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6. Partnerschaft und Entwicklung II

6.1. Persönlichkeit und Partnerschaftsqualität

Prädiktoren der Partnerschaftsqualität
  • Persönlichkeitseigenschaften
  • Bindungsstile
  • Konfliktmanagement
  • Empathie/Persönlichkeitseinschätzung
  • Attributionsstil
  • Gleichheit und Fairness
  • Partnerschaftsmodelle
  • Interne/Externe Trennungsbarrieren

Persönlichkeitseigenschaftsmodell

Definition Persönlichkeitseigenschaft

  • Hypothetisches Konstrukt → Abstraktion konkreter Verhaltensweisen/Gewohnheiten
  • Relativ überdauerndes Muster (quantitativ messbar) → Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen
  • Viele Situationen / Über längeren Zeitraum hinweg
  • Konzipiert als stabil/situationsübergreifend

Induktives Vorgehen

Zur Identifikation von Persönlichkeitseigenschaften wird ein induktives Verfahren eingesetzt.

  • Möglichst große Stichprobe von Verhaltens-/Erlebensweisen
  • Möglichst große Stichprobe von Personen
  • Faktorenanalyse als statistisches Verfahren

Hierarchische Struktur

Die Persönlichkeitseigenschaften werden hierarchisch sortiert:

  • Eigenschaft → z.B. Gewissenhaftigkeit
  • Facette → z.B. Ordnungsliebend, Leistungsorientiert, Besonnen
  • Verhaltens-/Erlebensweisen in konkreten Situationen → Je Facette viele Einzelsituationen

Big Five

Die Big Five bestehen aus 5 zentralen Persönlichkeitseigenschaften, die jeweils in weitere Facetten untergliedert werden können:

  • Extraversion → Warmherzigkeit, Großzügigkeit, Dominanz, Aktivität, Suche nach Stimulierung, Positive Emotionen
  • Neurotizismus → Ängstlichkeit, Verletzlichkeit, Deprimiert, Hohe Selbstaufmerksamkeit, Ärger/Feinseligkeit, Impulsivität
  • Offenheit → Phantasiewelt, Kunst/Ästhetik, Gefühle, Unternehmungen, Ideen, Werte
  • Verträglichkeit → Vertrauen, Altruismus, Freimütigkeit, Treue, Bescheidenheit, Mitgefül
  • Gewissenhaftigkeit → Kompetenz, Ordnungsliebe, Pflichtbewusstsein, Leistungsorientierung, Disziplin, Besonnenheit

Stabilität

Die Stabilität von Eigenschaften kann in zwei unterschiedliche Stabilitäten eingeteilt werden:

  • Positionsstabilität → Stabilität interindividueller Unterschiede
  • Niveaustabilität → Stabilität des Mittelswerts (Absolute Stabilität)

Studie Niveaustabilität

In einer Studie wurden querschnittliche Daten von Personen aus unterschiedlichen Ländern erhoben. Die Personen wurden in unterschiedliche Altersstufen eingeteilt. Dabei ergaben sich Alterseffekte bzgl. der Big Five:

  • Extraversion → -.21
  • Offenheit → -.08
  • Neurotizismus → -.17
  • Verträglichkeit → .09
  • Gewissenhaftigkeit → .23

⇒ Spiegeln die Wirksamkeit kulturübergreifender Entwicklungsaufgaben wieder (im Erwachsenenalter: Partnerschaft, Beruf)

Studie Positionsstabilität

Untersucht wurde in einer Meta-Analyse (mit 152 Längsschnittstudien) die Positionsstabilität über 7 Jahre hinweg.

  • Extraversion → .55
  • Offenheit → .52
  • Neurotizismus → .49
  • Verträglichkeit → .46
  • Gewissenhaftigkeit → .51

⇒ Die Positionsstabilität nimmt mit dem Alter zu (Je Älter, desto stabiler)

Partnerschaft als Ressource

Studie 1

In einer vierjährigen Längsschnittstudie wurde der Einfluss des Beziehungsstatus auf Persönlichkeitseigenschaften untersucht.

Beziehungsstatus
  • Bleibende Singles
  • Werdende Partner
  • Bleibende Partner
  • Werdende Singles
Persönlichkeitseigenschaften

Veränderten sich nicht:

  • Extraversion
  • Freundlichkeit

Veränderten sich:

  • Neurotizismus → In Beziehung weniger
  • Gewissenhaftigkeit → In Beziehung mehr
  • Schüchternheit/Selbstbewusstsein → In Beziehung weniger

⇒ Neurotizismus/Gewissenhaftigkeit erhöht sich zwar auch mit dem Alter, war jedoch bei Personen in Partnerschaften besonders ausgeprägt

Studie 2

Erfasst wurden Persönlichkeitseigenschaften:

  • Negative Affektivität → Aggression, Stress, Entfremdung
  • Positive Affektivität → Leistungsmotivation, Soziale Nähe/Engagement
  • Besonnenheit → Kontrolle, Schadensvermeidung, Traditionalismus

Außerdem wurde die Partnerschaftsqualität erfasst:

  • Gemeinsame Aktivitäten/Interessen
  • Ausgewogenes Kräfteverhältnis
  • Respekt/Fairness
  • Intimität/Vertrauen
  • Offene Kommunikation
Ergebnisse
  • Gute Beziehung mit 21 → Geringerer negativer Affekt
  • Zunahme der Beziehungsqualität bis 26 → Sinkender negativer Affekt, Erhöhter positiver Affekt, Erhöhte Besonnenheit

⇒ Wenn der gleiche Partner bleibt treten die Effekte verstärkt auf

Außerdem wurden bei den Personen mit 18 Jahren die Zusammenhänge zwischen Beziehungsqualität und den Persönlichkeitseigenschaften erfasst:

  • Negativer Affekt → -.15
  • Positiver Affekt → .10
  • Besonnenheit → .11

⇒ Unabhängig ob gleicher oder neuer Partner

Prädiktoren der Partnerschaftsqualität

In einer Studie mit 360 Paaren wurden die Zusammenhänge zwischen den Persönlichkeiten und den Zufriedenheiten der Partner erfasst.

Ergebnisse

Für negative Affektivität (NA) ergaben sich folgende Zusammenhänge:

  • Zusammenhang zw. NA der Partner → .09
  • NA des Mannes auf Zufriedenheit des Mannes → -.30
  • NA des Mannes auf Zufriedenheit der Frau → -.14
  • NA der Frau auf Zufriedenheit der Frau → -.36
  • NA der Frau auf Zufriedenheit des Mannes → -.14

Noch offen

Offen ist die Frage wie Persönlichkeitseffekte auf die Partnerschaftszufriedenheit erklärt werden können!

⇒ Prozessmodell der Partnerschaftsentwicklung

6.2. Konfliktmanagement und Partnerschaftsqualität

Balancetheorie

In der Balancetheorie für die Beziehungsstabilität, wird als wichtigste Determinante das Quantitative Verhältnis positiver/negativer Verhaltensweisen verstanden.

  • Stabile Partnerschaften → 5:1
  • Instabile Partnerschaften → Angleichend

5 Paartypen

Stabil

Stabile Paare zeichnen sich durch eine (1) regulierte Interaktion mit (2) gegenseitigem Respekt aus. Man ist dem (3) Partner positiv zugewandt.

  • Validators (wertschätzende Partnerschaft) → Überzeugungsversuche in Argumentationsphase, Offenheit für Vorschläge/Angebote des Anderen, Moderate Affektivität
  • Volatiles (impulsive Partnerschaft) → Hohes Engagement in allen Phasen der Auseinandersetzung (viele Überzeugungsversuche), Relativ hohe Affektivität (negativ und positiv)
  • Avoiders (vermeidende Partnerschaft) → Insgesamt kaum Überzeugungsversuche, Unterschiedliche Standpunkte akzeptiert, Relativ geringe Affektivität
Instabil

Instabile Paare zeichnen sich durch eine (1) abwärts gerichtete Interaktionsspirale aus, die zu (2) Eskalation und Ausstieg führt.

  • Hostile (feindselige engagierte Partnerschaft) → Negative Interaktion (Wechsel zw. Feinseligkeit & Engagement)
  • Hostile/detaced (feindselig distanzierte Partnerschaft) → Negativer Interaktion (Wechsel zw. Feindseligkeit & Distanziertheit/Vernachlässigung)

Kaskadenmodell

Das Kaskadenmodell von Gottman beschreibt wie aus einer schwierigen Beziehungssituation eine Trennung entsteht.

  • Kritik → Vorwürfe, Nörgeln, sich Beklagen
  • Verachtung → Herabwürdigung des Partners
  • Defensivität → Grundsätzliche Abwehrhaltung, Verteidigung
  • Mauern → Rückzug, Ignorieren, Abwendung vom Partner

⇒ In letzter Konsequenz folgt die Trennung

Altersunterschiede im Konfliktverhalten

Studie 1

In einer Studie wurden zwei Alterseffekte untersucht:

  • Altersunterschiede zw. mittelalten und älteren Paaren
  • Altersunterschiede zw. glücklichen und unglücklichen Paaren

Die mittelalten Paare waren mind. 15 Jahre verheiratet, die älteren Paare mind. 35 Jahre. In beiden Gruppen gab es 50% glückliche und 50% unglückliche Paare. Die Interaktion der Paare wurde anhand einer Diskussion eines Problembereiches beobachtet. Das Sprecher- und Zuhörerverhalten wurde standardisiert erfasst.

Kodierung des emotionalen Verhaltens

Sprecher:

  • Positiv → Interesse, Zuneigung, Humor, Anerkennung, Freude
  • Negativ → Kritik, Ärger, Verachtung, Streitlust, Defensivität, Anspannung, Traurigkeit
  • Neutral

Zuhörer:

  • Positiv
  • Negativ
  • Neutral
  • Desinteressiert
Ergebnisse
  • Emotionale Interaktion nimmt mit dem Alter ab
  • Kritik, Ärger und Streitlust nimmt mit dem Alter ab
  • Zuneigung im Konflikt nimmt mit dem Alter zu

Studie 2

In einer anderen Studie gab es 3 aufgezeichnete Gespräche, in denen sich 2 Personen über eine 3. Person abfällig äußern. Diese Gespräche wurden von Personen aus zwei Altersgruppen (24 J. Und 71 J.) angehört. Diese sollten sich in die 3. Person hineinversetzen.

Ergebnisse

Gedankliche Auseinandersetzung

  • Positive Interpretation eher von Älteren
  • Negative Interpretation eher von Jüngeren
  • Wunsch nach Information eher von Jüngeren

Subjektive Gefühle

  • Ärger von Älteren weniger erlebt
  • Traurigkeit von alt/jung gleich stark erlebt

Studie 3

Erfasst wurden 4 Variablen im Zusammenhang mit Ehekonflikten. Dabei wurde gezeigt, dass sich die 4 Variablen im Zusammenhang mit Alter wie folgt verhielten:

  • Konflikthäufigkeit → -.10
  • Konfliktschwere → -.19*
  • Wunsch nach Erkenntnisgewinn → -.16*
  • Konfliktvermeidung → -.17*

Fazit

  • Ältere vermeiden Konflikte eher
  • Ältere führen (unvermeidbare) Konflikte weniger aktiv/offen
  • Ältere erleben (unvermeidbare) Konflikte mit weniger negativen Emotionen
  • Stimmen mit Ergebnissen der Sozioemotionalen Selektivitätstheorie überein (emotionale Gewinne im Alter)
  • Evidenz für kognitive Verluste im Alter → Komplexität des Wissens über Konflikte

Dynamische Integrationstheorie

Affekt-Optimierung

Affekt-Optimierung bezeichnet die (1) Maximierung positiven Affekts und die (2) Minimierung negativen Affekts.

⇒ Positives Selbstbild bewahren (vermeiden negativer, suchen positiver Reize)

Affekt-Komplexität

Affekt-Komplexität bezeichnet die Integration/Koordination von positivem/negativem Affekt in flexible/differenzierte Strukturen.

⇒ Komplexes/Integriertes Verständnis des emotionalen Lebens des Selbst und Anderer

  • Emotional-kognitive Schemata werden von einfachen zu immer komplexeren Strukturen aufgebaut (Anpassung an Umwelt)
  • Komplexere emotional-kognitive Repräsentationen beinhalten bzgl. affektiver Informationen mehr (1) Intention, (2) Kontrolle, (3) differenzierte Repräsentationen
  • Komplexitätsgrad sollte ähnlichen Verlauf (bzgl. Alter) nehmen, wie andere kognitive Funktionen

⇒ Affekt-Komplexität steigt bis ins mittlere Alter und fällt im höheren Alter wieder ab

Längsschnitt

Bei Untersuchungen im Längsschnitt konnten die obigen Ergebnisse bestätigt und erweitert werden:

  • Affekt-Komplexität → Anstieg bis ins mittlere Alter, dann Absinken
  • Affekt-Optimierung → Anstieg bis ins hohe Alter (positiver Affekt steigt, negativer Affekt sinkt)

⇒ Siehe auch Grafiken in Vorlesungsfolien

 
uni-leipzig/psychologie/module/entwicklung2/6.txt · Zuletzt geändert: 2013/06/17 13:59 (Externe Bearbeitung)
 
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