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3. Moderne Hypnose

Definition

Unter Hypnose versteht man:

  • Veränderter Bewusstseinszustand → Körper entspannt, Geist wach
  • Lenkung/Fokussierung der Konzentration

⇒ Hypnose ist kein Schlaf!

Typische hypnotische Phänomene

  • Gleichförmige, gelernte, automatisierte Tätigkeiten → z.B. Autofahren, Laufen, etc.
  • „Fesselung“ der Aufmerksamkeit

Suggestibilität

Suggestibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal. Es korreliert am stärksten mit Phantasiebegabung, Tagträumen und Motivation.

Trance

Trance ist ein Bewusstseinszustand mit vermehrter psychosomatischer Durchlässigkeit und kognitiver Flexibilität.

Trancezustand

Physiologische Veränderungen

Während eines Trance-Zustandes ergeben sich physiologische Veränderungen:

  • Erhöhte Aplha-Aktivierung (EEG)
  • Verminderte Herzrate
  • Gleichmäßige/Verminderte Atemfrequenz
  • Verminderter Blutdruck
  • Verminderter Muskeltonus
  • Erhöhte Immunbereitschaft
  • Immobilität
  • „Sprechfaulheit“
  • Innervationsveränderungen (Funktionelle Versorgung der Organe) → Katalepsien, Levitationen

Subjektive Veränderungen

Auch subjektiv verändert sich die Wahrnehmung:

  • Körperliche Entspannung
  • Mentale Wachheit und Klarheit
  • Unwichtige Außenreize werden ausgefiltert
  • Zeitverzerrung → Verkürzung (meist um 50%)
  • Dissoziationsfähigkeit steigt → Unterbrechung des funktionalen Bewusstseins
  • Gesteigerte Imaginationsfähigkeit
  • Wörtliches Sprachverständnis
  • Logische Kriterien treten in Hintergrund
  • Geringes Bedürfnis nach Realitätsprüfung

Hypnotherapie

Ziel der Hypnosetherapie ist es, den Patienten in einen Trancezustand zu bringen, in dem er (1) physiologische, (2) kognitive und (3) emotionale Reaktionsmöglichkeiten nutzen kann, die im in alltäglichen Bewusstseinszuständen nicht zur Verfügung stehen.

Die Therapie umfasst:

  • Tranceeinleitung → Induktion
  • Hypnotherapeutische Techniken
  • Trancebeendigung

Geschichte

Die frühen Anfände der Hypnose reichen bis in prähistorische Höhlenzeichnungen und schamanische Rituale. Vor allem jedoch ab dem 18. Jhd. wurden u.a. Animalischer Magnetismus (Franz Anton Mesmer), Somnambulismus (Abbe Faria), Hypno Anästhesie (James Braid), etc. entwickelt.

Später folgten dann:

  • Autosugeggestion (Emile Coue)
  • Hypnoanalyse (Josef Breuer)
  • Autogenes Training (Johannes H. Schultz)
  • Moderne Hypnose“ (Milton H. Erickson)

3 Entwicklungsstufen

  1. Autoritärer Ansatz (bis ca. 1900) → Dominante Rolle des Hypnotiseurs
  2. Standardisierter Ansatz (bis ca. 1950) → Suggestibilität als Patienteneigenschaft angenommen
  3. Kooperativer Ansatz (ab ca. 1950) → Therapeut-Klienten-Beziehung

Besonderheiten der modernen Hypnose

  • Non-Direktiv
  • Indirekt-Suggestiv
  • Ressourcenorientiert
  • Augenblickliche Wahrheit des Klienten

1. Non-Direktiv

  • Angepasst an Körperhaltung/Sprache des Patienten
  • Partnerschaftliche Atmosphäre
  • Keine Hilfsmittel

2. Indirekt-Suggestiv

In der modernen Hynpnose wird die Suggestion einfach angeboten, die Klienten haben dabei eine große Freiheit (indirekt suggestiv).

Mögliche Formulierungen
  • „jetzt oder ein wenig später“
  • „die eine oder die andere Hand“
  • „Vielleicht genießen Sie es, zu denken, dass Ihre Augen noch nicht müde werden…“

⇒ Je mehr der Klient daran denkt, dass seine Augen noch nicht müde werden, desto müder werden Sie

3. Ressourcenorientiert

In der modernen Hypnose wird davon ausgegangen, dass der (1) Klient über alle Ressourcen verfügt, die zur Problemlösung benötigt werden. Es liegt aufgrund des Problembereichs jedoch eine (2) Blockade der Ressourcen vor. Diese (3) Ressourcen sollen erschlossen werden:

  • Ressourcen identifizieren/aktualisieren
  • Ressourcen entwickeln/anpassen
  • Ressourcen zielgerecht verbinden

4. Augenblickliche Wahrheit des Klienten

In der modernen Hypnose werden individuelle Ausdrucksformen und Problemsicht als augenblickliche Wahrheit des Klienten betrachtet.

  • Augenblickliche Wahrheit des Klienten beachten
  • Akzeptanz aller Botschaften
  • Abstimmung der Formulierungen/Abläufe
  • Übernahme der klienteneigenen Beschreibung
  • Aufgreifen typischer Sprachmuster/Redewendungen

Vergleich Klassisch/Modern

Klassische Hypnose Moderne Hypnose
Körperhaltung aufrecht, dominant, bestimmt An Körperhaltung des Klienten angepasst
Stimme tief, autoritär sanft, partnerschaftlich
Sprache kurz, klar, direkt, formelartige Anweisung bildhaft, merhdeutig, angepasst an Sprachwelt des Patienten, ineinander übergehende Sätze, indirekte Angebote
Setting autoritär, Einsatz hypnotischer Hilfsmittel Vertrauensvolle Atmosphäre
 
uni-leipzig/psychologie/module/klinisch3/3.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/11 23:14 von carlo
 
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