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Multimodalität

Multimodale Wahrnehmung

Jegliche Wahrnehmung in der Umwelt wird nicht nur mit einem Sinn wahrgenommen. Mehrere Sinnes spielen bei der Wahrnehmung gleichzeitig eine Rolle und müssen entsprechend zusammengebracht werden.

Beispiel

Feuer wird mit Augen, Nase, Ohren und der Haut wahrgenommen.

Intersensorische Beeinflussung

Ob ein einzelnes audiovisuelles Signal oder zwei getrennte Signale wahrgenommen werden, wird als intersensorische Beeinflussung bezeichnet. Die Frage ist in diesem Bereich vor allem, ob perzeptuelle oder postperzeptuelle Faktoren die Wahrnehmung beeinflussen. Dieser Prozess wird auch als Bauchrednereffekt bezeichnet. Er bedeutet, dass die visuelle Information einer Schallquelle überwiegt. Es besteht eine Konzentration auf den Mund der Puppe (→ Bewegt sich) und weniger auf das auditive Signal des Sprechers.

⇒ Die Verarbeitung verläuft über das Mesencephalon (Mittelhirn).

Segregation

Als Segregation wird die Trennung von Signalen bezeichnet. Einige Signale können trotz eines verflochtenen Zustandes gut getrennt werden.

Frequenzunterschiede

Ein Hilfsmittel zur Segregation sind Frequenzunterschiede. Werden also zwei Signale vermischt abgegeben (z.B. gleichzeitig gesprochene Sätze), so können diese gut getrennt werden, wenn sich die Frequenzbereiche der beiden Sätze unterscheidet.

Ortsunterschiede

Eine weitere Möglichkeit für das Sinnessystem ist die Unterscheidung über den Ort. Sind also auditive Signale regelmäßig vermischt (z.B. 1. Buchstabe des 1. Satzes gefolgt vom 2. Buchstaben des 2. Satzes, etc.) so kann das Signal ebenfalls segregiert werden.

Inverse Effektivität

Die inverse Effektivität ist die Verstärkung durch multimodale Wahrnehmung. Dies geschieht durch multisensorische Neurone.

Durch akzessorische Signale (→ „hinzukommende Signale“) wird die Reizentdeckung verbessert. Dabei gibt es drei Mechanismen:

  • Räumliche Regel → Mehrere Modalitäten werden räumlich naheliegend präsentiert
  • Zeitliche Regel → Mehrere Modalitäten werden zeitlich gleichzeitig präsentiert
  • Redundant Target Effect → Redundanzeffekt

Redundant Target Effect

Redundanzeffekt (Redundant Target Effect)

Reagiert eine Person auf zwei Reize (z.B. visuell und auditiv) jeweils gleich gut, so beschleunigt sich die Wahrnehmung deutlich, wenn beide Reize gleichzeitig präsentiert werden. Dieser Effekt wird als Redundanzeffekt bzw. Redundant Target Effect bezeichnet.

Es besteht folgender Zusammenhang:

tex:P(RT_{AV} < t) = P(RT_{A} < t) + P(RT_{V} < t) - [P(RT_{A} < t) \cap P(RT_{V} < t)]

  • tex:P(RT_{AV} < t) → Wahrscheinlichkeit, dass die Reaktionszeit des audio-visuellen Signals kleiner tex:t ist.
  • tex:P(RT_{A} < t) → Wahrscheinlichkeit, dass die Reaktionszeit des auditiven Signals kleiner tex:t ist.
  • tex:P(RT_{V} < t) → Wahrscheinlichkeit, dass die Reaktionszeit des visuellen Signals kleiner tex:t ist.
  • tex:P(RT_{A} < t) \cap P(RT_{V} < t)Schnittmenge der autiven und visuellen Reaktionszeitwahrscheinlichkeiten.
Dabei gilt:

tex:P(RT_{A} < t) \cap P(RT_{V} < t) \ge 0

und somit folgt

tex:P(RT_{AV} < t) \le P(RT_{A} < t) + P(RT_{V} < t)

Beurteilung

⇒ Sollte die Ungleichung verletzt werden, so können separate Aktivierungsmodelle verworfen werden. Eine separate und gemeinsame Präsentation der Reize würde zu gleichen Reaktionszeiten führen.

Effekte

Es gibt durch die wechselseitige Beeinflussung der Modalitäten einige praktische Konsequenzen.

  • Wörter können besser erkannt werden, wenn sie visuell und auditiv präsentiert werden.
  • Sprachlaute werden anhand von auditiven und visuellen Signalen verarbeitet (visuelle Wahrnehmung kann auditive Sprachwahrnehmung beeinflussen!)
  • Auch visuelle und motorische Modalitäten können sich beeinflussen (→ rubber hand illusion).

Crossmodale Aufmerksamkeitsmodelle

  • Modalitätsspezifische Aufmerksamkeit → Modalitäten getrennt wahrgenommen und getrennt verarbeitet
  • Supramodale Aufmerksamkeit → Modalitäten gemeinsam wahrgenommen und gemeinsam verarbeitet
  • Hierarchische Aufmerksamkeit → Modalitäten gemeinsam wahrgenommen, aber getrennt verarbeitet
  • Verknüpfte separierbare Aufmerksamkeit → Modalitäten getrennt wahrgenommen, aber gemeinsam verarbeitet
 
uni-leipzig/psychologie/module/kognitiv1/11.txt · Zuletzt geändert: 2011/08/01 19:07 (Externe Bearbeitung)
 
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