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Einführung Sprache

Definition von Sprache

Sprache lässt sich nur schwer korrekt definieren. Meist findet eine Definition unter bestimmten Gesichtspunkten statt.

  1. Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen.“ (E. Sapir, 1921)
  2. Eine Sprache ist eine Menge von Sätzen, die jeweils in ihrer Länge begrenzt sind und aus einer begrenzten Menge von Elementen gebildet wird.“ (N. Chomsky, 1957)
  3. Wenn Sie diese Worte lesen, vollzieht sich in Ihnen eines der Wunder der Natur. Sie und ich gehören nämlich zu einer Spezies mit einer bemerkenswerten Fähigkeit: Wir können im Geist unseres Gegenübers mit höchster Präzision ganz bestimmte Bilder entstehen lassen. […] Diese Fähigkeit heißt Sprache.“ (Steven Pinker, 1996)
  4. Hier nach können wir den Satz nach seinen objektiven wie subjektiven Merkmalen definieren als den sprachlichen Ausdruck für die willkürliche Gliederung einer Gesamtvorstellung in ihre logische Beziehungen zueinander gesetzten Bestandteile.“ (Wundt, 1900)

Funktion von Sprache

  • Kommunikation (u.a. Ideen, Informationen, etc.)
  • Emotionale Rugulierung (z.B. „Aua“, „Huch“, etc.)
  • Soziale Interaktion (z.B. „Gesundheit“, „Mahlzeit“, etc.)
  • Registrieren und Speichern von Fakten (z.B. Gesetze, Rezepte, etc.)
  • Unterstützung beim Denken und Problemlösen (innere Sprache)
  • Ausdruck der Identität (z.B. Dialekt)

Perspektiven auf Sprache

  • Linguistische Perspektive: Zeichensystem
  • Behavioristische Perspektive: Verhalten
  • Kognitionswissenschaftliche Perspektive: Informationsverarbeitung

Teilbereiche der Psycholinguistik

Die Psycholinguistik ist die kognitionswissenschaftliche Perspektive auf Sprache. Zu ihr gehören vier Teilbereiche:

  • Sprachverstehen: Analyse und Verstehen von visueller und akustischer Sprache
  • Sprachproduktion: Umsetzung der Sprache in Schall und Schrift
  • Spracherwerb: Lernen der Muttersprache und Lernen von Zweitsprache
  • Sprachstörung: Beeinträchtigung bei Sprachverstehen und Sprachproduktion

Sprachtheorie

Nachdem zunächst von einigen Wissenschaftlern einige Ansätze verfolgt wurden, gab auch der Behaviorismus eine Antwort auf die Frage nach der Sprache. Aus dieser Sicht (vor allem aus Sicht Skinners) war die Sprache Ergebnis der operanten Konditionierung.

1959 widersprach Noam Chomsky der behavioristischen Theorie der Sprachbildung. Er beschrieb viele Probleme der Theorie und entwickelte daraufhin die Transformationsgrammatik.

  • Keine objektive Beschreibung der determinierenden Reize möglich
  • Sprache ist sehr prouktiv
  • Sprache folgt klaren Regeln
  • Kinder können schlecht Regeln ableiten → Wenig Input

Die Sprache konnte also aus Chomskys Sicht nicht ausschließlich durch Konditionierung entstehen.

Transformationsgrammatik

Grundlage für seine Transformationsgrammatik waren zwei Beobachtungen:

  • Bei unterschiedlicher Wortwahl und unterschielder Anordnung kann die Bedeutung gleich bleiben
  • Bei gleicher Wortwahl und gleicher Anordnung können sich verschiedene Bedeutungen ergeben

In der Transformationsgrammatik gibt es eine Oberflächenstruktur (der gesagte Satz) und eine Tiefenstruktur (die Bedeutung der Aussage). Zwischen diesen beiden Strukturen kann nun transformiert werden. George A. Miller versucht dies experimentell nachzuweisen, vor allem was die Rücktransformation anging.

Das Computermodell

Auch Karl Spencer Lashley war der Behavioristische Ansatz zu dünn. Er unterstützte ebenfalls die These, dass es interne Pläne bzw. Repräsentationen geben müsse.
Alan Turing wiederum versuchte mit dem Aufkommen der Informatik parallelen zwischen der Sprachverarbeitung und dem Computer (bzw. dessen Software) zu ziehen. Seine Idee war den Mensch und seine Sprache zu berechnen (Turingmaschine).

Allgemein ließen sich im Laufe der Zeit einige Parallelen zwischen Mensch und Informatik finden. Die Sprache an sich wird vor allem mit der Software des Computers verglichen, während der Mensch mit seinem physikalisch aus Neuronen bestehendem Gehirn, der Hardware des Computers entspricht. Die Problemlösestrukturen finden aus der Perspektive der kognitiven Psychologie zunächst unabhängig von den physikalischen Eigenschaften des Menschen statt. Die kognitiven Neurowissenschaften versuchen die Befunde der „Hardware“ mit der kognitiven Beschreibung der „Software“ zusammenzubringen.

Zentrale Fragen

Die aktuellen Fragen gehen in zwei Richtungen.

  1. Wie lässt sich die Architektur der kognitiven Sprachverarbeitung in einem Modell fassen?
  2. Wo sind diese Funktionen im physikalischen Gehirn implementiert?

Methoden der Psycholinguistik

  • Aufzeichnung spontaner Äußerungen (z.B. Sprechfehler, Sprachentwicklung)
  • Äußerungsinduktion im Experiment (z.B. Wegbeschreibung)
  • Chronometrische Verfahren (z.B. Messung von bestimmten Sprachlatenzen mit EEG/MEG)
  • Bildgebende Verfahren (z.B. Lokalisation von Hirnarealen mit MEG/fMRT/PET)
  • Modellierung und Simulation mit Computerunterstützung (z.B. Cohort, Trace, Weaver++)

Entstehung von Sprache

Die Entstehung der Sprache lässt sich aufteilen in die Entstehung der vokalen Sprache und die Entstehung der Grammatik.

Vokale Sprache

  • Anatomische Anpassung: Nase-, Mund-, Rachenluftwege
  • Entwicklung ohne vokale Aussprache → Gebärden
  • Selektionsvorteil: Weitergabe von Wissen

Grammatik

Bei der Grammatik stellt sich vor allem die Frage, ob diese sich in relative kurzer Zeit alleine durch Selektion entwickelt hat.

Dagegen spricht, dass die Zeitspanne sehr kurz ist und die Komplexität gleichzeitig sehr hoch. Außerdem stellt sich die Frage, ob eine ausgeprägte Grammatik überhaupt einen Selektionsvorteil bietet.

Dafür spricht, dass eine Grammatik präzisere Informationen zulässt, welche in manchen Situationen entscheidend sein kann. Wenn es z.B. um Beziehungen zwischen Menschen oder in bestimmten Situationen geht, so ist es von enormer Bedeutung wer wem was tut. Die reine Information reicht u.U. nicht aus. Wichtig ist vor allem der Bezug.

Sprache als menschliche Eigenheit

Zunächst ist deutlich, dass zwischen der Kommunikation von Mensch und Tier eine große Differenz liegt. Um diese Vermutung zu untersuchen muss zunächst bekannt sein, was zur Sprache gehört.

Sprachformen

  • Gesprochene Sprache
  • Geschriebene Sprache
  • Gebärdensprache

Charles Hockett unterteilte die Sprache in 13 Designfeatures und teilte die oben genannten drei Punkte somit weiter auf.

Spracheigenschaften

Die Eigenschaften der menschlichen Sprache sind außerdem folgende:

  • Kommunikation (z.B. Information, Intention)
  • Produktivität (z.B. Neue Kombinationen flexibel erzeubar)
  • Struktur (→ Grammatik)
  • Symbolisch (z.B. Buchstaben, Bilder, Runen)
  • Semantisch (Bezug zur Welt)
  • Displacement (Reden über z.B. Zukunft, Vergangenheit, Phantasie)
  • Strukturelle Dualität (Inhaltslose Laute / Inhaltsvolle Sätze)
  • Rekursion (z.B. Satzverschachtelung → Grammatik)

Lernen von Sprache

Die Leitfrage ist hier, ob das Lernen der Muttersprache (oder auch einer Zweitsprache) nur innerhalb einer bestimmten Periode (→ Kindheit) des Lebens erlernbar ist oder ob es das ganze Leben lang möglich ist.

Eine kritische Periode hat eine charakteristische Eigenschaft: In dieser Periode ist eine erhöhte Lernbereitschaft für Sprache, außerhalb dieser Phase mangelt es dieser Lernbereitschaft.

An Beispielen und Forschungsergebnissen (u.a. Genie) konnte eine kritische Periode nachgewiesen werden. Je nach Ergebnis schwankt das Ende der Periode zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr. Je später die Sprache gelernt wird, desto schwieriger wird es jedoch. Ergebnisse zeigen, dass Taube, welche anfangs ein wenig Sprache hörten und lernten, später wesentlich besser sprechen konnten, als solche, die seit Geburt taub waren. Bei einfachen grammatischen Anwendungen ist der Unterschied nicht zu erkennen. Signifikant wird es bei steigender Komplexität der grammatischen Struktur.

⇒ Die Ergebnisse beziehen sich zunächst auf das Lernen der Muttersprache.

 
uni-leipzig/psychologie/module/kognitiv2/1.txt · Zuletzt geändert: 2011/07/14 20:50 von carlo
 
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