Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

2. Bullying und Gewalt in der Schule

1. Wie kann Bullying definiert werden und wie grenzt es sich von Mobbing und Aggression ab?
  • Negative Handlung / Schaden → (1) Wiederholt, (2) Längerer Zeitraum
  • Mobbing → Erwachsene im Arbeitskontext
  • Aggression → Notwendige Komponente des Bullying, Nicht in allen aggressiven Situationen Bullying
    • Nicht bei: Kurzfristiger Konflikt, Unsystematische Aggression, Spezifischer Konflikt zwischen Gleichstarken
2. In welchen Situationen tritt Bullying vor allem auf?
  • Kollektiver Prozess → Bullies stärken ihre Macht in Gruppe
  • Gefügten Gruppen, innerhalb fest strukturierter Systeme
  • Entkommen erschwert/unmöglich
3. Welche Formen des Bullying können unterschieden werden?
  • Physisch → Körperliche Übergriffe (z.B. Schubsen, Treten, Schlagen)
  • Verbal → Verletzende Worte (z.B. Hänseln, Spotten, Beleidigen, Beschimpfen)
  • Relational(1) Direkt (z.B. Ausschluss aus Spielsituation), (2) Indirekt (z.B. „Lästern“ bei anderen)
  • Neu: Cyberbullying → Moderne Kommunikationsmittel (z.B. Handy, E-Mail, Website, Communities, etc.)
4. Welches sind die Besonderheiten beim Cyberbullying?
  • Bullying an jedem Ort
  • Zugang zu breiter Öffentlichkeit
  • Lässt sich oft nur schwer beheben/entfernen
5. Gibt es Geschlechtsunterschiede bzgl. den Formen des Bullying?
  • Direkte Gewalt (Physisch/Verbal) → Jungen häufiger
  • Indirekte Gewalt (Relational) → Mädchen häufiger
6. Nennen und beschreiben Sie die Grundzüge des Bullying!
  • Erniedrigung
    • Abwertung/Isolation/Stigmatisierung
    • Annahme der Opferrolle (Selbst-/Fremdwahrnehmung)
    • Negatives Selbstkonzept → Teufelskreis
  • Hilflosigkeit/Kontrollverlust
    • Wissen über ständige Bedrohung → Art/Zeitpunkt unbekannt
    • Chronische Stressituation → tlws. gesundheitliche Folgen (z.B. Depression, körperliche Folgen)
  • Passivität
    • Opfer → Scham, Angst vor Eskalation, Vergeltung, Rache
    • Mitschüler, Lehrer, Eltern → Schweigen, Bagatellisierung, Überforderung
  • Dominanz/Spaß
    • Machtdemonstration, Statusgewinn, Spaß auf Kosten des Opfers
    • Keine Bestrafung, Erfolgserlebnis
7. Was ist von einer Opferpersönlichkeit zu halten?
  • Keine Opferpersönlichkeit
  • Opfer bekommt Rolle zugeteilt → Kontext!
8. Zu was kann Bullying beim Opfer führen? Nennen Sie 3 negative Folgen/Warnzeichen!
  • Niedriges Selbstwertgefühl
  • Zurückgezogenheit → Anzeichen sozialer Ängstlichkeit
  • Depressivität
  • Leistungsabfall → Unlust in die Schule zu gehen
  • Körperliche Symptome → z.B. Kopfschmerzen, Bauchweh
  • Stresssymptome → z.B. Schlafstörungen, Einnässen, Nägelkauen
  • Verletzungen → z.B. Prellungen, Schnitte, Schürfwunden
  • Verlust von Gegenständen → z.B. Schulsachen, Kleidung
  • Soziale Isolation → Keine Einladungen, keine Kontakte
9. Welche Rollen gibt es beim Bullying?
  • Täter (Bullies) → Aktiv, Initiativ, Führungsorientiert
  • Helfer (Assistants) → Aktiv (z.B. festhalten), Nachahmer
  • Anstachler (Reinforcers) → Anstacheln der Täter (z.B. klatschen, jubeln, etc.)
  • Außenstehende (Outsider) → Neutral (z.B. „nichts tun“, „sich raushalten“, „sich zurückziehen“)
  • Verteidiger (Defenders) → Opfer unterstützen, trösten
  • Opfer (Victim)
10. Gibt es bzgl. den Rollen Geschlechtsunterschiede?
  • Jungen öfter → Täter, Assistenten, Anstachler
  • Mädchen öfter → Verteidiger, Außenstehende
  • Kein Unterschied → Opferrolle
11. Welche Befunde kennen Sie zur Rollenstabilität und zur Prävalenz der Rollen?
  • Grundschule
    • Opferrolle geringe Stabilität
    • Täterrolle etwas höhere Stabilität
    • Prävalenz für Opfer sehr hoch
  • Weiterführende Schulen
    • Hohe Stabilität von Opfer und Täter (auch längerfristig)
    • Prävalenz relativ gering
12. Welche möglichen Gründe für die sinkende Prävalenz mit zunehmendem Alter kennen Sie?
  • Immer weniger ältere Schüler, die stärker/mächtiger sind
  • Kinder lernen soziale Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen
  • Spezifischere Wahl der Opfer mit höherer Konsistenz gegen bestimmtes Opfer
13. Welche möglichen Gründe für die geringe Rollenstabilität in der Grundschule kennen Sie?
  • Explorative statt systematische Herangehensweise → Verschiedene Opfer
  • Überzeugung symmetrischer Beziehungen → Viele Opfer/Täter
  • Kognitiv werden eher Dyaden, weniger komplexe Netzwerke repräsentiert
  • Später Aufbau hierarchischer Strukturen („Niedriger Status“ wird erst später sichtbar)
14. Wie kann Bullying erfasst werden?
  • Selbstbericht → Bully/Victim Questionnaire (BVQ)
  • Mitschülerbericht → Participant Role Questionaires (PRQ)
  • Lehrerbericht
15. Beschreiben Sie den Teufelskreis des Bullying!
  • Risikofaktoren können Bullying begünstigen → Schülereigenschaften, Sozialisation/Familie
  • 1. Verhalten zu Beginn
    • Opfer → Ängstlich/Verunsichert
    • Mitschüler → Ängstlich/Fasziniert
    • Lehrer → Unentschlossen/Uneinig
    • Eltern → Unwissend/Hilflos
  • 2. Verhalten im Verlauf
    • Opfer → Passiv/Zurückgezogen
    • Mitschüler → Voyeure/Mitläufer (passiv)
    • Lehrer → Inkonsistent/Kein Handeln
    • Eltern → Reaktion nicht möglich
  • 3. Erlernte Verhaltensmuster
    • Verstärkung
    • Duldung
    • Modelllernen
  • → Führt erneut zu Bullying
16. Welche zwei konkurrierende Modelle zur Erklärung der Entwicklung von Bullies gibt es? In welcher Annahme unterscheiden sich die Modell entscheidend?
  • Modell sozialer Informationsverarbeitung
    • 1. Informationsaufnahme
    • 2. Informationsinterpretation
    • 3. Exploration von Handlungsmöglichkeiten → „Welche kenne ich / habe ich jetzt“
    • 4. Bewertung von Handlungsmöglichkeiten → „Welche davon sind sinnvoll / führen zum Erfolg“
    • 5. Handlungsausführung ⇒ Erneute Informationsaufnahme
    • ⇒ Bully durch (1) fehlerhaften Verarbeitung sozialer Informationen, (2) eine/mehrere Stufen der sozialen Informationsverarbeitung sind gestört
    • ⇒ Soziale Außenseiter, mangelnde soziale Einsicht
  • Modell der Perspektivenübernahme (Theory of Mind)
    • ToM → Vorhersagen/Erklärung des Verhaltens anderer mittels Übernahme des mentalen Zustands
    • Enthalten → Gedanken, Wünsche, Überzeugungen, Gefühle
    • ⇒ Bully benötigt erhöhte ToM → (1) intentional geplante Manipulation, (2) Täuschung anderer
    • ⇒ Bullies sozial Intelligent (v.a. bzgl. Perspektivenübernahme)
  • Unterschied: Soziale Kompetenz
  • Studie → Bullies haben erhöhte Fähigkeiten in Perspektivenübernahme
17. Gibt es einen Unterschied zwischen Perspektivenübernahme und sozialer Kompetenz?
  • Ja
  • Empathie → Perspektivenübernahme + Gefühlskongruenz/Mitgefühl
  • Soziale Kompetenz → Wissen, fühlen, handeln
18. Welche Interventionsebenen kenne Sie?
  • Opferperspektive → Unterstützung und Stärkung (z.B. Gewaltmeldung unterstützen, Patenschaften)
  • Täterperspektive → Konsequente Sanktionierung, Leistungsförderung (z.B. Alternative Bewertungs-/Verhaltensweisen)
  • Eltern-/Lehrerperspektive → Information, Einflussmöglichkeiten einüben
  • Schul-/Klassenperspektive → Kompetenzförderung, Schul-/Klassenklima, Normen aufstellen
  • ⇒ Höchste Effektivität → Mehrebenenkonzepte
19. Welche Interventionsmaßnahmen kennen Sie?
  • Klare/Konsistente Sanktionen (essentiell)
  • Stärkung der Opfer
  • Entwicklung von Normen/Empathie (besonders in Grundschule)
  • Kontext verändern
  • ⇒ Individuenzentrierte Ansätze ohne Änderung des Kontext ohne Wirkung
20. Wie kann Prävention gestaltet werden? Was müsste sich maßgeblich ändern?
  • Gewaltlose Schulkultur
  • Professionelle Personalentwicklung → Prävention als integraler Bestandteil (nicht als Zusatzaufgabe)
  • Lehrerausbildung → (1) Schülerbezogenes, (2) sorgendes, (3) aufmerksam beobachtendes, (3) kompetent intervenierendes Modellverhalten
  • ⇒ Lehrer sollten Funktion als Modell als substantiellen Teil ihrer Aufgabe sehen (entsprechende Ausbildung!)
  • ⇒ Psychologen/Pädagogen sollten eine gruppenzentrierte Perspektive wählen (keine individuenzentrierte)
 
uni-leipzig/psychologie/module/entwicklung2/fragen/2.txt · Zuletzt geändert: 2013/08/04 13:56 von carlo
 
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