Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

5. Partnerschaft und Entwicklung I

1. Was versteht man unter einer Entwicklungsaufgabe?
  • Aufgabe zu bestimmtem Zeitpunkt im Leben
  • Erfolgreiche Bewältigung → Zufriedenheit, Erfolg bei späteren Aufgaben
  • Keine erfolgreiche Bewältigung → Unzufriedenheit, Misserfolg bei späteren Aufgaben, Missbilligung der Gesellschaft
2. Welche Entwicklungsaufgaben müssen im jungen Erwachsenenalter bewältigt werden?
  • Havighurst
    • Lebenspartner finden
    • Zusammenleben mit dem Partner lernen
    • Kinder kriegen und aufziehen
    • Zuhause für die Kinder schaffen
    • Gemeinsamer Freundeskreises (zusammen mit Lebenspartner)
    • Berufseinstieg
  • Erikson
    • Intimität vs. Isolation
3. Wie verläuft die Identitätsbildung nach Erikson?
  • Systolischer Pol (Intimität) → Explorieren: Überzeugungen, Werte, Vorlieben, etc.
  • Diastolischer Pol (Isolation) → Grenzen: „Scheitern an der Realität“, sich „verbrauchen“, etc.
4. Nennen Sie je eine Entwicklungsaufgabe für das junge, mittlere und hohe Erwachsenenalter!
  • Junges Erwachsenenalter → Partnerwahl, Partnerschaft etablieren, Familiengründung/Elternschaft
  • Mittleres Erwachsenenalter → Partnerschaft zw. Beruf/Familie, Kinder großziehen
  • Höheres Erwachsenenalter (Alter) → Sozioemotionale Selektivität/Partnerschaft, Umgang mit Alter (Verluste, Tod, Sterben des Partners), Soziale Unterstützung (Pflege)
5. Warum kann eine Partnerschaft einen wichtigen Entwicklungskontext für eine Person darstellen?
  • Unterstützung bei persönlichen Zielen / Entwicklungsaufgaben → z.B. Bildung, Karriere, Freizeit, etc.
  • Partnerschaftskompatible Entwicklungsziele
  • Neue Rollen → z.B. Ehefrau, Vater, Schwiegersohn
  • Quelle von Fürsorge/Bestätigung
6. Stehen die persönliche Entwicklung und die Partnerschaft in einem einseitigen Zusammenhang?
  • Nein → Interaktion
  • Partnerschaft bestimmt persönliche Entwicklung → z.B. neue Rolle als Ehemann (persönliche Reife)
  • Persönliche Entwicklung bestimmt Partnerschaft → Unterschiedliche Wahl von Partnern von emotional stabilen/instabilen Personen (auch andere Gestaltung der Beziehung)
7. Wie wirkt sich eine Partnerschaft auf die Lebenszufriedenheit aus?
  • Ab zwei Jahren vor der Eheschließung nimmt die Lebenszufriedenheit stetig zu, während sie dann jedoch in den zwei Jahren nach der Eheschließung wieder auf das Normalniveau zurückfällt
  • ⇒ Keine langfristigen positiven Effekte einer Eheschließung
8. Ändert sich der Alltag durch eine Partnerschaft?
  • Ja
  • Weniger Zeit alleine
  • Mehr Zeit mit Familie
  • Weniger Zeit mit Freunden
  • Mehr Zeit mit Haushalt
  • Weniger Zeit mit Freizeitaktivitäten
9. Welchen Einfluss hat Verwitwung auf die Lebenszufriedenheit?
  • Einbruch von:
    • Affektives Wohlbefinden
    • Lebenszufriedenheit (fällt tiefer)
  • Beide Werte erholen sich (Lebenszufriedenheit braucht länger)
  • ⇒ Ca. 40 Monate
10. Warum nimmt die Partnerschaftszufriedenheit nach der Hochzeit ab? Hat das Alter einen Einfluss auf den Effekt? Welche Probleme ergeben sich bei der Messung?
  • Verringerung der Partnerschaftszufriedenheit → Vermutlich: Habituelle Befindlichkeit
  • Bei älteren Personen nimmt die Zufriedenheit weniger schnell ab
  • Probleme
    • Positive Selektion → Nur ungetrennte Paare bleiben in Stichprobe
    • Konfundierung → Alter/Beziehungsdauer
    • Abnahme bei Jüngeren evtl. oft wg. Elternschaft
11. Welchen Einfluss hat die Elternschaft auf die Beziehungsqualität? Warum ist das so? Was sagen Eltern in der retrospektiven Bewertung?
  • Sinkt, steigt kurzfristig nicht wieder an
  • Subjetive Gründe (die Eltern nennen)
    • Weniger/konfliktreichere Kommunikation
    • Weniger gemeinsame Aktivitäten
    • Weniger erfüllte Sexualität
    • Weniger Gefühl verstanden zu werden
  • Objektive Gründe (Gesellschaftlichen Rahmenbedingungen)
    • Alleinige Verantwortung für die Kinder
    • Längere Dauer der Verantwortung
    • Höhere Erwartung → Ansprüche der Eltern
    • Kinderlose Gesellschaft → Fehlende Kinderintegration
  • Retrospektiv positiver Einfluss (Elternschaft wird als eine der wichtigsten Erfahrungen/Leistungen beschrieben)
12. Nennen Sie den Unterschied zwischen frühen Phasenmodellen und Prozessmodellen (bzw. dynamischen Modellen)!
