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Elektrophysiologische Verfahren für Wort- und Satzverstehen

Ereigniskorreliertes Hirnpotential (EKP)

→ Siehe auch EEG (Methoden der kognitiven Neurowissenschaften)

Die Grundannahme bei der Anwendung des EEG geht davon aus, dass die gemessenen Hirnpotentiale die direkten kognitiven Prozesse der Sprachverarbeitung darstellen. Ereigniskorrelierte Hirnpotentiale korrelieren mit einem Ereignis und stellen (nach einer Mittelung) ein Ereignis im Gehirn dar, welches vor, während oder nach einer Verarbeitung im Gehirn auftritt. Die EKP bildet ein multidimensionales on-line-Maß, welches bei der Analyse u.a. von Prozessen des Sprachverstehens helfen kann.

Die Signale liegen bei der Sprachverarbeutung im Bereich zwischen 1μV und 10μV.

Mittelung

Um das Rauschen (Spontanaktivität) von den Signalen (EKP) zu trennen werden mehrere Messungen gemittelt. Da das Rauschen zufällig auftritt eliminieren sich die Werte und je mehr Messungen gemittelt werden, desto deutlicher kann das Signal erkannt werden.

Kennwerte

Eine spezifische Signal-Komponente kann mit verschiedenen Kennwerten identifiziert werden.

  • Latenz → Zeitpunkt des Auftretens
  • Polarität → Negatives oder positives Potential
  • Topographie → Ort des Auftretens

Vergleiche

Allgemein:

  • Linguistische Prozess ~ EKP Komponenten

Gegenüber Reaktionszeitmessung:

  • Kontinuierliche Messung

Gegenüber Blickrichtung:

  • Mehrdimensionales Maß → auch Polarität und Topograohie
  • Für visuelle und auditive Sprachverarbeitung einsetzbar
  • Bei speziellen Polulationen verwendbar

N400 - Semantische Verarbeitungsprozesse

Die N400 ist ein ereigniskorreliertes Potential, welches bei semantischen Verarbeitungsprozessen auftritt. Die N400 tritt dann ein, wenn in einem Satz ein Wort semantisch nicht in die Satzbedeutung passt. Bei dem entsprechenden unpassenden Wort tritt nach 400ms ein negatives Potential ein. Je stärker die semantische Verletzung, desto stärker ist die Ausprägung (→ Amplitude) der N400. Variiert alleine die Erscheinung eines Wortes (z.B. größere Buchstaben), so beeinflusst das die N400 nicht.

Oft hängt die semantische Bedeutung vom Kontext ab. So können z.B. alleinstehende zunächst sinnlose Sätze in einem Zusammenhang (z.B. in einer Geschichte) durchaus Sinn geben. Während die N400 beim alleinstehenden Satz vorkommen würde, würde sie im Kontext einer passenden Geschichte ausbleiben (→ Semantic Anomaly Effect). Ebenso verhält es sich mit der Situation. So kommt es z.B. auch darauf an wer etwas sagt. Passt ein Satz von seiner Semantik inhaltlich nicht zum Sprecher, so kommt ebenfalls eine N400 vor (→ Speaker inconsistency effect).

P600 - Syntaktische Verarbeitungsprozesse

Ist der syntaktische Aufbau nicht eindeutig, also missverständlich, so tritt die P600 auf. Dies kann z.B. bei reduzierten Relativsätzen auftreten. Ursache ist der Garden-Path-Effekt, da hier die naheliegendste Struktur zunächst verfolgt wird. Die P600 tritt bei einer Verletzung des präferierten Weges ein. Die P600 tritt mach etwa 600ms bis 900ms auf und steht im Zusammenhang mit Diagnose, Reanalyse und Reparatur-Prozessen.

LAN

Die LAN (→ left anterior negativity) tritt im anterioren Bereich auf und erscheint bei einem morphosyntaktischen Fehler (→ „Satzform“). Sie tritt mit einer Latenz von 300ms bis 500ms auf.

Beispiele
  • The plane took *we to paradise
  • The plane took us to paradise

* → Fehler im Satz

ELAN

Die ELAN (→ early left anterior negativity) tritt ebenfalls im anterioren Bereich auf und erscheint bei einer Phrasenstrukturverletzung (→ „Satzteilform“). Höchste Auslenkung nach ca. 120ms bis 220ms.

Beispiele
  • Korrekt → Das Baby wurde gefüttert
  • Semantisch nicht korrekt → Das Lineal wurde gefüttert
  • Syntaktisch nicht korrekt → Das Baby wurde im gefüttert
  • Synt. & sem. nicht korrekt → Das Lineal wurde im gefüttert

⇒ Eine semantische Verarbeitung (N400) ist eventuell erst dann möglich, wenn zuvor die Phrasenstruktur korrekt verarbeitet wurde (ELAN).

Prosodische Einflüsse

Prosodische Einflüsse sind solche, die durch die Art der Aussprache entstehen (→ Akzente, Intonation, Sprechpausen, etc.). Alleine die Aussprache kann das syntaktische Verständnis beeinflussen.

  • Der Mann sagt | die Frau kann nicht Auto fahren.
  • Der Mann | sagt die Frau | kann nicht Auto fahren.

⇒ Werden Sätze in einer unpassenden Prosodie ausgesprochen, so treten P600 und N400 auf → semantische und syntaktische Verständnisschwierigkeiten.

 
uni-leipzig/psychologie/module/kognitiv2/7.txt · Zuletzt geändert: 2011/07/15 19:15 (Externe Bearbeitung)
 
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