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4. Kognitive Entwicklung und Schule II

1. Durch welche Institution werden Bildungsstandards in Deutschland festgelegt? Was soll dadurch erreich werden?
  • Kultusministerkonferenz
  • Ziele
    • Höhere Eigenständigkeit der Schule
    • Verbindliche Standards
    • Regelmäßige Evaluation
2. Wie wird die Einhaltung von Bildungsstandards international gemessen? Was sind die Ziele internationaler Vergleichsstudien?
  • Ziele
    • Überprüfbarkeit
    • Qualitätssicherung
  • Tests
    • Mathematik → Trends in Mathematics and Science Study (TIMSS), 4. Jahrgangsstufe (seit 2007)
    • Deutsch → Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU), 4. Jahgangsstufe (seit 2001)
3. Wie wird die Einhaltung von Bildungsstandards bundesweit gemessen? Was sind die Ziele nationaler Vergleichsstudien?
  • Ziele
    • Überprüfbarkeit
    • Grundlage für Unterrichtsgestaltung (Konkretisierung)
  • Tests (Mathe/Deutsch)
    • National → IGLU/PIRLS, 3. Jahrgangsstufe, alle 5 Jahre (seit 2011)
    • Regional → Vergleichsarbeiten (VERA), 3. Jahrgangsstufe, jährlich
4. Warum kann der Leseprozess als ein hocheffizienter Prozess verstanden werden?
  • Schnelle Wortproduktion → 250-300 Wörter/min
  • Kurze Wahrnehmungszeit bekannter Wörter (schneller als zufällige Buchstabenkombinationen)
5. Nennen Sie die Bestandteile/Ebenen des phonologischen Schriftsystems!
  • Bedeutung
  • Laute → Gesprochene Sprache
  • Buchstaben → Geschriebene Sprache
6. Gibt es eine eindeutige Korrespondenz zwischen Lauten und Buchstaben?
  • Nein
  • Ein Laut, mehrere Schriftweisen → f: Film, v: Vogel, ph: Philipp
  • Eine Schriftweise, mehrere Laute → ch: Milch, ch: Loch, ch: Fuchs
7. In Welchen Stufen entwickelt sich das Lesen-Lernen?
  • Stufe 0 (bis Einschulung) → Vorläuferfähigkeiten, z.B. Phonolgisches Bewusstsein (Indentifikation lautlicher Bestandteile)
  • Stufe 1 (1./2. Klasse) → Worterkennung (Buchstaben in Laute übersetzen, Buchstaben verbinden, Wörter buchstabieren)
  • Stufe 2 (2./3. Klasse) → Textverständnis (Flüssiges/Sinngebendes Lesen)
  • Stufe 3 (3./4. Klasse) → Umgehen/Nutzen mit/von Texten (Lesen zum lernen nutzen können)
8. Nennen Sie Vorläuferfähigkeiten (Stufe 0) des Lesen-Lernens!
  • Erwerb von Grundinformationen
    • Lese-Schreib-Richtung (deutsch: von links nach rechts)
    • Wort/Satzgrenzen
    • Zeilenfolge
  • Buchstaben des ABC lernen
    • Korrelation mit späterer Leseleistung
    • Keine kausale Beziehung
    • ⇒ Buchstabentraining erhöht Leseleistung nicht
  • Phonologisches Bewusstsein
    • Korrelation mir späterer Leseleistung
    • Wahrscheinlich kausale Beziehung
    • ⇒ Training erhöht Leseleistung
9. Was ist das phonologische Bewusstsein? Nennen Sie 3 Interventionsprogramme und diskutieren Sie die Wirkung von Interventionsprogrammen!
  • Fähigkeit die lautliche Struktur von Wörtern zu identifizieren
  • Interventionsprogramme
    • Lauschspiel → Aufmerksam zuhören
    • Sätze und Wörter → Sätze bestehen aus Wörtern
    • Reime → Reime erkennen/produzieren („Reimt sich Maus/Haus?“, „Was klingt wie Maus?“)
    • Analyse/Synthese von Silben → Silben trennen/zählen („Wie (oft) klatscht man bei Kindergarten?“)
    • Identifikation von Phonemen → Phoneme dehnen/isolieren („Nnnn-adel!“, „Reise-Eise oder Ohr-Rohr“)
  • Wirkung
    • Wirkt sich bei normal entwickelten Kindern langfristig auf Spracherwerb aus
    • „Risikokinder“ lernen normal lesen und schreiben
    • ⇒ 3-jährige, die Kinderreime kennen, können später besser Lesen und Schreiben
10. Sollten Kinder eher früh das ABC lernen oder eher Reime üben, um die Lese-Fähigkeit später zu steigern?
  • Siehe 9 & 10
11. Definieren Sie die Worterkennung (Stufe 1)! Welche zwei Prozesse sind dort von Bedeutung?
  • Fähigkeit Buchstaben in Laute zu übersetzen und diese zu Wörtern zu verbinden
  • Prozesse
    • Phonologische Rekodierung → Schriftliche/Visuelle Form in phonologische Form, Zugriff von phonologischer Form auf Bedeutung
    • Direkt visuell gestützter Abruf → Schriftlich/Visuelle Form direkt Zugriff auf Bedeutung
12. Wir entwickeln sich die zwei Prozesse der Worterkennung mit dem Alter? Wie kann die Worterkennung trainiert werden?
  • Schon kleine Kinder wählen effizienteste Strategie
  • Zu Beginn bevorzugt phonologische Rekodierung (später Verstärkt direkt)
  • Schwere/Seltene Wörter auch später noch phonologisch
  • Training → Lesen
    • Lesen trainiert direkten Abruf
    • Positive Korrelation zw. Fähigkeit zur Rekodierung und direktem Abruf
      → Wer gut rekodiert, hört schnell damit auf
13. Was beinhaltet das Textverständnis (Stufe 2)?
  • Mentales Modell der Situation
  • Fortlaufende Aktualisierung → Bei neuen Informationen
14. Wie kann ein Zuwachs des Textverständnisses erreicht werden?
  • Grundlegende Fähigkeiten → Je weniger Ressourcen für Erkennung nötig, desto mehr Ressourcen für das Verstehen übrig
  • Strategien → Unterscheidung wichtiger/unwichtiger Textstellen („Was will ich wissen? Wozu lese ich einen Text?“)
  • Metakognition → Verständniskontrolle („Habe ich alles verstanden?“)
  • Inhaltswissen („Gladbacher Fohlen schlagen die roten Teufel“)
  • Selbst lesen
  • Vorgelesen bekommen
15. Warum wirkt Lesen und Vorgelesen-Bekommen positiv auf das Textverständnis?
  • Kinder lernen Geschichtenaufbau
  • Geschichten beinhalten grammatisch komplexe Sätze
  • Spaß am Lesen entwickelt Interesse
  • ⇒ Studie: 2-Jährige 6 Wochen lang täglich vorgelesen → (1) Wortschatz vergrößerte und (2) Sprachgebrauch verbesserte sich
16. Was sollten Kinder, die Texte gut Nutzen und einen guten Umgang mit Texten haben können? Nennen Sie 3 Aspekte!
  • ⇒ Standards nach 4. Jahrgangsstufe
  • Altersangemessene Texte können flüssig/sinngebend gelesen werden
  • Text kann in eigenen Worten wiedergegeben werden (mit Hilfe von Stichwörtern)
  • Unverstandenes wird durch nachfragen/nachschlagen/nachdenken geklärt
  • Fragen bzgl. Text können gestellt werden
  • Text können gezielt Informationen entnommen werden
  • Schlussfolgerungen können gezogen werden
  • Gedanken/Meinungen zum Text werden geäußert/ausgetauscht (mündlich/schriftlich)
  • Textauswahl nach eigenen Interessen (Kennen Autoren, Nutzen Bibliotheken, etc.)