  • Frühe Phasenmodelle → Orientierung an Entwicklungsaufgaben, Entwicklungsübergängen
    • Kennenlernen
    • Erstes Zusammenleben
    • Familienplanung
    • Elternschaft
    • Nachelterliche Phase
    • Tod eines Partners
  • Kritik
    • Normative Ewartung an Partnerschaft wird zutreffend beschrieben
    • Partnerschaftsdynamik hängt nur bedingt von normativen Übergängen ab
    • Keine Aussagen über psychologische Mechanismen
  • Prozessmodell der Partnerschaftsentwicklung (Viele Einflüsse in komplexem Zusammenhang)
    • Partnermerkmale → Persönlichkeit, Lebensziele, Bindungsstile, Kompetenzen
    • Kontextfaktoren → Kritische Ereignisse, Soziales Umfeld, Materielle Ressourcen, Bildungschancen
    • Adaptive Ressourcen → Empathie, Attributionsstil, Konfliktmanagement
    • Partnerschaftsqualität
    • Trennungsbarrieren → Kinder, Stigmatisierung bei Scheidung, Moralische Skrupel
    • Partnerschaftsstabilität
    • Attraktivität von Alternativen → Alleinleben, Andere Partner, alternative Lebenspläne
  • Dynamisches Modell Partnerschaftsentwicklung, Interaktion zwischen:
    • Partnerschaftsqualität
    • Partnerschaftsstabilität
13. Wie können Trennungsbarrieren unterteilt werden? Haben sich Trennungsbarrieren im Laufe der Zeit verändert?
  • Unterteiltung
    • Externe Trennungsbarrieren: Materielle/Soziale Kosten
      → Stabile Partnerschaft trotz geringer Beziehungsqualität
    • Interne Trennungsbarrieren: Einstellung/Moralische Werte
      → Stabile Partnerschaft und potentiell hohe Beziehungsqualität
  • Beobachtung
    • Externe Trennungsbarrieren heute gering
    • Scheidungsquoten steigen
  • Folgerung
    • Qualität der Beziehungen sollte heute höher sein
    • Gegenteil ist der Fall: Frühere Partnerschaften waren zufriedener
  • Erklärung
    • Anpassungsprozesse erschwert (Aufwertung des Partners und Abwertung von Alternativen)
    • Alternativen stärker, wenn Partner
    • Weniger Einlassen auf die Beziehung → Befürchtungen über Bindungsstärke des Partners (durch Messen der Beziehung an Alternativen)
14. Was ist die zentrale Annahme bei der Analyse der Partnerwahl? Reicht diese Annahme aus?
  • Partnerwahl biologisch vorgeprägt → Zur Optimierung der Fortpflanzung
  • Studie (Zeitungsannoncen)
    • Frauen → Mehr Angaben über Aussehen, Wünschen öfter Status
    • Männer → Öfter Beschreibung des Status, Wünschen öfter Aussehen
  • Weitere
    • Für kurzfristige Beziehungen geringere Geschlechtsunterschiede
    • Sexuelle Unerfahrenheit in Nordeuropa eher bedeutungslos
    • Materielle Ressourcen steigern die Attraktivität (für beide Partner) → Vermittlung über angenommene Intelligenz/Zielstrebigkeit
  • ⇒ Ergänzung durch psychologische/soziale Bedingungen nötig
15. Welcher Faktor ist aus psychologischer Perspektive für die Partnerwahl entscheidend?
  • Ähnlichkeit/Gemeinsamkeit → „Gleich und gleich gesellt sich gern“
  • Bereiche
    • Soziale Herkunft / Bildung
    • Intelligenz
    • Physische Eigenschaften → Attraktivität, Größe, Gewicht
    • Partnerschaftsbezogene Einstellungen → z.B. Kinder, Sex, etc.
    • ⇒ Nicht aber Persönlichkeitseigenschaften!
  • Gründe
    • Vermeidung von Unähnlichkeit
    • Konkurrenz (auf dem „Partnermarkt“)
    • Erwartete Verträglichkeit/Unterstützung
    • Erwartete Selbstbestätigung
    • (Verfügbarkeit)
16. Werden ausschließlich attraktive Partner bevorzugt?
  • Bevorzugung attraktiver Partner
  • Jedoch abhängig vom Selbstwert
    • Weniger selbstbewusste Personen bevorzugen mittelmäßig attraktive Partner
    • Hoch selbstbewusste Personen bevorzugen hoch attraktive Partner
  • ⇒ Attraktivität wird angestrebt, aber nur in dem Grad, in dem durch eigene Ressourcen ein fairer Austausch angeboten werden kann
17. Welchen Einfluss hat Attraktivitätsähnlichkeit der Partner?
  • Aus Bekanntschaft wird schneller Beziehung
  • Beziehung ist dann stabiler (im Vergleich zu unähnlichen Beziehungen, in denen der Mann attraktiver ist)
 
uni-leipzig/psychologie/module/entwicklung2/fragen/5.txt · Zuletzt geändert: 2013/08/04 14:02 (Externe Bearbeitung)
 
Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht:CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported
Recent changes RSS feed Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki