lehr-Methode
  • Erwerb ganzer sinnvoller Worte
  • Top-Down
  • Nachteil → Kaum Buchstabenkenntnis, ratendes Lesen, ungünstig für Legastheniker
  • Vorteil → Motivierend durch Sinn
3. Analytisch-synthetische Lese-Lehr-Methode
  • Ganze Worte eingeführt und vorgelesen
  • Kombiniert mit Bildern
  • Kurze Analyseworte → Zum Lernen der Buchstaben
  • Kurze Konstruktionsworte → Kombination des Gelernten
  • Verbindung aus Bottom-Up und Top-Down
4. Implizite Lese-Lehr-Methode
  • Lesen wird implizit über Schreiben gelernt
  • Schreiben soll über hören der Buchstaben gelernt werden
  • Ab 1. Schultag
  • Nutzung von Graphem-Phonem-Tabellen (Tabelle für Laute und Bedeutungseinheiten)
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch2/10.txt · Zuletzt geändert: 2012/08/13 02:05 (Externe Bearbeitung)
 
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