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3. Historische Schul- und Erziehungsmodelle

Antike

1. Griechische Antike (ca. 1500 v. Chr.)

Bäuerliche Herkunft

In der griechischen Antike wuchsen Kinder aus (1) bäuerlicher Herkunft ohne eine systematische Bildung auf. Die Notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse wurden anhand der (2) Umwelt und der nötigen Anforderungen gelernt. Eventuell gab es jedoch (3) Rituale für den Übergang in das Erwachsenenalter (rites of passage).

Adelige Herkunft

Kinder aus adligen Familien bekamen Unterricht in:

  • Waffenübungen
  • Höfische Sportformen
  • Tanzen
  • Singen
  • Retorik

⇒ Keine Institution „Schule“, Unterricht an fremden Adelshöfen

2. Griechische Antike (ca. 600 v. Chr.)

In Stadtstaaten wurde zunehmend zu einer Staatserziehung übergegangen. Ziel war die Gesellschafts- und Lebensordnung zu sichern.

  • Disziplin als Grundtugend
  • Staatliches Erziehungshaus ab 7 Jahren
  • Ausschließlich Jungen

Dabei gab es jedoch unterschiedliche Ausprägungen:

  • Militärisch → z.B. Sparta
  • Zivile Interessen → z.B. Athen

3. Griechische Antike (Klassisch)

In der Zeit der klassischen griechischen Antike (ca. 300-400 v. Chr.) war weiterhin die Auffassung, dass nur der Adel eine intensive Bildung (über das 30LJ hinaus) erhalten sollten.

  • Intensivere Erziehung → Krieger und Wächter
  • Minimale Öffentliche Bildung → Bauernbevölkerung
Forderungen

Es gab zu dieser Zeit von den führenden Philosophen jedoch schon weitreichende Forderungen:

  • Keine Geschlechtsunterschiede → Plato
  • Bildung für alle → Aristoteles
Bildungsideal

Es formte sich ein Bildungsideal:

„Der Mensch ist formbar und sollte in einer Weise gebildet werden, die seinen besseren Fähigeiten entspricht.“

4. Griechische Antike (ca. 200 v. Chr.)

Durch eine Verbreitung des Athener Bildungsideals erhielten fast alle freien Kinder (Mädchen und Jungen) grundlegende Bildung.

  • Elementarschule → 7-14 Jahre
  • Höhere Schulen (nur Jungen höherer Schichten) → (1) artes liberales, (2) sportlich-militärisch, (3) staatsbürgerlich

Die Stadtgemeinde übernahm dabei zentrale Aufgaben:

  • Festlegung von Lerninhalten/Disziplinregeln
  • Finanzierung der Lehrer
  • Schulaufsicht

Die (1) Finanzierung der Schule und die (2) Organisation war oft durch eine Privatinitiative gewährleistet.

5. Römische Antike

In der römischen Antike wurde ebenfalls getrennt zwischen adeliger und bäuerlicher Schicht. Die Bildung und die Schule wurden nach griechischem Vorbild durchgeführt.

  • Bäuerliche Familien → Lernen im Alltag (Erziehung durch Mutter bis 7. LJ, Anschließend Tagesablauf Vater)
  • Adelige Familien → Schriftspracherwerb (zuhause oder Elementarschulen für Jungen)
Ab 100 v. Chr.

Ab ca. 100 v. Chr. wurde ein abgestuftes Schulsystem eingeführt:

  • Elementarschule → Lesen, Schreiben, Rechnen
  • Grammatikschule → Artes Liberales
  • Rhetorikschule → Redekunst

6. Römische Antike (Kaiserzeit)

In der Zeit zwischen dem 1. Jhd. v. Chr. und dem 5. Jhd. nach Chr. wurde versucht im römischen Gebiet ein einheitliches Reichsgebilde zu schaffen. Dazu gehörte vor allem die (1) Romanisierung der Provinzen und eine (2) allgemeinverbindliche Zivilisation.

Bildung als Mittel

Die Bildung wurde eingesetzt um:

  • Erziehung der Bewohner zu Bürgern
  • Mitarbeiter für die Verwaltung

161 n. Chr. wurde eine Gesetz eingeführt, welches in jeder Stadt Schulen vorschrieb (Elementar, Grammatik, Rhetorik). Es entstand ein Netz aus Bildungsmöglichkeiten, sowohl für Jungen, als auch für Mädchen. Der Kaiser hatte das Aufsichtsrecht über die Bildung.

Mittelalter

1. Frühmittelalter (ab 5. Jhd.)

Nach dem (1) Zerfall des Weströmischen Reiches gingen (2) staatliche und gesellschaftliche Strukturen verloren. Es gab daher (3) keine Notwendigkeit mehr für die Lese- und Schreibfähigkeit in der bäuerlichen Gesellschaft. Kinder lernten wieder (4) in der Familie durch Beobachtung und Nachahmung.

Rolle der Kirche
  • Erziehung hat hohe Bedeutung → Kirchliche Schulen (Aurelius Augustinus)
  • Fachliteralität → Machtausübung auf Bevölkerung
  • Keine Laienbildung → Priesternachwuchs

2. Mittelalter (8. Jhd.)

Bildungsgesetzgebung durch Karl den Großen

  • Pfarrschulen → In Dörfern und Städten
  • Versuch allgemeiner Schulpflicht
  • Verbesserung Priesterausbildung

3. Mittelalter (Einfluss der Bevölkerung)

Einfluss der Bevölkerung (9. Jhd.)

(1) Kinder einflussreicher Familien konnten Dom/Stiftschulen (Jungen) bzw. Frauenklöster (Mädchen) besuchen. Außerdem wurden für (2) Laien die Lateinschulen zugänglich.

Einfluss der Bevölkerung (11. Jhd.)

Im 11. Jhd. stieg das Bürgertum auf, dies hatte eine Reihe von Entwicklungen zur Folge. Entwicklungen wie (1) Zunftgründungen, das (2) Rittertum und ein (3) allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung machten Bildung notwendig. Gegründet wurden:

  • Stadt- und Ratsschulen
  • Universitäten → Theologie, Jura und Medizin

16. - 18. Jahrhundert

1. Technischer Fortschritt und Reformation

Durch den technischen Fortschritt und die Reformation wurde Lesen und Schreiben immer notwendiger. Folgende Entwicklungen waren dabei Entscheidend:

  • Buchdruck 1450
  • Schriftprinzip der reformierten Kirche (Bilder im Katholischen)

Diese Entwicklung brachte Konsequenzen. Unter anderem forderte z.B. Luther die Schulpflicht. Die Reformation und der dreißigjährige Krieg führten dazu, dass die Landes- und Kirchenhoheit bei den Landesfürsten lagen. Sie konnten einzeln in ihrem jeweiligen Land über Bildung und Erziehung entscheiden. Trotzdem gab es einige allgemeine Entwicklungen:

  • Kirchenschulen/Küsterschulen
  • Nachwuchs für Staatsdienst
  • Schulverordnungen → Unterrichtsgestaltung, Schulbesuch, Lehrstoff, Lehrerbildung, etc.

2. Pädagogischer Realismus

Im Pädagogischen Realismus liegt ein Schwerpunkt auf der Vermittlung von Sachwissen. Der antike Ansatz des Bildungsgutes und der Vermittlung von Sprache wurde zurückgestellt. Unterstützt wurde dieser Ansatz vor allem durch:

Der Unterricht sollte dabei der Natur des Kindes und Natur der Sache entsprechen. Dafür wurden Lernprinzipien angewendet wie:

  • Vom Anschaulichen zum Abstrakten
  • Vom Einfachen zum Komplizierten
  • Wiederholung mit steigendem Schwierigkeitsgrad (Comenius)

3. Pietismus

Der Pietismus geht von einem pessimistischen Menschenbild aus. Mit Hilfe von Bildung (jedoch vor allem Beten und Arbeiten) soll der Mensch zu einem guten Wesen bekehrt werden.

August Hermann Francke gründete eine Erziehungsanstalt (Franckesche Stiftung). In dieser lernten Kinder (1) lebenspraktische Erfahrungen und (2) Christlche und weltliche Bildung.

Er bildete zusätzlich an der Universität Lehrer aus.

Realschule

Die erste Realschule wurde von Johann Julius Hecker (Schüler von Francke) in Berlin gegründet (1747). Ziele waren:

  • Moderne Sprachen statt alter Sprachen
  • Praktischer Unterricht

4. Aufklärung

Das Verständnis des Menschen als vernünftig und erkenntnisfähig führt zu einer Vielzahl an Veränderungen in Religion, Politik, Wissenschaft, etc. Die Erziehung wurde zu einem eigenständigen Gegenstandsbereich.

Kinder sollten nun vielmehr die Schule besuchen, damit es ihnen in Zukunft besser gehen wird, als der vorherrschenden Generation.

Vertreter

Die Vertreter der Aufklärung waren auch als Schulreformer tätig.

Rolle der Universität

Die Ausbildung der Lehrer wurde zur Zeit der Aufklärung auf die Universität verlegt.

Außerdem wurde 1788 das Abiturreglement in Preußen eingeführt, welches erstmals eine allgemein gültige Hochschulzugangsberechtigung (Abiturprüfung) möglich machte.

19. Jahrhundert

1. Neuhumanismus

Im Neuhumanismus ist vor allem die volle Entfaltung der Menschlichkeit bzw. die Humanität von großer Bedeutung. Es wurde sich wieder am Bildungsideal des antiken Griechenland orientiert. Schüler wurden als grundsätzlich vernünftig betrachtet. Sie sollten ein Recht auf Entfaltung der Selbstständigkeit bekommen.

Vertreter

Auch die Vertreter des Neuhumanismus hatten einen Einfluss auf die Bildungspolitik. Eine geforderte standesunabhängige Bildung konnte jedoch nicht umgesetzt werden.

2. Restauration

Während der Phase der Restauration ab 1815 wurden viele Fortschritte wieder Rückgängig gemacht.

  • Ständisches Schulsystem → Herkunft entscheidet über Chancen
  • Bildung von Volksschullehrern gering → Bewusst um Wissensbasis gering zu halten
  • Volksschule → Herrschaftskonforme Glaubenserziehung

3. Deutsches Reich (ab 1871)

Vor allem vor dem Hintergrund der industriellen Revolution und der immer wichtiger werdenden Bedeutung der Wirtschaft stieg der Bedarf nach (1) ausgebildeten Arbeitskräften. Die Schule sollte außerdem (2) sozialistischen Ideen entgegenwirken.

Auf den höheren Schulen wurden (1) mehr Schüler zugelassen. Die Selektion erfolgte über hohe Schulgelder. Außerdem gründeten sich (2) erste Mädchenschulen, da Frauenbewegungen ein Bildungsrecht auch für Frauen forderten.

Ein Problem war jedoch, dass der Wunsch der unteren Bevölkerungsschicht sich durch Bildung sozial erheben zu können, der Machterhaltung der Herrschenden entgegenstand.

20. Jahrhundert

1. Weimarer Republik

Zu Zeiten der Weimarer Republik wurde die (1) Schulpflicht für alle eingeführt. 1920 wurde im Reichsgrundschulgesetz eine (2) Einheitsschule für die ersten 4 Klassen eingerichtet, in denen alle Schüler gleichermaßen auf alle folgenden Schulwege vorbereitet wurden. Trotzdem gab es noch einige Probleme:

  • Teilweise Einkommensabhängig → Schulgeld für Gymnasium
  • Geringe Mobilität → Zwischen Volksschule und Gymnasium
  • Hoheit der Länder → Grundsätze Staat, Ausgestaltung Länder
Reformpädagogik

In den 20er Jahren gab es erste deutliche reformpädagogische Ansätze:

  • Anschaulichkeit
  • Produktivität
  • Interessen der Kinder
  • Kreativität

⇒ Eingeschränkte Verbreitung wegen organisatorischen Problemen

Privatunterricht

Der Privatunterricht wurde als Alternative zur Schule nur eingeschränkt angewendet.

Weitere Entwicklung
  • Zunehmende weiterführende Schulen für Mädchen
  • Mittlerer Bildungsabschluss → Mittlere Reife nach 10 Jahren (relativ wenig genutzt)

2. Nationalsozialismus

Zur Zeiten des Nationalsozialismus wurden die Entwicklungen aus der Weimarer Republik inhaltlich wieder stark geändert:

  • Abkehr von Reformpädagogik und Neuhumanismus
  • Körperliche und Charakterliche Erziehung im Mittelpunkt
  • Verbreitung politischer Ideologien → Gemeinschaft, Rassen, Elite, Führer, Gefolgschaft, etc.
  • 8-jährige Volhsschule
  • Reduktion und Ideologisierung des Lehrstoffs
  • Unterrichtsergänzung durch Feiern → Muttertag, Heldengedenktag, etc.

Die Schule wurde mit (1) Staatsjugendverbänden abgestimmt, vor allem Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel (BDM). Außerdem wurde die (2) Kulturhoheit der Länder aufgehoben. 1933 wurde zudem ein (3) Gesetz „Gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ eingeführt, bei dem vor allem Mädchen und jüdische Kinder ausgeschlossen wurden.

Kriegsjahre

Spätestens ab 1942 war der Schulalltag vor allem durch Zerstörung, Mangel und Evakuierung geprägt.

  • Geringer Anspruch an Lehrerausbildung
  • Höhere Berufschancen für Schüler mit mittlerer Reife
  • Dreigliedriges Schulwesen etabliert sich

3. BRD bis 1990

In der BRD wurden nach dem Nationalsozialismus weitreichende Änderungen durchgeführt. Die BRD erhielt dabei (1) Unterstützung von den Besatzungsmächten, welche das Bildungswesen nach eigenem Vorbild etablieren wollten. Es wurden außerdem teilweise die (2) Ideen der Weimarer Republik wieder aufgegriffen. Grundsätzliche Änderungen waren:

  • Kulturhoheit der Länder → Dezentralisierung
  • Staat als Träger des Schulwesens → (1) Rechtlich und (2) finanziell
  • Keine kirchliche Schulaufsicht
  • Universitär Ausbildung für Lehrer
  • Dreigliedriges Schulsystem + Grundschule bis 4. Klasse

Spätere Entwicklungen

Allgemein
  • 15% - 20% Anstieg der Kinder auf einem Gymnasium
  • Auswirkungen der 60er Reformideen auf Bildungswesen
  • Bildungsforschung und Psychologie für Reform → Mädchenbenachteiligung, Frühes Bildungspotential
  • Unterschiedliche Übergangslösungen (Länderpolitik) → Von Grundschule zu weiteren Schulen
  • Einführung der Gesamtschule
1964
  • Gymnasium → Zusammenfassung aller höheren Schulen
  • Realschule → Vorher Mittelschule
  • Hauptschule → Vorher Volksschule
1972

Die gymnasiale Oberstufen wurde neu gestaltet. Die Kombinationsmöglichkeiten konnten vom Schüler entschieden werden und wurden nicht mehr nach Schultyp (Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule) festgelegt.

4. DDR bis 1990

Das Bildungssystem der DDR war sehr einheitlich aufgebaut:

  • Zentrales Ministerium für Volksbildung
  • Einheitsschule → Bis 8., später 10. Klasse (Polytechnische Oberschule)
  • Erweiterter Polytechnischer Oberschule → Abitur
Regulation
  • Benachteiligung bürgerlicher Kinder
  • Verbot der Reformpädagogik → Didaktik aus Sowjetunion
Inhalte

Inhaltlich stand im Mittelpunkt eine (1) Entnazifizierung und die Vermittlung (2) Marxistischer Ideologien, hin zu einem sozialistisches Bewusstsein. In der Umsetzung lagen Schwerpunkt somit z.B. auf:

  • Staatsbürgerkunde
  • Geschichte
  • Russisch
  • Praktische Arbeit

Zusätzlich wurden Jugendorganisationen gegründet. Zu denen gehörten:

  • Pioniere → 6. - 13. LJ
  • Freie Deutsche Jugend → ab 14. LJ

5. Wiedervereinigtes Deutschland ab 1990

Wiedervereinigungsprozess

Im wiedervereinigten Deutschland wurden das sozialistische Bildungswesen durch das (1) westliche Schulsystem ersetzt. Die neuen Bundesländer erhielten (2) Kulturhoheit und (3) etablierten unterschiedliche Schulsysteme.

Heutiger Stand

Seit den 90ern gibt es viele Entwicklungstendenzen. Von höherer Bedeutung ist in den letzten Jahren:

  • Schulklima und freundliche Schule
  • Bildungsinteresse der Eltern
  • Reformpädagogik
  • Inklusionsdebatte → Inklusion aller Kinder in der Schule, auch z.B. Behinderte (Wertschätzung der Vielfalt)

Das traditionelle dreigliedrige System verliert an der Bedeutung, die es einst hatte:

  • Statusverlust der Realschule → „Durchschnittliche“ Schule
  • Statusverlust der Hauptschule → „Restschule“
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch1/3.txt · Zuletzt geändert: 2012/05/14 21:52 von carlo
 
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