Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

Junges und mittleres Erwachsenenalter

Entwicklunspsychologie des Erwachsenenalters

Klassisches Entwicklungskonzept

Im klassichen Entwicklungskonzept wird Entwicklung mit einem fortschreitenden Wachstumsprozess verknüpft. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich Fähigkeiten und Fertigkeiten zunehmend verbessern oder neue erworben werden. Die Entwicklung wird als ein Prozess fortschreitender Differenzierung und Integration betrachtet, der nach und nach zu einer immer höheren Funktionsstufe führt.

Phasen des Erwachsenenalters

Das junge Erwachsenenalter liegt im Bereich von 21 bis 45 Jahren, das mittlere Erwachsenenalter im Bereich zwischen 45 und 65 Jahren. Kennzeichnung der Phasen durch:

Junges Erwachsenenalter
  • Zunehmende Verpflichtungen (Beruf, Familie)
  • Aufbauphase
  • Erlangen von Zugewinn
  • Unbegrenzte Zukunftsperspektive
Mittleres Erwachsenenalter
  • Komplexe Verpflichtungen
  • Stabilisierung
  • Regulierung von Zugewinn
  • Kontinuität und Abbau
  • Begrenzte Zukunftsperspektive

Kriterien für Erwachsenenalter

Kriterien für Beginn

  • Beedingung der Ausbildung
  • Eintritt in das Berufsleben
  • Auszug in eigene Wohnung
  • Eigene Familie

Selbstständige Lebensführung: (1) Finanziell, (2) Emotional

Kriterien für Ende

  • Austritt aus Beruf
  • Rolle als Großeltern
  • Äußerliches Erscheinungsbild
  • Nachlassen Leistungsfähigkeit

⇒ Wenig eindeutige Kriterien

Entwicklungskrisen und -aufgaben

Entwicklungsaufgaben nach Havighurst

„Eine Aufgabe, die zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Phase im Leben eines Individuums auftritt, deren erfolgreiche Bewältigung zu Zufriedenheit und zu Erfolg mit späteren Aufgaben führt, während Misserfolg zu Unzufriedenheit des Individuums, Missbilligung der Gesellschaft und Schwierigkeiten mit späteren Aufgaben führt.“ (Havighurst)

Ergänzend

„Entwicklungsaufgaben sind Aufgaben, die sich für eine Person in einer bestimmten Lebensphase aus dem Zusammenspiel von biologischen, gesellschaftlichen und persönlichen Einflussfaktoren ergeben und als sozial geteilte Erwartungen die individuelle Zielsetzung und Zielverfolgung beeinflussen – und damit den Lebenslauf entscheidend strukturieren.“ (Havighurst)

Modell der Entwicklungsaufgaben (Havighurst)

Entwicklungsaufgaben, die sich im Erwachsenenalter ergeben, können von verschiedenen Bereichen kommen:

  • Gesellschaftliche Anforderungen
  • Biologische Entwicklung
  • Persönlichkeit (Ziele und Werte)

Charakterisierung der Entwicklungsaufgaben

Nach Havighurst (1956):

  • Hierarchisch → Sensible Perioden (zeitlich begrenzte Aufgaben)
  • Universalistisch → Biologische Reifung
  • Kulturspezifisch → Gesellschaftliche Erwartungen
  • Konstruktivistisch → Individuelle Ziele (Abhängigkeit vom Entwickelnden Selbst)

Konkrete Entwicklungsaufgaben

1. Adoleszenz

  • Reifere Beziehungen
  • Geschlechtsrollenakzeptanz
  • Körperakzeptanz
  • Emotionale Unabhängigkeit
  • Vorbereitung: Partnerschaft
  • Vorbereitung: Beruf
  • Moralische & ethische Werte entwickeln

Erikson: Identitätsfindung vs. Rollendiffusion

2. Junge Erwachsene

  • Lebenspartner
  • Kinder
  • Freundeskreis aufbauen
  • Berufseinstieg

Erikson: Intimität vs. Isolation

Beispielstudie: Intimitätsbedürfnis

Jungen Erwachsenen ist Intimität in ihrem jetzigen Alter wichtiger als es ihnen später ihrer Meinung nach sein wird. Älteren Erwachsenen ist Intimität jetzt unwichtiger als es ihnen früher ihrer Meinung nach war.

3. Mittlere Erwachsenen

  • Physiologische Veränderung akzeptieren
  • Berufliche Leistung befriedigend
  • Beziehungen neu gestalten
  • Ältere Kinder
  • Beziehung zum Partner
  • Gesellschaftliche Verantwortung

Erikson: Generativität vs. Selbst-Absorption

Beispielstudie: Motivationale Orientierung

Untersucht wurden selbstbezogene (konsumorientiert) und gemeinschaftsorientierte (produzierende) Motive.

Selbstbezogene Motive nehmen mit dem Alter tendenziell ab, gemeinschaftsorientierte Motive nehmen mit dem Alter tendenziell zu.

Exkurs: Handlungsabsicht

Studienbeispiel: Geld-/Zeitgewinn

Die Probanden wurden gefragt, was sie mit gewonnenem Geld bzw. gewonnener Zeit machen würden. Die Antworten (waren zu begründen) wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Lebenseinsicht
  • Wohlergehen anderer
  • Gesellschaftliches Engagement

⇒ Alle drei Bereiche wurden von älteren Personen öfter angegeben

Studienbeispiel: Selbstbeschreibung

In dieser Studie sollten die Probanden Aussagen bewerten. Sie sollten dabei angeben inwiefern diese Aussagen auf sie selbst zutreffen würde. Die 4 individuell zu bewertenden Aussagen waren:

  • Generativität → „Gebraucht werden“
  • Kompetenzgefühl → Selbstbewusst, Realistische Selbsteinschätzung, Zielerreichen
  • Alterungsprozess → Alt aussehen, Gedanken über Tod, Unattraktivität
  • Identitätssicherheit → Selbstkontrolle, Ziele werden erreicht, „Alles Gut“

Mit zunehmendem Alterungsprozess steigt der angegebene Wert in allen 4 Bereichen!

Spezielle Themen des Erwachsenenalters

Midlife Krise

Als Midlife-Krise wird eine Phase um das 40. Lebensjahr bezeichnet. In dieser Phase entsteht eine Krise aufgrund des bewusstwerdens über das Altern und seine Folgen. Dazu zählt ein physischer Abbau, das Bewusstwerden über die Sterblichkeit und die zunehmenden Begrenztheit der Möglichkeiten.

Symptome sind: Stress, Deprimiertheit, Frustration

Oft setzt daher eine Lebensneuorientierung (neuer Beruf, Scheidung, etc.) ein.

Studienbeispiel: Midlife-Krise

Den Probanden wurden Fragen zur Midlife-Krise gestellt. Dem größten Teil der Probanden war die Midlife-Krise als Begriff bekannt. Ca. 1/4 gaben an selbst eine Krise erlebt zu haben. Die Beschreibungen der Midlife-Krise waren jedoch sehr weit. Die Auslösenden Ereignisse scheinen außerdem weitestgehend altersunabhängig zu sein. Es trat zwar eine Lebenskrise gehäuft im 4. Lebensjahrzehnt auf, die Variation reichte jedoch insgesamt von 17 bis 75 Jahren.

Durch die beiden folgenden Gründe ist eine Reduzierung einer „Lebenskrise“ auf einen bestimmten Altersbereich nur schwer haltbar:

  • Steigende durchschnittliche Lebenserwartung
  • Zunehmend diversifizierte Lebensläufe (Späte Elternschaft, Scheidungen, 2./3. Berufskarriere, Flexibilität an der Arbeit, etc.)

Soziale Uhr

Soziale Normen und Erwartungen geben einen gewissen Lebensplan vor (Soziale Uhr). Dabei kann das Individuum dem „Lebensplan“ entsprechen („on-time“) oder nicht entsprechen („off-time“), also zu früh oder zu spät sein. Zu den unpassenden (nicht entsprechenden) Entwicklungen gehören z.B. das Alter in dem man für gewöhnlich ein Kind bekommt. Die Passung des individuellen Lebensverlaufes und der sozialen Erwartungen führt zu einer Stabilisierung der Persönlichkeit (→ Soziale Unterstützung/Verstärkung).

  • Passung → Soziale Unterstützung/Verstärkung → Stabilisierung
  • Keine Passung → Kein Soziale Unterstützung/Verstärkung (evtl. Verhinderung) → Destabiliserung
Studie: Zeitpunkte Entwicklungsaufgaben

Passende Werte sind z.B. (im Mittel):

  • Auszug: ca. 21-22 Jahre
  • Erster Job: ca. 21-23 Jahre
  • Abschluss Ausbildung: ca. 25-26 Jahre
  • Hochzeit: ca. 27-28 Jahre
  • Beruf: ca. 28 Jahre
 
uni-leipzig/psychologie/module/entwicklung/8.txt · Zuletzt geändert: 2012/01/16 18:57 (Externe Bearbeitung)
 
Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht:CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported
Recent changes RSS feed Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki