Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

12. Individualsystemanalyse: Schüler

Lernziele
- Entwicklungsvorausetzungen leistungsmotivierten Handelns
- Arten des Umgangs mit Misserfolg
- Ansatz Carol Dweck’s
- Förderung adaptiver Attributionen in Bezug auf Erfolg und Misserfolg

12.1. Entwicklung von Leistungsmotivation

Themenbereiche

Eine Entwicklung von Leistungsmotivation ist abhängig von:

  • Wirksamkeitsstreben
  • Leistungsmotivation
  • Ursachenkonzept (Attribution)
  • Lern-/Performanzziele
  • Stolz/Beschämung

Wirksamkeitsstreben

Das Wirksamkeitsstreben ist ein (1) primäres Kontrollstreben und somit eine universelle grundlegende motivationale Orientierung. Das primäre Kontrollstreben ist über den Lebenslauf konstant, das Potential entspricht jedoch einer (2) umgekehrten U-Funktion.

Wirksamkeitsstreben ist (3) bereits bei Säuglingen vorhanden (Freud beim Wiederholen von Verhaltensweisen). Vor allem Eltern sind dabei von hoher Bedeutung, da diese kontingent auf das kindliche Verhalten reagieren. Eine wichtige Entwicklungsstufe ist die Stufe des (4) „Selbermachenwollen“ im Alter von 1-2 Jahren. Auch selbstbewertende Reaktionen sind von Bedeutung. Dabei ist:

  • Günstig → Vorweggenommene positive Bewertung
  • Weniger günstig → Selbstzuschreibung geringer Kompetenz bei Misserfolg

Anreize durch Leistungshandeln

Relevante Gefühle sind Stolz und Scham:

  • Stolz → Aufgerichtete Körperhaltung, Blickkontakt (zw. 2.3 Jahren)
  • Scham → Zusammengefallene Körperhaltung, Blickvermeidung (zw. 3-4 Jahre)

Reaktion auf Misserfolg

Ab ca. 3,5 Jahren besteht die Fähigkeit (1) Misserfolge auf eigene fehlende Leistung zurückzuführen. Dabei können erstmals Verhaltensweisen gezeigt werden, welche eine (2) negative Bewertung des Selbst abwehren. Dazu gehören:

  • Leugnung des Misserfolgs
  • Anpassung des Anspruchs
  • Selbstwertdienliche Attribution
  • Uminterpretation des Ziels

Bewältigung

Um Misserfolg bewältigen zu können gibt es verschiedene Strategien:

  • Nichtwahrhabenwollen → Schweigen, Leugnen, etc.
  • Vermehrte Anstrengung → Wettmachen, etc.
  • Ausweichen → Abbruch, Ausweichtätigkeit, etc.
  • Vermeiden von Misserfolg → Behinderung der Konkurrenz, Protest, etc.

Schuleintritt

Bei Schuleintritt ist der elterliche Umgang mit den Leistungsanforderungen an das Kind von hoher Bedeutung für das Erfolgs-Misserfolgs-Motiv. In einer Studie konnte dazu raus gefunden werden, dass bei einer gleichen Motivation bei der Einschulung, trotzdem am Ende der ersten Klasse deutliche Unterschiede in der Motivation bestanden.

Zu Beginn der 2. Klasse wurde die Eltern-Kind-Interaktion beobachtet um die Ursachen für die entstandenen Unterschiede zu finden. Dabei zeigte sich, dass die Mütter von Kindern mit höherer Misserfolgsangst folgende Verhaltensweisen zeigten:

  • Orientierung an sozialen Normen → Statt individuelle oder sachliche Normen
  • Höhere Anforderungen
  • Unzufriedener
  • Stärkere Strukturierung/Kontrolle
  • Selteneres Loben/Ermuntern
  • Unterstützung durch direktes Eingreifen
  • Misserfolg mit mangelnder Anstrengung/Begabung erklärt
  • Erfolg mit Leichtigkeit der Aufgabe erklärt
  • Schimpfe nach schlechter Leistung

Voraussetzungen für Leistungsmotivation

  • Unterscheidung Aufgabenschwierigkeit/Tüchtigkeit
  • Intraindividuelle/Interindividuelle Vergleichsnormen werden angewendet
  • Unterscheidung Fähigkeit/Anstrengung (als Aspekte der Tüchtigkeit)
  • Kompensatorische Bewältigungsstrategien bei Misserfolg

Aufgabenschwierigkeit und Tüchtigkeit

Um einen Tüchtigkeitsmaßstab entwickeln zu können, muss zunächst eine Wahrnehmung für Unterschiede in der Aufgabenschwierigkeit entwickelt werden. Ist diese Wahrnehmung nicht vorhanden, dann kann es passieren, dass Erfolg zufällig auf geringe Schwierigkeit oder Tüchtigkeit zurückgeführt wird.

Studienergebnisse
  • Ab 15 Monate alte Kinder erkennen Schwierigkeitsstufen
  • Ab 5 Jahren vermehrte Attribution/Anstrengung
  • Ab Schuleintritt soziale Vergleiche relevant → Als Hilfe zur eigenen Bewertung
Bezugsnormen

Die Bezugsnormen, anhand derer der eigene Erfolg beurteilt wird ist in Abhängigkeit von:

  • Schulverlauf → Variation im Verlauf
  • Schultyp(1) Interindividuell stärker an Gesamtschule, (2) Intraindividuell in Abiturstufe
  • Sozialer Kontext → Bei Schulabschluss z.B. zusätzliche Normen potentieller Arbeitgeber

Dabei entspricht eine intraindividuelle Bezugsnorm der Schwierigkeit, während die interindividuelle Bezugsnorm sich auf die Tüchtigkeit bezieht.

Fähigkeit und Anstrengung

Fähigkeit und Anstrengung enstehen aus dem Tüchtigkeitskonzept:

  • Anstrengung → Steuerbar, früh erkannt
  • Fähigkeit → Später konstant und interindividuell verschieden
Hilflosigkeit

Ein Misserfolgserleben kann zur Ausbildung von Hilflosigkeit führen. Dazu muss ein stabiles Fähigkeitenkonzept vorliegt, welches unabhängig von Anstrengung und Ursachenerklärung des Misserfolgs ist.

Attributionsdimensionen nach Seligman
  • Dauerhaftigkeit → Stabil/Instabil
  • Geltungsbereich → Global/Spezifisch
  • Personalisierung → Selbstverursacht/Fremdverursache

⇒ Siehe auch Sozialpsychologie

Fähigkeit und Schwierigkeit

Die Entwicklung von einem Verständnis von Fähigkeit und Schwierigkeit entwickelt sich wie folgt:

  • Bis 6 Jahre → Egozentrisches Verständnis von Schwierigkeit (basiert auf subjektiver Erfahrung)
  • 6-7 Jahre → Objektivierung der Schwierigkeit mit Hilfe objektiver Anforderungen
  • Ab 7 Jahre → Normatives Verständnis von Schwierigkeit und Fähigkeit (relative Bewältigung)

12.2. Anwendung im schulischen Kontext

Leistungsziele

Dweck (2000) unterscheidet eine innere Theorie konstanter und wandelbarer Intelligenz. Außerdem wird unterschieden zwischen:

  • Lern-/Bewältigungsorientierung → Keine Beschuldigung bei Misserfolg, Misserfolge häufiger wahrgenommen, Selbstinstruktion zur Leistungsverbesserung
  • Hilflosigkeitsorientierung → Verneinung eigener Fähigkeiten, Annahme Misserfolg aufgrund mangelnder Intelligenz, Erfolge seltener wahrgenommen

Adapative Motivation

Dweck korrigierte außerdem 4 Glaubenssätze:

  • Schüler mit hoher Leistung sind eher lern-orientiert
    Eher besorgt über möglichen Misserfolg
  • Schulischer Erfolg fördert Lern-orientierung
    Kein Einfluss von schulischem Erfolg
  • Lob (insb. für Intelligenz) förder Lernorientierung
    Erzeugt Furcht vor Misserfolg und erschwert Umgang mit Rückschlägen
  • Vertrauen in eigene Intelligenz fördert Lernorientierung
    Höher-Intelligente lassen Intelilgenz weniger gerne testen und sind bei Misserfolg stärker belastet

Attributionstraining

Beim Attributionstraining werden Schüler trainiert einen Misserfolg auf kontrollierbare Faktoren zu lenken. Dabei wird er z.B. auf niedrige Anstrengung oder falsche Nutzung von Lernstrategien bezogen.

Ein Feedback, welches sich auf erledigte Anstrengung („Du hast hart gearbeitet“) bezieht motiviert eher, als zukunftsbezogenes Feedback („Du hast noch viel vor dir“).

Zusammengefasst
  • Misserfolg auf kontrollierbare Faktoren beziehen
  • Feedback bzgl. erledigter Aufgaben

Prxistipps

  • Exaktes Feedback bevorzugen → Abhängig von Bezugsnorm
  • Gründe für Misserfolg nennen → Wenn Misserfolg eingetreten ist
  • Attribution mit zu geringer Anstrengung → Oft günstig
  • Hinweis auf Defizite → Falls vorhanden
  • Erfolg mit Anstrengung/Fähigkeit attribuieren
 
uni-leipzig/psychologie/module/paedagogisch1/12.txt · Zuletzt geändert: 2012/08/14 15:07 von carlo
 
Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht:CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported
Recent changes RSS feed Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki