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12. Psychotherapie im Alter

Einleitung

Annahmen/Modelle

  • Defizit-Modell des Alterns → Verlust von Ressourcen mit dem Alter (kein Gewinn)
  • Kosten-Gewinn-Modell → Im Alter sind Funktionspotentiale erhalten (Ressourcen stehen auch im Alter zur Verfügung, bzw. können sich entwickeln)

Grundsätze

  • Normales Altern
  • Optimales Altern
  • Pathologisches Altern

⇒ Psychotherapie ist altersspezifisch und störungsspezifisch

SOK-Modell

  • Selektion → Auswahl/Konzentration auf einen Bereich
  • Optimierung → Training, Übung, Auseinandersetzung
  • Kompensation → Ausgleichende Strategien

Erleichternde/Erschwerende Faktoren

Für Psychotherapie im Alter gibt es (1) erleichternde und (2) erschwerende Faktoren

Erleichternde Faktoren

  • Angepasste, erlernte, stabile Wohlbefindensregulation
  • Kumulierte Bewältigungs-/Lebenserfahrung
  • Reife
  • Motivationale/Emotionale Veränderungen unterliegen weniger Schwankungen

Erschwerende Faktoren

  • Multimorbidität / Duale Diagnosen → Körperliche Störungen, die vorrangig Leiden verursachen
  • Interpersonalle Verluste
  • Fähigkeitseinschränkungn durch sensorische/motorische Defizite
  • Eingeschränkte Lebenszeit
  • Demenz

Psychische Störungen im Alter

Psychische Altersmorbidität

  • 24-40% (Maerker)
  • Häufigste Diagnose

Unter den Störungen sind:

  • 20% Depressive
  • 20% Schlafstörungen
  • 10% Suizidalität
  • 5% Angststörungen

* 3% Sucht- und Angststörungen

⇒ Nur 1,5% der Patienten sind über 60 Jahre!

Neue Störungsbilder

  • Leichte neurokognitive Störung
  • Psychose bei Demenz
  • Rezidivierende kurze Depression
  • Altersspezifische Angstsyndrome
  • Komplizierte Trauer
  • Anpasungsstörungen

⇒ Vorschläge für Diagnose (Konzeptualisierung wird noch untersucht)

Prävalenz von Störungen im Alter

Allgemein große Schwankungen von 12% bis 54%, abhängig von der Operationalisierung und dem Erhebungszeitpunkt und -ort.

⇒ Bei ca. 25% behandlungswürdige Symptome/Störungen (Berliner Altersstudie)

Versorgungsaspekte

Starke Unterversorgung

Es liegt eine starke Unterversorgung vor. Nur ca. 10% werden psychotherapeutisch behandelt.

Hindernisse
  • Motivation
  • Krankheiten werden nicht erkannt → Angehörige, Hausarzt
  • Einstellung der Behandler

Therapiekonzepte für Psychotherapie im Alter

  • Psychoanalyse
  • Analytische Psychologie
  • Gesprächspsychotherapie
  • Gruppenpsychotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Übende/Entspannende Verfahren
  • Sonstige Verfahren
  • Prozessorientierte Psychotherapie
  • Identitätsarbeit
  • Lebensrückblicktherapie
  • Logotherapie

Psychoanalyse

  • Entwicklungsaufgaben in jedem Lebensabschnitt
  • Integrierte Erfahrung stärken das Ich → Bei Bewältigung von Bedrohung, Verlust, Kränkung
  • Übliche Behandlungsformen

⇒ Kaum Langzeitanalysen

Begriff in Zusammenfassung vorhanden? → „Freischwebende Aufmerksamkeit“

Analytische Psychologie

  • Umgang/Förderung mit schöpferischen Möglichkeiten
  • Abschließen des Individuationsprozesses / Sinnfindung

Gesprächspsychotherapie

  • Anwendung der Grundprinzipien bei Älteren
  • Förderung des Wachstums (auch im Alter)
Weitere Aspekte
  • Selbstaktualisierung auch im Alter
  • Verbalisierung/Empathie zur Förderung von Klärung
  • Selbstreflexion/Identitätsarbeit
  • Integration/Reflexion der eigenen Biografie → Biografie-Arbeit
  • Integration/Rückschau ohne resignative Lebensbilanz
  • Validation → Spezielle Form der Gesprächsführung (Akzeptanz/Bestätigung)

Gruppenpsychotherapie

  • Häufig bei unterschiedlichen Problemstellungen
  • Psychoedukation / Konkrete Unterstützung
  • Stabilisierung / Förderung / Entlastung
  • Weniger Konfliktbearbeitung

Verhaltenstherapie

  • Konkrete Verhaltensänderung → Optimierung/Erweiterung
  • Bedingungs-/Zielanalyse
  • Gegenwarts-/Problemorientierung

Therapieprogramme

Psychologische Therapieprogramme gegen:

  • Schmerzen
  • Tinnitus
  • Schlafstörungen
  • etc.

Therapieformen

  • Ressourcenaktivierende Therapie
  • Kognitive Therapie gegen Angst/Depression
  • Aktivierungs-Therapie
  • Realitäts-Orientierungs-Trainings (Demenz)
  • Neuropsychologische Psychotherapie/Gedächtnistraining

Übende und entspannende Verfahren

  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelrelaxation
  • Mediation → Achtsamkeitsbasierte Mediation
  • Hypnose
  • Imagination und Phantasie-Reisen

Sonstige Verfahren

  • Tiergestützte Therapie → z.B. Hund, Pferd, Vogel
  • Sport- und Bewegungsorientierte Verfahren → z.B. Liquid Sound
  • Snoezelen → Aufhalten in einem gemütlichen/warmen Raum, leisen Klängen/Melodien, Betrachtung von Lichteffekten

Prozessorientierte Psychotherapie

Die prozessorientierte Psychotherapie nach H. Swildens beruht auf der Annahme verschiedener Phasen:

  • Stagnation
  • Prämotivationsphase
  • Symptom-/Syndromphase
  • Problem-/Konfliktphase
  • Existentielle Phase
  • Abschied

Identitätsarbeit

Die Identitätsarbeit nach Keupp, Schröder und Reschke unterteilt sich in drei Zeitdimensionen:

  • Vergangenheit
  • Gegenwart
  • Zukunft
Therapeutische Methoden
  • Reflexionsübungen
  • Biografische Reprisen
  • Meilensteine meines Lebens

Lebensrückblicktherapie (KAST)

Die Lebensrückblickstherpie ist einer Form der Psychoanalyse/Tiefenpsychologie:

  • Klärung
  • Verstehen/Integrieren des Lebens
  • Einsicht
  • Individuation
  • Aussöhnung (forgiveness)

Biographie-Arbeit: Lebenslange Entwicklungsarbeit insbesondere in biographischen Übergangsphasen (Transitionen)

Aspekte der Lebensrückblickstherapie

  • Biografiearbeit
  • Narration
  • Imagination
  • Veränderung von Emotion

Logotherapie

  • Falsches/Richtiges Klagen
  • Metaklinische Pathozidee
  • Logotherapeutisch geführte Biografiearbeit
  • Prinzip der Noodynamik

Noogene Neurose: Auslösung durch existentielle Krisen

Metklinische Pathozidee

  • Beantwortung/Erforschung der Frage nach dem Sinn des Leidens
  • „Ernte“ trotz Misserfolg

⇒ Zentral ist die richtige Klage

  • Temporäre Explikation der Person → Selbstreflexion, Enthüllung der Biographie
  • Konfrontation der Existenz mit dem Logos → Hinordnung der Person auf eine Welt des Sinnes und der Werte

Logotherapeutische Autobiografie

  • Vorübung → Motivierung
  • Rückblick → (1) Meine Eltern, (2) Meine Vorschulzeit, (3) Meine Schulzeit, (4) Meine Erwachsenenzeit bis heute
  • Gegenwärtige Situation → (1) Meine nähere Zukunft, (2) Meine fernere Zukunft, (3) Mein Sterben, (4) Meine Spuren in dieser Welt
 
uni-leipzig/psychologie/module/klinisch3/12.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/29 14:51 (Externe Bearbeitung)
 
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