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Verarbeitung von Sätzen

Frühe Studien

In frühen Studien wurde vor allem versucht die Oberflächen- und Tiefenstruktur von Chomsky (→ Transformationsgrammatik) nachzuweisen.

Mehler

Mehler konnte nachweisen, dass Sätze, welche in passiver Form aufgenommen und im Gedächtnis gespeichert wurden, später häufig als Aktivsatz reproduziert wurden.

⇒ Die Studie unterstützt eine Speicherung der Information in einer Tiefenstruktur.

Miller

Miller untersuchte die Rücktransformation und konnte nachweisen, dass die Verarbeitungszeit abhängig von den notwendigen Transformationsschritten ist.

⇒ Die Studie unterstützt eine Kodierung der Information in einer Tiefenstruktur.

Fodor & Bever, 1965

Klick-Migrationsphänomen (Prinzip)

In einem Satz mit einer syntaktischen Pause wurden Klick-Geräusche um die Pause herum präsentiert. Die Probanden tendierten dazu das Klick-Geräusch auch bei weiterer Entfernung von der Pause (z.B. 3,4 oder 6,7) noch der Pause zuzuordnen.

Syntaktische Grenzen haben Einfluss auf die Wahrnehmung.

Psycholinguistische Techniken

Off-Line Technik

Die psycholingusitische off-line Technik erhebt die Daten der Sprachverarbeitung erst nach der eigentlichen Verarbeitung.

  • Satzwiederholung, Satzrekognition
  • Fragebögen
    • Close Task → Satzergänzung
    • Beurteilungen → Grammatikalität, Akzeptabilität, Plausibilität
  • RSVP → Rapid Sequential Visual Presentation
  • Speeded grammaticaly judgement

On-Line Technik

Die psycholingusitische on-line Technik erhebt die Daten der Sprachverarbeitung bereits während der eigentlichen Verarbeitung und erlaubt einer Untersuchung der Sprachverarbeitung während des Verständnisprozesses.

  • Lexikale Entscheidungs-, Bennenungsreaktion
  • Selbstgetaktetes Lesen
  • Eyetracking
  • Ereigniskorrelierte Hirnpotentiale (→ EEG, MEG)

Anwendungen der psycholinguistischen on-line Techniken

Selbstgetaktetes Lesen

Beim Selbstgetaktetes Lesen (self-paced reading) müssen Probanden Text wortweise, phasenweise oder satzweise lesen, können die Präsentiergeschwindigkeit jedoch selbstbestimmt per Tastendruck wählen. Die Grundidee dabei ist, dass ein erhöhter kognitiver Aufwand für einen Text eine erhöhte Lese- und Fixationszeit benötigt. Festgehalten wird die Zeit zwischen Darbietung eines Fragmentes und einem Tastendruck.

Es werden drei Varianten unterschieden:

  • stationary window → Ein Wort nach dem anderen an der selben Stelle am Bildschirm
  • moving window, cumulative display → Die alten Wörter bleiben stehen, es die Folgenden werden kumulativ ergänzt
  • moving window, non-cumulative display → Die vorig gezeigten Wörter werden geixt (bild → xxxx)
  • boundary → Der ganze Satz wird präsentiert, ein Wort wird ausgetauscht

Wort für Wort

Wort für Wort

Bei einer Studie von Aaronson und Scarborough (1977) wurden die Wörter einzeln präsentiert. Dabei wurde deutlich, dass die Verarbeitungzeiten stark von der syntaktischen Struktur abhängig und weniger von der Länge der Wörter.

Eyetracking

Grundlage

  • SakkadeSchnelle Sprünge zwischen Fixationen (ca. 25ms-30ms), dabei keine Informationsaufnahme
  • FixationInformationsaufnahme (ca. 200ms-250ms), jedoch erst nach ca. 60ms-80ms

Es gibt mehrere mögliche Maße:

  • first fixation duration → Zeit der ersten Fixation einer Region
  • gaze duration → Zeit der Summe aller Fixationen in einer Region
  • total reading time → Zeit der Summe aller Fixationen in einer Region mit Regressionen

Die Annahme ist nun, dass eine Fixation einem kognitiven Verarbeitungsprozess der Sprachverarbeitung entspricht. Die Orte der Fiaxtion sind dabei sowohl von okkulomotorischen (→ „mechanischen“), als auch von visuellen Faktoren beeinflusst.

Evidenzen dafür sind der Worthäufigkeitseffekt (→ Rayner et al., 1996) und der Einfluss eines einschränkenden Kontextes (→ Inhoff, 1984 und Balota et al., 1985)

Entwicklungscharakteristika

Starr und Rayner (2001) fanden heraus, dass die Fixationszeiten und die Anzahl der Rücksprünge (Regression) mit dem Alter abnehmen. Je mehr man also Lese übt, desto besser wird die Leseleistung.

Informationsaufnahme

Die Informationen werden in einer gewissen perzeptuellen Spanne von 18-19 Buchstaben aufgenommen. Die Informationsaufnahme funktioniert jedoch asynchron. Vom Fixationspunkt ausgehend werden im linken Bereich nur 3-4 Buchstaben wahrgenommen, während im rechten Bereich bis zu 15 Buchstbane aufgenommen werden.

⇒ Die perzeptuelle Spanne und der Grad der Asynchronität ist sprachabhängig.

Orthographie vs. Semantik

Mittels der Grenztechnik (→ boundary) konnte Rayner et al. (1986) herausfinden, dass Wörter eher nach ihrer orthographischen Informationen extrahiert werden.

Beispiel:
  • tune und tuce unterschieden sich nicht deutlich von der Fixationszeit.
  • tune und song sowie tune und door unterschieden sich beide gleich stark. Die Semantik hat in diesem Fall keinen Einfluss.

Inkrementelles Parsing

Inkrementelles Parsing meint die ständige Auswahl neuer Regeln, sobald neue Wörter eines Satzes aufgenommen werden. Die inhaltliche Bedeutung wird als von Wort zu Wort ständig neu angepasst.

  • Lokale Amibiguität → Ein Satzausschnitt ist nicht eindeutig
  • Globale Ambiguität → Ein ganzer Satzt ist nicht eindeutig

Verarbeitung struktureller Ambiguität

  • Serielle Verarbeitung → Nur eine mögliche Variante wird verfolgt, bei Scheitern Reanalyse (evtl. Zurückgehen)
  • Parallele Verarbeitung → Mehrere mögliche Varianten werden verfolgt, Scheiternde werden emilminiert
  • Minimale Festlegung (wait and see) → Aussetzung der Verarbeitung bis ein passendes „Signalwort“ kommt

Garden Path Modell

Das Garden Path Modell ist ein Modell, welches von einer seriellen Verarbeitung ausgeht.

Dabei wird zusätzlich eine modulare Verarbeitung angewendet. Zunächst wird eine Entscheidung nur aufgrund struktureller Kriterien getroffen. Eine Reanalyse wird jedoch über thematische Prozesse (→ Semantik) ausgelöst.

Die Weiterverfolgung der Interpretation erfolgt durch einfache Mechanismen (→ Heuristiken). Diese sind minimal attachment und late closure.

minimal attachment

Unter der Bedingung einer wohlgeformten Satzstruktur und eines sinnvollen Inhaltes, werden angehängte Sätze zunächst am naheliegendesten und einfachsten verstanden. Es wird die zunächst einfache Struktur zur Interpretation verwendet.

Beurteilung

⇒ Grundsätzlich deuten einige Befunde darauf hin, dass das Satzverständnis seriell verarbeitet wird.

Semantisch-Pragmatische Kontextinformationen

Semantisch-pragmatische Kontextinformationen können die syntaktische Analyse beeinflussen. Während das Garden Path Modell eine solche Beziehung nicht erlaubt, ist diese jedoch im interaktiven Modell möglich.

⇒ Es gibt Hinweise auf semantisch-pragmatische Kontexteinflüsse

Rayner et al. (1983)

Rayner et al. konnten 1983 nachweisen, dass ein ambiger Satz sowohl in einer plausiblen, als auch einer unplausiblen Bedingung die gleiche Verarbeitungszeit benötigen. Der Satz wurde dafür zerlegt in einen initiale Bereich (welcher variierte), einen ambigen (interpretationsabhängig) und einen disambigen (eindeutig). Unabhängig von der Bedingung (plausibel/unplausibel) blieben die Betrachtungszeiten quasi identisch.

Altman & Steedman (1988)

Altman & Steedman konnten 1988 jedoch einen Effekt der semantisch-pragmatischen Kontextinformation nachweisen. Zunächst wurde zwei verschiedene einleitende Text gezeigt, anschließend eine weitere identische Aussage. Je nach einleitendem Text war die folgende Aussage eindeutig oder uneindeutig. In der uneindeutigen Variante waren die Beobachtungszeiten (→ self-paced-reading) ab der ambigen Stelle langsamer.

 
uni-leipzig/psychologie/module/kognitiv2/6.txt · Zuletzt geändert: 2011/07/15 18:46 von carlo
 
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