17. Was sind die Vorläuferfähigkeiten des Schreibens?
  • Wörter stehen in einer Reihe
  • Schrift geht von links nach rechts
  • Schrift ist symbolisch (Zeichen haben eine Bedeutung)
18. Zwischen welchen Zielen kann beim Schreiben-Lernen unterschieden werden?
  • Low-Level-Ziele → Ziele auf niedriger Hierarchieebene
    • Buchstaben richtig schreiben
    • Rechtschreibung
    • Groß- und Kleinschreibung
    • Zeichensetzung
  • High-Level-Ziele → Ziele auf höherer Hierarchieebene
    • Aussagen auch ohne Intonation/Gestik verständlich machen
    • Einzelne Punkte zu einem Ganzen ordnen (Kohärente Geschichte erzählen)
    • Nötige Hintergrundinformationen geben
19. Wie kann ein Zuwachs der Schreibkompetenz erfolgen / erklärt werden?
  • Grundlegende Fähigkeiten → Je automatisierter Low-Level-Fertigkeiten, desto mehr Ressourcen für High-Level-Fertigkeiten übrig
  • Strategien → Gliederung der Schreibaufgabe (z.B. Inhaltsverzeichnis)
  • Metakognition → Vorwissen des Lesers beachten (Planung)
  • Inhaltswissen → „Schreibe über das, was du kennst“
20. Welche Fähigkeiten haben Kinder (in der 4. Klasse), wenn sie gut schreiben können? Nennen Sie 3!
  • Wörter des Übergangswortschatzes werden richtig geschrieben
  • Eigene Texte werden überwiegend richtig geschrieben
  • Satzbezogene Regeln werden beachtet (Nutzung von Rechtsschreibstrategien, Arbeitstechniken, Rechtschreibehilfen)
  • Texte werden anhand vereinbarter Kriterien bewertet (Texte lesbar, situations- und adressatengerecht)
  • Verwenden Computer zum Schreiben/Textgestaltung
  • Nutzen Planungsschritte
  • Nutzen Schreibanlässe (haben Schreibvorlieben, machen Themenvorschläge zum Schreiben)
21. In welchen Schritten erfolgt das Rechnen-Lernen
  • 6 Monate → Diskriminierung kleiner Mengen
  • 1 Jahr → Analoges, Approximatives Größenrepräsentationssystem
  • 4 Jahre → Frühe Rechenstrategien
  • Verstehen mathematischer Begriffe
22. In welchem Alter können kleine Mengen bereits diskriminiert werden? Was versteht man unter kleinen Mengen? Und wie kann das untersucht werden?
  • Ab 6 Monaten
  • Mengen kleiner 4
  • Habituationsstudien
23. Was versteht man unter dem analogen approximativen Größenrepräsentationssystem? Wann entwickelt es sich?
  • Im 1. Jahr
  • Unterscheidung größere Mengenunterschiede
  • Unterschiede müssen deutlich sein (z.B. 8 vs. 16, aber nicht 8 vs. 12)
24. Wie und ab welchem Alter äußern sich frühe Rechenstrategien?
  • Ab 4 Jahren
  • Hochzählen ab 1 mit den Fingern
  • Pro Objekt wird ein Finger verwendet (1:1 Verhältnis)
  • Lösungen von häufigen Aufgaben werden auswendig gelernt
25. Welche komplexeren Rechnungen können ab der 1. Klasse vorgenommen werden?
  • Zählen vom größeren Summanden aus → tex:9+3 \to 9, 10, 11, 12 \Rightarrow 12
  • Zerlegung → tex:3+9 \to 3+10=13 \to 13-1=12
  • Multiplikation in Addition umwandeln → tex:3 \cdot 4 \to 4+4+4 = 12
26. Was versteht man unter mathematischer Gleichheit? Welches Problem gibt es dabei und wie sollte diesbezüglich unterrichtet werden? Wie kann man das Verständnis testen?
  • Prinzipiell: Verstehen mathematischer Begriffe
  • Werte auf beiden Seiten des Gleichheitszeichens müssen im Ergebnis gleich sein
  • Auswendiglernen von Lösungen/Verfahren führt zu Schwierigkeiten bei Variation
  • Kinder verstehen “=“ zum Zusammenzählen von Zahlen vor dem Zeichen
  • ⇒ Unterricht sollte Kindern v.a. Grundbegriffe verständlich machen
  • ⇒ Möglicher Test: Typisches Verfahren wird auf Aufgabe ausgedehnt, in der es nicht anwendbar ist
 
uni-leipzig/psychologie/module/entwicklung2/fragen/4.txt · Zuletzt geändert: 2013/08/04 14:00 (Externe Bearbeitung)
 
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