Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

3. Kognitive Entwicklung und Schule I

1. was war der Ausgangspunkt für Intelligenztests? Wie haben sie sich entwickelt?
  • „Identifikation schwacher Schüler“
  • Intelligenz auf Basis einfacher Fähigkeiten → Geringe Validität
  • Intelligenz auf Basis höherer, komplexer Fähigkeiten → Höhere Validität (Alfred Binet)
2. Nennen Sie eine Intelligenzdefinition und erläutern sie diese! Gibt es ein integratives Modell?
  • Allgemeine Intelligenz (Spearman)
    • Leistung in kognitiven Bereichen korreliert positiv
    • Allgemeine Intelligenz ist mit allen geistigen Aufgaben gemeinsam
    • Beeinflusst Denk- und Lernfähigkeit
  • Intelligenz grundlegender Fähigkeiten (Thurstone)
    • Wortflüssigkeit
    • Sprachverständnis
    • Schlussfolgerndes Denken
    • Räumliches Vorstellungsvermögen
    • Rechenfertigkeit
    • Merkfähigkeit
    • Wahrnehmungsgeschwindigkeit
  • Zwei-Komponenten Modell
    • Kognitive Pragmatik → Erworbene Fertigkeiten/Wissensbestände (inhaltsreich, kulturell determiniert, erfahrungsabhängig)
    • Kognitive Mechanik → Basale Informationsverarbeitung (inhaltsarm, biologisch determiniert, universell)
  • Integrativer Ansatz → Hierarchisches Modell
    • Allgemeine Intelligenz liegt sowohl Pragmatik, als auch der Mechanik zugrunde
    • Diese wiederum bilden sich aus grundlegenden Fähigkeiten
    • Pragmatik → Wortschatz, Wortflüssigkeit, Sprachverstehen
    • Mechanik → Induktives Denken, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Räumliches Vorstellungsvermögen
3. Nenne Sie einen Intelligenztest für Kinder und erläutern Sie diesen kurz!
  • HAWIK (Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Kinder)
  • 6-16 Jahre
  • Eher kognitive Mechanik
  • Verbalteil (z.B. Allgemeines Wissen, Wortschatz) & Handlungsteil (z.B. Bildordnen, Firgurenlegen)
  • Stanford-Binet-Test
  • 2 Jahre
  • (1) Objekterkennung, (2) Lernen und Gedächtnis, (3) Wahrnehmungsfähigkeit und motorische Koordination
4. Was versteht man unter einem Intelligenzquotienten? Bleibt der IQ stabil?
  • Zusammenfassendes Maß, mit dem die Intelligenz eines Kindes relativ zu anderen Kindern gleichen Alters angegeben wird
  • Positionsstabilität sehr hoch (im Vergleich zu Referenzgruppe bleibt IQ auf gleicher Position)
5. Was versteht man unter Schulleistung?
  • Auf Lehrplänen basierendes deklaratives/prozedurales Wissen in verschiedenen Domänen
  • Erwerb ist gebunden an Lerngelegenheiten im jeweiligen Fachunterricht
6. Nennen Sie die 4 Kernbereiche schulischer Bildung (Schulleistung)!
  • Muttersprache
  • Mathematik
  • Naturwissenschaften
  • Englisch (bzw. erste Fremdsprachen)
7. Nennen Sie die Determinanten der Schulleistung!
  • Schulische Lernangebote
  • Elterliche Erziehungsbemühungen
  • Internale Ressourcen des Kindes → z.B. Intelligenz, Fähigkeitenselbstkonzept, Interessen
8. Wie kann Schulleistung gemessen werden? Erklären Sie anhand eines Beispiels!
  • TIMS-Studie (Third International Mathematics and Science Study)
  • Testung am Ende der Pflichtschulzeit (Gymnasien am Ender der Oberstufe, Auszubildende im letzten Jahr der Erstausbildung)
  • Inhalte aus Sekundarstufe 1
  • Mathematische Kenntnisse und Alltagsprobleme
9. Kann Intelligenz als Prädiktor für die Schulleistung herangezogen werden?
  • Korrelation eher mittelmäßig (.50)
  • Erhebliche Schwankungen
10. Welche Fähigkeiten haben intelligentere Schüler? Warum können Sie evtl. leichter lernen?
  • Schnelleres Einstellen auf neue Aufgaben
  • Effiziente Problemlösestrategien
  • Erkennen leichter lösungsrelevanter Regeln
  • Größere Verarbeitungskapazität und elaborierte Gedächtnisstrategien
11. Gibt es einen Einfluss von Intelligenz auf das Einkommen?
  • Ja
  • Bei gleichem Ausbildungsniveau verdienen diejenigen mehr, die einen höheren IQ haben
  • Bei gleichem IQ verdienen diejenigen mehr, die ein höheres Ausbildungsniveau haben
12. Gibt es außer der Intelligenz weitere mögliche Prädiktoren? Nennen und beschreiben Sie einen weiteren!
  • Fähigkeitenkonzept und Interessen
  • Skill-development approach → Schulleistung beeinflusst Selbstkonzept/Interessen
  • Self-enhancement approach → Selbstkonzept/Interessen beeinflusst Schulleistung
13. Welche Aspekte beziehen alternative Intelligenzmodelle mit ein?
  • „die Fähigkeit eines Individuums, in seinem soziokulturellen Kontext gemäß seiner persönlichen Ziele im Leben erfolgreich zu sein.“
  • Breites Spektrum an Fähigkeiten (nicht nur akademisch)
  • Vorhersage von Lebenserfolg (nicht Schulerfolg) → Anpassung des Individuums an seine Umwelt
  • Schwerpunkt liegt auf:
    • Optimierung → Stärken ausbauen und nutzen
    • Kompensation → Schwächen ausgleichen
    • Selektion → Passende Umgebung suchen
  • ⇒ Beispiel Drei-Komponenten-Modell (siehe nächste Frage)
14. Welche Faktoren beschreibt das Drei-Komponenten-Modell? Welche Ergebnisse gibt es dazu?
  • Analytische Fähigkeiten → Traditionelle Intelligenz
  • Praktische Fähigkeiten → Lösen von Alltagsproblemen
  • Kreative Intelligenz → Effektives, logisches Denken in neuen Situationen
  • Kinder mit hoher analytischer Intelligenz eher aus Familien mit hohem sozioökonomischen Status
  • Kinder mit hoher praktischer/kreativer Intelligenz eher aus Familien mit heterogenem sozioökonomischen Status
  • Bei Kindern aus Familien mit geringerem sozioökonomischem Status ist praktische Intelligenz besserer Prädiktor für Schulleistung (als analytische Intelligenz)
  • ⇒ Nicht nur analytische, sondern auch praktische und kreative Intelligenz sagen Schulleistung vorher
15. Welche pädagogischen Ziele leiten sich aus den alternativen Intelligenzmodellen ab?
  • Entsprechung: Intelligenzprofil des Schülers (besser als konventionelle Lehrform)
  • Individueller Unterricht in Abhängigkeit von Schülerfähigkeit
16. Welche Einflussfaktoren auf die Intelligenz kennen Sie?
  • Genetische Komponente
  • Familiäres Umfeld
  • Charakteristika der Schule
17. Wie kann der genetische Beitrag zur Intelligenz verstanden werden?
  • Die IQ-Variation geht zu 50% auf genetische Variation zurück
  • Nicht: 50% der Intelligenzausprägung eines Individuums ist genetisch bedingt
  • Gelten nur für Populationen, nicht für Individuen
  • Sind variabel (bzgl. Alter), gelten nur für bestimmte Gruppe, zu bestimmte Zeitpunkt, in bestimmter Umgebung
18. Ändert sich der Erblichkeitskoeffizient mit dem Alter? Wie kann das erklärt werden?
  • Korrelationen zwischen eineiigen Zwillingen bleiben gleich hoch, zwischen Zweiigen nimmt diese ab
  • Korrelation zwischen Adoptivkindern und nicht-biologischen-Eltern verringert sich, zwischen Adoptivkindern und biologischen Eltern wird sie höher
  • ⇒ Umwelteinflüsse haben frühe Effekte, bleiben aber nicht erhalten (genetische Faktoren manifestieren sich)
  • Passive Wirkung des Genotyps
  • Evozierende Wirkung des Genotyps
  • Aktive Wirkung des Genotyps
19. Welche Möglichkeit gibt es das familiäre Umfeld zu erfassen?
  • HOME (Home Observation for Measurement of Environment)
20. Wie wirkt sich die genetische Ausstattung der Eltern auf die Kinder aus?
  • Direkt auf:
    • Häusliche intellektuelle Umwelt
    • Kindliche Intelligenz
  • Wechselwirkung zwischen den beiden
21. Nennen Sie drei Risikofaktoren aus dem familiären Umfeld!
  • Negative Mutter-Kind-Interaktion → Abweisend, Uninteressiert
  • Dogmatische elterliche Überzeugungen
  • Hohe Ängstlichkeit der Mutter
  • Eingeschränkte psychische Gesundheit der Mutter
  • Niedriger Bildungsstand der Mutter
  • Vater/Stiefvater abwesend
  • Große Familie → Mehr als 4 Kinder
  • Arbeitslos, Einfacher Beruf
  • Minoritätenstatus
  • Stressreiche Lebensereignisse
22. Wie verhalten sich Risikofaktoren und IQ im Längsschnitt?
  • Ein hoher IQ zum frühen Zeitpunkt wirkt dem Risiko zum späteren Zeitpunkt entgegen
  • Ein hohes Risiko zum frühen Zeitpunkt wirkt sich negativ auf den IQ zum späteren Zeitpunkt aus
  • IQ von 115 → Keine Risiken vorhanden
  • IQ von 85 → Mind. 6 Risiken vorhanden
23. Welchen Einfluss hat Schulsozialisation auf die Intelligenz?
  • Positiver Zusammenhang: Dauer des Schulbesuchs mit Intelligenz
  • Wechselwirkung von Schulleistung in Mathematik und Intelligenz
    → Einfluss der Intelligenz nimmt mit dem Alter ab, Einfluss des Vorwissens nimmt zu
  • Gleiche (1) soziale Herkunft und (2) Intelligenzniveau: Intelligenz bei Gymnasiasten am Ender der 10. Klasse um 11 Punkte höher
24. Beurteilen Sie die frühe Differenzierung von Schülern in unterschiedliche Schulformen!
  • Fördert leistungsstarke Kinder → Bessere Leistung bei Kindern die schon nach der 4. Klasse (statt 6.) in das Gymnasium selektiert wurden
  • Benachteiligt schwächere Schüler
  • Mangelnde Durchlässigkeit → z.B. für „Spätentwickler“
 
uni-leipzig/psychologie/module/entwicklung2/fragen/3.txt · Zuletzt geändert: 2013/08/04 13:58 von carlo
 
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