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11. Systemische und Familientherapie

Die systemische Therapie schafft Bedingungen für die Möglichkeiten selbstorganisierter Ordnungsübergänge in komplexen bio-psycho-sozialen Systemen unter professionellen Bedingungen.

Menschliche Bezugssysteme sind wesentliche Ressourcen/Ansatzpunkte für Behandlung

1. Schulen der Familientherapie

  • Von der Psychoanalyse kommende Familientherapie → Helm Stierlin, Horst-Eberhard Richter
  • Strukturelle Familientherapie → Salvador Minuchin, Jay Haley
  • Kurztherapien paradoxaler Ausprägung → Mara Selvini Palazzoli, Paul Watzlawick
  • Entwicklungsorientierte, erlebnisorientierte, integrative Familientherapie → Virginia Satir
Andere familientherapeutische Richtungen
  • Verhaltenstherapeutisch → Mandel
  • Kognitiv → Russel
  • Individualpsychologisch → Ackerknecht, Tietze

2. Theorie

Eigenschaften von Systemen

Angewendet auf Familientherapie haben Systeme folgende Eigenschaften:

  • Verbundenheit der Elemente → Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, Ist ein Element problematisch hat das Konsequenzen für das ganze System
  • Zielorientiertheit/Prozess → Lebende Systeme haben eine zielgerichtete Entwicklung
  • Regulierung → Morphostatische Kräfte (Erhaltung der Regeln in Familien), Morphogenetische Kräfte (Entwicklung der Regeln in Familie)
  • Homöostase → Fließgleichgewicht (Wechselspiel)
  • Kalibrierung/Stufenfunktion → Systeme vollziehen teilweise sprunghafte Entwicklung/Regulation, Auf nächster Stufe stellt sich erneut Gleichgewicht ein (Kalibrierung)
  • Hierarchie → Systeme/Subsysteme, Subsysteme können wieder als Systeme betrachtet werden
  • Regeln → Halten System in Balance
  • Offene/Geschlossene Systeme
  • Relativitätsprinzip

Erwartung an den Therapeuten

  • Selbsterfahrung
  • Wertschätzung
  • Kongruenz/Selbstachtung

Schulübergreifende Therapeutische Techniken

Zentrale Bedingungen

  • Wertschätzende/Kongruente Haltung
  • Systemisches Weltbild

Techniken

„Der Kreativität des Therapeuten sind keine Grenzen gesetzt, solange er sensibel für die Konsequenzen seines Handelns ist.“

Beispiele

  • Puppenspiel
  • Gestaltdialog → Leerer Stuhl
  • Malen gemeinsamer Bilder
  • Video-Feedback
  • Musik

3. Spezifische familientherapeutische Techniken

  • Joining
  • Stockwerksarbeit
  • Netzförmige Interaktion
  • Umdefinition des Problems → Vom Individuum zum System/Kontrakt
  • Reframing → Umdeutung
  • Paradoxien
  • Arbeit an den Grenzen
  • Familienanamnese/Genogramm
  • Familienskulptur
  • Metaphern

1. Joining

  • Kontakt- und Veränderungstechnik
  • Führungsposition des Therapeuten wird etabliert/gefestigt
  • Lenkung von allgemeinen auf persönliche Themen, Etablierung einer Familienregel
  • Thema finden, mit dem Selbstwert jedes einzelnen erreicht wird

⇒ Ziel ist kooperatives Arbeitsbündnis mit der Familie

2. Stockwerksarbeit

  • Jedes Familienmitglied wird angesprochen → Auf jeder Ebene des Joinings / der Therapie
  • Äußerlichkeiten (Begrüßung, Terminvereinbarung, etc.) / Abmachungen (Kontrakt, Hausaufgaben, etc.)
  • Stellung jedes Familienmitgliedes zu Problem ist wichtig
  • Therapeut/Familie erhalten untereinander viele Informationen

3. Netzförmige Interaktion

Überführung der sternförmigen Interaktion (alle Sprechen zum Therapeuten) zu einer netzförmigen Interaktion (alle sprechen direkt miteinander)

4. Umdefinition des Problems

Umdefinition des Problems, vom Individuum zum System, Kontrakt:

  • Neudefinition des Problems im Erstgespräch
  • Schrittweise Erhebung der Probleme jedes einzelnen
  • Herausarbeiten der Anteile des Problems bei jedem einzelnen, Beginnen mit emotionaler Bedeutung, Ineinader verflochtenes Problem wird deutlich
  • Entlastung des Symptomträgers
  • Kotraktformulierung für jeden einzeln

5. Reframing (Umdeutung)

  • Ereignisse werden in anderen Kontext gestellt
  • Zentral: Bedeutungen, die Ereignissen zugeschrieben werden
  • Rahmen (frames) grenzen systematisch Erfahrungen/Wahlmöglichkeiten aus
  • Umdeutung ermöglicht „Anderssein“ (oft zum ersten Mal)

6. Paradoxien

  • Es wird das Gegenteil erreicht, von dem was scheinbar erreicht werden soll
  • Familie muss Instruktion des Therapeuten Widerstand leisten oder bis zur Absurdität folgen
  • Kontinuierliche Missachtung direkter Intervention führt zu verborgener Interaktion im System
  • Ziel des systemischen Paradox → Verborgene Interaktion

⇒ „Du kannst kommen wann du willst, aber ab 24 Uhr ist die Tür zu.“

3 Haupttechniken

  • Umdefinition
  • Verschreibung des Symptoms
  • Zurückhaltung

7. Arbeit an den Grenzen

Zwei systemtheoretische therapeutische Konzepte

  • Binnengrenzen
  • Außengrenzen

Ziel der Intervention

  • Aufweichung starrer Grenzen
  • Verfestigung diffuser Grenzen

Indikator

  • Physische Nähe/Distanz (Sitzordnung)
  • Art/Häufigkeit von Unterbrechungen/Hilfen/Unterstützungen zwischen Familienmitgliedern

8. Familienanamnese/Genogramm

  • Genogramm → Einfache/Direkte Form zu jedem Familienmitglied, Form der Familienanamnese
  • Skizzenhafte Visualisierung → Von Familienereignissen und –daten, z.B: Name, Alter, Heiratsdaten, Geschwister, etc.

⇒ Jeder fühlt sich eingebettet in familiengeschichtliche Ereignisse und nicht auf der Anklagebank

9. Familienskulptur

  • Darstellungen familiärer Beziehungen in Haltung/Position
  • Bestätigung der Stimmigkeit der Skulptur von betroffener Person
  • Jedes Mitglied kann Skulptur stellen
  • Zugang zu Prozesses, die in realer Lebenswelt Beziehungsdefinitionen bestimmen

Familienskulpturen ermöglichen:

  • Unterlaufen von an Sprache gebundenen Abwehrphänomenen → Rationalisierung/Intellektualisierung
  • Vordringen zum eigentlichen Problem der Familie
  • Sprechen über Differenzen

10. Metaphern

  • Gebrauch von Metaphern ist eine Funktion von Erfahrung, Gelassenheit, Weisheit des Therapeuten
  • Metaphern sind erlernbar

Positive Psychotherapie → Der Kaufmann und der Papagei (Peseschkian)

4. Anwendungsformen

  • Systemische Einzeltherapie
  • Systemische Paartherapie
  • Systemische Familientherapie
  • Systemische Gruppentherapie
 
uni-leipzig/psychologie/module/klinisch3/11.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/21 19:13 von carlo
 
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