Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

5. Staatenvergleiche (PISA)

PISA (Programme for International Student Assessment) ist eine groß angelegte Studie, welche Schulleistungen international vergleicht.

Medienreaktion

Die Medienreaktion auf PISA-Studien fiel bisher relativ kritisch aus, da die Leistungen der Schüler in Deutschland meist nur mittelmäßig waren.

„Das deutsche Schulsystem ist gescheitert […] Das Schulsystem ist zu unflexibel“ (Dr. Andreas Schleicher, 2004)

„Der Anteil der so genannten Risikoschüler bei uns ist immer noch erschreckend hoch, und es kann auf Dauer nicht akzeptiert werden, dass in Deutschland fast jeder vierte Fünfzehnjährige einfache Texte nicht lesen und verstehen kann und günstigenfalls auf Grundschulniveau rechnen kann.“ (Dieter Hundt, 2004)

„Sachsen hat die besseren Lehrer: […] Die Tests messen kognitive Qualifikationen, soweit sie eben messbar sind. Den Erfolg im Leben kann ein Pisa-Test natürlich nicht voraussagen, aber das ist auch gar nicht die Absicht.“ (Dieter Lenzen, 2008)

„PISA ist ein Zufallsgenerator“ (Thomas Jahncke, 2007)

5.1. Organisation und Aufbau

Einführung

Der Auftraggeber der Studie ist die OECD (Organisation for Economic Co-Operation and Development). Zur Erstellung und Auswertung der Aufgaben werden 5 Institute beauftragt, welche die Studie durchführen. Dabei sind 4 der 5 Institute privat. Seit dem Jahr 2000 wird die PISA-Studie regelmäßig alle drei Jahre durchgeführt (2003, 2006, 2009).

  • Auftraggeber → OECD
  • Regelmäßige Durchführung → Alle 3 Jahre von 5 Instituten

Ziel der Studie ist die Entwicklung von Humankapital. Konkret:
„Das Wissen, die Fähigkeiten, die Kompetenzen, […] die relevant sind für persönliches, soziales und ökonomisches Wohlergehen“ (OECD, 1999)

Die PISA-Studie wird in Deutschland im Auftrag der Kultusministerkonferenz durchgeführt.

Ansprüche

„In Zukunft wird die Studie zu einem Frühwarnsystem für das Bildungssystem, das rechtzeitig anzeigt, in welche Richtung sich Kompetenzen, Unterricht und schulische Lehr-Lern-Prozesse verändern.“ (Pisa, 2009)

Untersucht werden Schüler im Alter von 15 Jahren. Dabei wird erfasst:

  • Leistung
  • Lernmotivation
  • Selbsteinschätzung
  • Lernstrategien

⇒ Ziel ist die Erfassung der Fähigkeit, Wissen in der Praxis anzuwenden.

Es werden außerdem diverse Einflüsse erfasst:

  • Soziale Herkunft
  • Geschlecht
  • Migrationshintergrund

⇒ PISA soll Orientierung für Chancengerechtigkeit im Bildungssystem bieten

Testungen

  • PISA 2003 → 41 Staaten
  • PISA 2009 → 65 Staaten

Ziel der PISA-Studie ist es, mindestens 5000 Schüler pro Staat zu erfassen. In Deutschland wurde die PISA-Studie an 226 Schulen mit 4979 Schülern durchgeführt. Dabei wurde ein Test-Tag in den Schulen eingerichtet. Die Aufgaben waren unter Aufsicht zu bewältigen.

Gegeben waren (1) Aufgabenblöcke zu den Kompetenzbereichen und (2) Fragebögen zur Erfassung der kognitiven Leistung und zur Erfassung der Hintergrunddaten.

Auswertung

  1. Kennzahlen → Aufgabenschwierigkeit, Schülerkompetenz
  2. Sekundärdaten → Einzelergebnisse
  3. Tertiärdaten → Sekundärdaten: (1) Gemittelt über Subpopulation, (2) Verknüpft mit Hintergrunddaten
  4. Veröffentlichung → Nationen-Ranglisten der Tertitärdaten
  5. Kurzfassung → Für Politik und Öffentlickeit

5.2. Getestete Kompetenzen

Kompetenzen

Getestet werden 3 Kompetenzen. Zu denen gehören:

  • Lesekompetenz
  • Naturwissenschaftliche Kompetenz
  • Mathematische Kompetenz

1. Lesekompetenz

Lesekompetenz ist die Fähigkeit:

„geschriebene Texte zu (1) verstehen, zu (2) nutzen und über sie zu (3) reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“ (PISA, 2000)

2. Naturwissenschaftliche Kompetenz

Naturwissenschaftliche Kompetenz ist die Fähigkeit:

  • Anwendung naturwissenschaftlichen Wissens → Neues Wissen, Beschreibung von Phänomenen, Schlussfolgerungen
  • Verstehen der Eigenschaften von Naturwissenschaften → Form menschlichen Wissens und Forschens
  • Bewusstsein über Einfluss von Naturwissenschaften → Formung der materiellen, intellektuellen und kulturellen Welt
  • Bereitschaft zur Auseinandersetzung → Beschäftigung, Reflexion naturwissenschaftlicher Ideen

3. Mathematische Kompetenz

Mathematische Kompetenz ist die Fähigkeit:

„die (1) Rolle zu erkennen und zu verstehen, die die Mathematik in der Welt spielt, (2) fundierte mathematische Urteile abzugeben und sich auf eine Weise mit der Mathematik zu befassen, die den (3) Anforderungen des gegenwärtigen und künftigen Lebens einer Person als konstruktivem, engagiertem und reflektierendem Bürger entspricht“

Kompetenzstufen

Am Beispiel der mathematischen Kompetenz:

  • Kompetenzstufe I → Arithmetisches und geometrisches Wissen auf Grundschulniveau
  • Kompetenzstufe III → Modellieren und begriffliches Verknüpfen auf Sekundarstufe-I-Niveau
  • Kompetenzstufe V → Komplexe Modellierung und innermathematisches Argumentieren

5.3. Ergebnisse

Perspektive Deutschland

Seit dem Jahr 2000 steigend die Fähigkeiten in allen 3 Kompetenzbereichen sowohl absolut, als auch im Vergleich zu anderen Staaten.

Lesen Punkte Rang
2000 484 21
2003 491 18
2006 495 14
2009 497 16
Naturwissenschaften Punkte Rang
2000 487 20
2003 502 15
2006 516 8
2009 520 9
Mathematik Punkte Rang
2000 490 20
2003 503 16
2006 504 14
2009 513 10

5.4. Beispiel mathematische Kompetenz

Bedeutung der Mathematik

  • „Werkzeug zur Erschließung der Welt“
  • Begriffliches Verstehen und funktionales Verwenden
  • Modellierung außer- und innermathematischer Problemsituationen

Beispielaufgaben

Beispiel 1 (Kompetenzstufe III)

Eine Glasfabrik stellt am Tag 8000 Flaschen her. Erfahrungsgemäß sind ca. 160 Flaschen fehlerhaft. Wie viel Prozent sind das?

Beispiel 2 (Kompetenzstufe V)

Wie kannst du einen Geldbetrag von genau 31 Pfennigen hinlegen, wenn du nur 10 Pfennig-, 5 Pfennig- und 2 Pfennig-Münzen zur Verfügung hast? Gib alle Möglichkeiten an!

5.5. Kritik

Probleme sind:

  • Übereinstimmung der Aufgaben mit Lernplan
  • Qualität der Aufgaben → Raten (bei Multiple-Choice), Oft zu viele Lösungswege
  • Interkulturelle Vergleichbarkeit → Übersetzung, Vertrautheit mit Aufgabenformat, Motivation
  • Statistische Mängel → Schwache Schüler sind mit 15 länderabhängig teilweise nicht mehr in der Schule

In vielen Ländern wurden zudem Regeln der PISA-Studie umgangen Es dürfen höchstens 5% der Zielpopulation ausgeschlossen werden. In vielen Ländern wurde dieses Maß überschritten, vor allem bezüglich leistungsschwachen Schüler (auch lernbehinderte Schüler, Legastheniker, etc.).

Unkontrollierbare Stichprobenziehung → Manipulation beliebig möglich

 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch1/5.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/20 19:22 (Externe Bearbeitung)
 
Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht:CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported
Recent changes RSS feed Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki