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8. Mesosystemanalyse: Gewalt an Schulen

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafung, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ (Gesetzt zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung, 06. Juli 2000)

Einordnung

  • Individualsysteme
  • Mikrosysteme → z.B. Schulklasse
  • Mesosysteme → z.B. Schule
  • Makrosysteme
Mesosysteme

Betrachtet wird bei der Gewalt an Schulen das Mesosystem. Dieses beinhaltet:

  • Mittlere Institution → Konkret abgrenzbar
  • Direkter Kontakt zwischen Individuen
  • Übergeordnete Normen

Formen von Gewalt

  • Physische Gewalt → Schädigung, Verletzung durch körperliche Kraft
  • Psychische Gewalt → z.B. Abwendung, Ablehnung, Vertrauensentzug, Erpressen, Nötigen, etc.
  • Verbale Gewalt → z.B. Beleidigungen, Erniedrigungen, etc.
  • Vernachlässigung → Mangelnde Ernährung, Pflege, etc.
  • Sexuelle Gewalt → z.B. Nötigung zu sexuellen Verhaltensweisen
  • Vandalismus → Zerstörung, Sachbeschädigung
  • Autoaggressives Verhalten → Selbstverletzung
  • Diskriminierung → Gegen bestimmte Gruppen, z.B. Fremdenfeindlichkeit

Definition Gewalt

„Gewalt ist ein zielgerichtetes Schädigen und Beeinträchtigen anderer Menschen.“ (Frech, 1993)

„Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist.“ (Galtung, 1993, S. 106)

„Gewalt ist die niedrigste Ebene der Konfliktlösung.“ (Lind, 1997)

⇒ Gewalt kann (muss aber nicht) zielgerichtet sein

Ursachen von Gewalt

1. Trieb- und Instinkttheorie

Aggressives Verhalten als innerer Trieb, welcher sich unter bestimmten Bedingungen zeigt.

Psychodynamischer Ansatz

  • Biologische verankerte Triebe
  • Ursache → Schwach ausgeprägtes „Ich“
  • Ausgleich → Sozial angemessene Ausdrucksmöglichkeiten (z.B. Sport)

Verhaltensbiologisch-Evolutionärer Ansatz

  • Angeborener Instinkt
  • Spontane Bereitschaft zum Kampf → (1) Überlebenssicherung, (2) Fortplanzung, (3) Verteidigung

2. Frustrations-Aggressions-Theorie

  • Reaktion auf unangenehme Erfahrung
  • Blockierung der Bedürfnisbefriedigung (Frustration) → Aggression

3. Soziale Lerntheorie

In der sozialen Lerntheorie wird davon ausgegangen, dass aggressives Verhalten über (1) Beobachtungslernen und Lernen am Modell erworben wird. Die Prinzipien der (2) operanten Konditionierung dienen der Aufrechterhaltung.

  • Gewalt ist gelerntes Verhalten → Klassische Lerntheorien, Lernen am Modell, etc.
  • Externe Umstände maßgeblich verantwortlich
  • Gewalt zur Aufmerksamkeit von Eltern → Bedürfnisbefriedigung

4. Sozio-kognitive Ansätze

In Sozio-kognitiven Ansätzen resultiert aggressives Verhalten aus einer verzerrten Informationsverarbeitung. Menschen mit hoher Gewaltbereitschaft interpretieren Reize in anderer Form, als solche mit niedriger Gewaltbereitschaft. Meist reicht ein Bedrohungserleben um eine aggressive Reaktion hervorzurufen.

Kognitiv-neoassoziationistische Theorie

In der kognitiven-neoassoziationistischen Theorie erfolgt ein Aggressives Verhalten durch folgenden Prozess:

  • Aversive Reize → z.B. Hitze, Lärm, etc.
  • Negativer Affekt
  • Anregung zu aggressivem Verhalten → z.B. Waffen, Filme, Beleidigungen, etc.
  • Aggressives Verhalten

Soziale Informationsverarbeitungsprozesse

  • Verzerrung des sozialen Informationsverarbeitungsprozesses

5. Neurobiologischer Ansatz

  • Nervensystem und Hormone als Ursache für Aggression
Beispiele
  • Aggression durch elektrische Impulse auslösbar
  • Aggression durch Gehirnbeeinträchtigungen auslösbar (z.B. Tumor)
Probleme

Ein Problem liegt im Abspruch der Verantwortung für aggressives Verhalten.

6. Konfliktlösefähigkeit

  • Mangelnde moralische Urteilsfähigkeit
  • Mangelnde Problemlösefähigkeit

Fakten zur Gewalt an Schulen

Gewalt an Schulen ist entgegen vieler Ansicht grundsätzlich abnehmend. Dazu gehört ein Rückgang der (1) Raufunfallrate und der (2) Frakturenqoute.

Kinder- und Jugendgesundheitssurvey

In einer Untersuchung vom Robert-Koch-Institut zu Gewalterfahrungen im Selbstbericht wurden zwischen 2003 und 2006 3382 Jungen und 3237 Mädchen befragt. Es wurde eine retrospektive Untersuchung zum Thema Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen durchgeführt.

Retrospektiver Selbstbericht überschätzt die Ausprägung von Gewalt

Ergebnisse

  • Deutliche Geschlechtsunterschiede
  • Unterschiede bezüglich des sozioökonomischen Status
  • Migranten häufiger Täter und Opfer
  • Haupt- und Gesamtschüler häufiger Täter

⇒ Sozial Benachteiligte stehen in Zusammenhang mit (1) erhöhter Gewaltbereitschaft und (2) erhöhter Gewaltbelastung

Geschlechtsunterschiede
  • Ein oder mehrmals Opfer → Beide Geschlechter gleich oft
  • Ein oder mehrmals Täter → Jungen häufiger
  • Sowohl Täter, als auch Opfer → Jungen häufiger
Unterschiede bzgl. des sozioökonomischen Status
  • Ein oder mehrmals Opfer → Unabhängig von sozioökonomischem Status
  • Ein oder mehrmals Täter → Niedriger sozioökonomischer Status häufiger
  • Sowohl Täter, als auch Opfer → Niedriger sozioökonomischer Status häufiger
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch1/8.txt · Zuletzt geändert: 2012/07/03 19:21 (Externe Bearbeitung)
 
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