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12. Plastizität

1. Kognitive Interventionsforschung

Multidirektionale Altersunterschiede

Querschnittliche Daten zeigen einen relativ eindeutigen Trend im Alter:

  • Abnahme der kognitiven Mechanik → Logisches Denken
  • Konstantes weisheitsbezogenes Wissen → Kognitive Pragmatik

⇒ Erklärung möglich durch Disuse-Hypothese

„Disuse“-Hypothese

Der Zusammenhang zwischen Alter und dem Abbau kognitiver Fähigkeiten besteht nach der Disuse-Hypothese dadurch, dass bestimmte Fähigkeiten nicht mehr angewendet werden (disuse).

  • Alter
  • → Altersbezogene Änderung der Aktivitäten
  • → Weniger Gebrauch kognitiver Fähigkeiten
  • → Abbau kognitiver Fähigkeiten

Training kognitiver Funktionen sollte Leistungsverbesserung ermöglichen

Studie

In einer Studie mit der Interventionsstrategie „Testing the Limits“ übte eine Gruppe (1) jüngerer Personen und eine Gruppe (2) älterer Personen eine Gedächtnisleistung über mehrere Sitzungen. Dabei wurde nach jeder Sitzung die Leistung gemessen.

  • Beide Gruppen profitieren vom Lernen
  • Ältere werden durch Training besser als untrainierte Jüngere
  • Bei hoher Leistung werden Altersunterschiede größer

2. Zone der möglichen Entwicklung

Die Zone der möglichen Entwicklung gibt einen Bereich an, in dem typischerweise die kognitive Leistungsfähigkeit verläuft. Dabei nehmen die kognitiven Fähigkeiten zwar mit höherem Alter tendenziell ab, es liegt jedoch ein relativ breiter Bereich vor. D.h. es gibt viele, die noch bis ins höhere Alter eine relativ hohe Leistungsfähigkeit haben, es gibt aber auch viele, die bereits relativ früh eine geringere kognitive Leistung haben.

Prinzipiell wird außerdem die Functional Threshold (Funktionale Grenze) festgelegt. Jegliche Leistung die noch darüber liegt ermöglicht ein selbstständiges Leben.

Zone möglicher Entwicklung

Kognitive Enrichment Hypothese

Das Verhalten eines Individuums hat einen großen Einfluss auf den Verlauf der kognitiven Fähigkeiten. Dazu zählen z.B.:

  • Kognitive Aktivitäten
  • Soziales Engagement
  • Sportliche Aktivitäten
  • etc.

Es können demnach verschiedene Verläufe der Leistungsfähigkeit beschrieben werden. Beispiele für einen Startpunkt mit mittlerer Leistung:

  • Leistung verbessert sich mit dem Alter und fällt erst im hohen Alter ab
  • Leistung bleibt nahezu konstant und fällt im hohen Alter ab (jedoch schneller als im 1. Fall)
  • Leistung bleibt nahezu konstant und fällt erst verzögert ab (bleibt länger konstant als im 2. Fall)
  • Leistung nimmt bereits im mittleren Alter leicht ab und ist im hohen Alter sehr schnell auf niedrigem Niveau

⇒ Siehe auch Grafik in Vorlesung

3. Umweltkomplexität und Lebensstil

Umwelt-Komplexitätshypothese

Die Umwelt-Komplexitätshypothese geht von einem reziproken Zusammenhang zwischen der (1) kognitiven Leistungsfähigkeit eines Individuums und der (2) Komplexität seiner Umwelt.

  • Kognitive Leistungsfähigkeit
  • Komplexität der Umwelt
Komplexe Umwelt
  • Notwendigkeit vieler komplexer Entscheidungen
  • Schlecht definierte / scheinbar widersprüchliche Kontingenzen

Studien

In Studien (meist querschnittlich korrelativ) wurde ein positiver Zusammenhang zwischen komplexer Umwelt und kognitiver Leistungsfähigkeit mehrfach bestätigt.

Problem

Bei querschnittlichen Korrelationen kann jedoch keine Aussage über Kausalitäten getroffen werden. Außerdem können Mediatoren und Drittvariablen einen Einfluss haben.

Längsschnitt

Es kann das Cross-Lag Panel Design angewendet werden. Dabei wird jede der zwei Variablen zu zwei Zeitpunkten gemessen. Es werden die Korrelationen zu einem Zeitpunkt untereinander und zwischen den Zeitpunkten erfasst.

Im Längsschnitt wurde gezeigt, dass sich beide Variablen gegenseitig bedingen. D.h. eine komplexere Umwelt führt zu erhöhter kognitiver Leistungsfähigkeit und eine erhöhte kognitive Leistungsfähigkeit führt zu einer komplexeren Umwelt.

⇒ Gegenseitige Beziehung

Lebensstil und kognitive Leistungsfähigkeit

  • Körperliche Aktivitäten → z.B. Gartenarbeit, wandern
  • Instrumentelle Aktivitäten → z.B. Einkaufen
  • Hobbies /Aktivitäten im Haushalt → z.B. Reparaturen
  • Passive Aktivitäten → z.B. Fernsehen
  • Intellektuell anspruchsvolle Aktivitäten → z.B. Sprache lernen

Intellektuell anspruchsvolle Aktivitäten

In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass eine Zunahme an intellektuell anspruchsvollen Aktivitäten mit einer Zunahme der kognitiven Leistungsfähigkeit einhergeht. Der Zusammenhang gilt auch umgekehrt.

Außerdem gibt es Evidenz dafür, dass das Ausmaß intellektuell anspruchsvoller Aktivitäten zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Veränderung der kognitiven Fähigkeiten über einen längeren Zeitraum vorhersagt.

4. Rolle sportlicher Aktivitäten

  • Körperliche Aktivität → Körperbewegung mit Energieverbrauch
  • Sportliche Aktivität → Strukturierte körperlich-sportliche Aktivität (Aufrechterhaltung/Verbesserung der körperlichen Fitness/Gesundheit)
  • Körperliche Fitness → Verschiedene Aspekte
Körperliche Fitness
  • Fähigkeitsbezogene Aspekte → Gelenkigkeit, Gleichgewicht, Koordination, Schnelligkeit
  • Gesundheitsbezogene Aspekte → Kardiovaskuläre Fitness, Muskelkraft/Muskelausdauer
  • Physiologische Aspekte → Stoffwechsel, Knochendichte, Körperfettverteilung

Studien

In einer Studie wurde der Einfluss einer sportlichen Aktivität auf die kognitive Leistungsfähigkeit bei älteren Erwachsenen untersucht (ab 55).

⇒ Erhöhung der kognitiven Leistungsfähigkeit um 0,5 SD

Moderatoren
  • Kognitive Aufgabe → Geschwindigkeit / Anforderung an Kontrolle
  • Trainingsart → Ausdauertraining / Kombiniertes Ausdauer-/Krafttraining
  • Trainingsdauer → Pro Einheit 30 / 45 / 60 Minuten
  • Interventionsdauer → 1-3 Monate / 4-6 Monate / 6+ Monate
  • Alter der Teilnehmer → 55-65 / 66-70 / 71-80

(Moderatoren mit höheren Effekten unterstrichen)

Mediatoren

  • Physiologische Mediatoren
  • Psychologische Mediatoren
  • Verhaltensbezogene Mediatoren
  • Gesundheitsbezogene Mediatoren
1. Physiologische Mediatoren
  • Angiogenese → Entstehung neuer Blutgefäße
  • Synaptogenese → Entstehung neuer Synapsen
  • Neurogenese → Entstehung neuer Nervenzellen
  • Erhöhtes BDNF-Ausmaß (brain-derived neurotropic factor)
  • Volumenzunahme weiße/graue Substanz
  • Veränderung des zerebralen Blutflusses (in Verbindung mit exekutive Kontrollprozessen/Gedächtnisfunktionen)
2. Psychologische Mediatoren
  • Depressivität
  • Ängstlichkeit
  • Stresslevel
  • Selbstwirksamkeit
3. Verhaltensbezogene Mediatoren
  • Drogen-/Medikamentengebrauch
  • Schlafmuster
  • Essgewohnheiten
4. Gesundheitsbezogene Mediatoren
  • Bluthochdruck
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Diabetes

Modell

  • Sportliche Aktivität
  • Fitness
  • (1) Gesundheitsstatus & (2) Strukturelle/Funktionale Veränderungen im Gehirn
  • Kognitive Leistung

⇒ Siehe auch Modell in Vorlesungsfolien

Gesundheitsstatus
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall)
Strukturelle/Funktionale Veränderungen im Gehirn
  • Angiogenese
  • Neurogenese
  • Synaptogenese
  • Neurotransmittersynthese

5. Kognitive Pragmatik bzw. Plastizität weisheitsbezogenen Wissens

 
uni-leipzig/psychologie/module/entwicklung2/12.txt · Zuletzt geändert: 2013/07/07 22:14 von carlo
 
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