Diese Website ist inzwischen veraltet, wird nicht mehr gepflegt und wird voraussichtlich in einigen Monaten offline genommen. Wenn jemensch Interesse daran hat die Inhalte zu übernehmen und weiter zu pflegen, kotanktiert mich bitte über exploeco.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Inhalte eine Zukunft hätten. Ich stelle gerne alles Notwendige zur Verfügung und bin auch gerne bei der Einrichtung einer neuen Website oder eines neuen Wikis behilflich. Gerne kann auch ein ehemals gestarteter Ansatz reaktiviert werden, unter wiki.fsrpsy-leipzig.de.

2. Persönlichkeitstests

Für Persönlichkeitstests wird davon ausgegangen Eigenschaftsbegriffe zur Beschreibung des Menschen in der Alltagssprache existieren (Sedimentationshypothese). Aus dieser Hypothese leitet sich der psycholexikale Ansatz ab, bei dem die bereits existierenden Begriffe geordnet und durch Faktorenanalyse reduziert werden. Dabei ist das Vorgehen wie folgt:

  • Identifikation
  • Semantische Reduktion
  • Statistische Klassifikation

Ergebnis

Im Ergebnis ergab sich eine 5-dimensionale Einteilung. Diese Einteilung ist stabil über:

  • Unterschiedliche Stichproben → z.B. Länder, Kinder
  • Unterschiedliche Methoden → z.B. Selbstbericht, Fremdbericht

Big Five → Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus, Verträglichkeit

2.1. NEO-FFI

Der NEO-FFI ([N]eurotizismus, [E]xtraversion, [O]ffenheit, [F]ünf-[F]aktoren-[I]nventar) erfasst die Big Five.

  • Erfassung der Big Five
  • 60 Items
  • Personen ab 16 Jahren
  • Bearbeitungszeit ca. 10min

Anwendungsbereiche

  • Forschung
  • Klinische Psychologie
  • Beratung → Schule, Studium, Berufswahl

Beurteilung

Vorteile
  • Vollständig → Erfassung der Persönlichkeit (Big Five)
  • Ökonomisch → Schnell und einfach in Durchführung und Auswertung
  • Umfangreiche Normierung
Nachteile
  • Soziale Erwünschtheit
  • Kriteriumsvalidität nicht untersucht
  • Eher ungeeingnet für Individualdiagnostik → Zu niedrige Reliabilität

2.2. NEO-PI-R

Der NEO-PI-R ([N]eurotizismus, [E]xtraversion, [O]ffenheit, [P]ersönlichkeits-[I]nventar, [R]evidiert) erfasst die Big Five.

  • Erfassung der Big Five mit je 6 Facetten (30 Eigenschaften)
  • 240 Items, 8 pro Facette
  • Personen ab 16 Jahren
  • Selbst- und Fremdbeurteilung → Form-S und Form-F
  • Bearbeitungszeit ca. 45min

Anwendungsbereiche

  • Forschung
  • Klinische Psychologie
  • Pädagogische Psychologie
  • A&O-Psychologie

Beurteilung

Vorteile
  • Facettenreiche Erfassung
  • Präzise Individualdiagnostik → Hohe Reliabilität
  • Konvergente/Diskriminative Validität mit anderen Verfahren
  • Gute Normierung → Unterschieden zwischen S-Form/F-Form (F-Form nicht repräsentativ)
  • Gutes Manual
  • International verbreitet → Gute Beschreibung der Einsatzmöglichkeiten
Nachteile
  • Facettenskala schwer Nachzuvollziehen
  • Testdurchführung lang/anstrengend

2.3. FPI-R

Der FPI-R ([F]reiburger [P]ersönlichkeits [I]nventar, [R]evidiert) erfasst 10 Persönlichkeits-Skalen. Anders als beim NEO-FFI bzw. NEO-PI-R basiert die Testkonstruktion auf keiner Persönlichkeitstheorie. Teilweise wurde eine (1) Faktorenanalyse verwendet, teilweise (2) Trennschärfeprinzipien. Wichtig waren vor allem auch praktische und inhaltliche Aspekte.

  • Erfassung von 10 Skalen
  • 138 Items → Dichotomes Antwortformat
  • 2 Zusatzskalen

Skalen

  • Lebenszufriedenheit
  • Soziale Orientierung
  • Leistungsorientierung
  • Gehemmtheit
  • Erregbarkeit
  • Aggressivität
  • Beanspruchung
  • Körperliche Beschwerden
  • Gesundheitssorgen
  • Offenheit
Zusatzskalen
  • Extraversion
  • Emotionalität

Anwendungsbereiche

  • Klinische Psychologie → Psychotherapie, Chronische Krankheiten, Drogenabhängigkeit, etc.
  • Forensische Psychologie → Straffälligkeit, Bewährung
  • Pädagogische Psychologie → Beratung (Schule, Studium, Beruf)

Beurteilung

Positiv
  • Objektiv und Reliabilität gut
  • Validität gut → Teilweise sehr hohe Kriteriumsvalidität
  • Repräsentative Normierung
  • Häufig verwendet → Praktisch Bewährt
  • Einfache Durchführung/Auswertung
  • Regelmäßige Aktualisierung/Nachnormierung
Negativ
  • Konstrukte nicht unabhängig
  • Korrelation mit Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit
  • Individualdiagnostik nur bedingt → Reliabilität zu niedrig (Screening)
  • Unübersichtliches Manual

2.4. MMPI-2

Der MMPI-2 ([M]innesota [M]ultiphasic [P]ersonality [I]nventory-[2]) ist der weltweit am häufigsten verwendete Test zur Erfassung der Persönlichkeit. Anwendung findet er insbesondere zur Erfassung der Persönlichkeit bei einer psychischen Störung bzw. zur Trennung zwischen Patient und gesunder Person.

  • Erfassung der Persönlichkeit
  • 567 Items → Dichotomes Antwortformat
  • Personen ab 18 Jahren
  • Bearbeitungszeit ca. 60-90min

Beim MMPI-2 werden die Items zu verschiedenen Skalen zugeordnet. Damit ist es möglich neben den existierenden Skalen auch weitere neue Skalen zu erstellen.

  • Heterogene Skalen → Unterschiedlich viele Items pro Skala
  • Item-Overlap → Ein Item kann auf mehrere Skalen laden

Skalen

Validitätsskalen
  • Weiß-Nicht-Skala → Ungültige/Unbeantwortete Items
  • L-Skala (Lügenskala) → Soziale Erwünschtheit
  • F-Skala (Seltenheitsskala) → Selten zugestimmte Items
  • K-Skala (Korrekturskala) → Leugnung von Abwehr oder Problemen
Neue Validitätsskalen
  • FB-Skala (Back-F-Skala) → Wie F-Skala nur für letztes Drittel des Tests
  • VRIN-Skala (Beantwortungskonsistenz) → Zufällige Antwort
  • TRIN-Skala (Zustimmungszendenz) → Einseitige Antworttendenz
Basisskalen
  • Hypochondire
  • Depression
  • Hysterie
  • Psychopathie → Antisoziales, sozial auffälliges Verhalten
  • Maskulinität/Femininität → Tendenz einer Geschlechtszuordnung
  • Paranoia
  • Psychasthenie → Zwangsverhalten, Phobien
  • Schizophrenie
  • Hypomanie → Überreaktionen im Denken und Handeln
  • Social Introversion → Introversion, sozialer Rückzug
Neue Inhaltsskalen

Nach (1) inhaltlich rationalen und (2) Trennschärfekriterien wurden 15 neue Skalen zusammengestellt. Diese neuen Skalen (z.B. Phobie, Zwanghaftigkeit, Depression, Ärger, etc.) sind den bestehenden Basisskalen sehr ähnlich. Sie wurden jedoch zusätzlich in Inhaltskomponentenskalen unterteilt. Jede Inhaltsskala enthält dabei weitere Facetten (z.B. Depression → Interessenlosigkeit, Traurigkeit, Selbstabwertung, Suizidalität).

Zusatzskalen

Die Zusatzskalen bilden eine heterogene Sammlung von Items zu neuen Skalen. Dabei entstanden z.B. die drei neuen Validitätsskalen (FB, VRIN, TRIN), die traditionellen Skalen (z.B. Angst, Verdrängung, etc.), aber auch weitere Skalen:

  • Überkontrollierte Feindseligkeit
  • Dominanz
  • Soziale Verantwortung
  • Es-Stärke
  • Ich-Stärke
  • Alkoholismus Skala

⇒ Die Zusatzskalen können bei der Interpretation der Basisskalen hilfreich sein.

Interpretation

Die Skalen werden in einer bestimmten Reihenfolge interpretiert.

  • Validitätsskalen
  • Klinische Basisskalen
  • Inhaltsskalen → Auch Inhaltskomponentenskalen
  • Zusatzskalen → Nur in Einzelfällen

Beurteilung

Positiv
  • Kontinuität zum MMPI
  • Aktualisierung
  • Externale Konstruktion → Kombinationsmöglichkeiten
  • Breiter Messbereich
  • Hohe Informationsausbeute
  • Gute Dokumentation der Kennwerte
  • Neukombination möglich
Negativ
  • Kein Bezug zu moderner Klassifikation → DSM-IV, ICD-10
  • Keine empirische Validitätsbelege
  • Keine empirische Basis für Validitätsskalen
  • Normierung nur an Normal-Stichprobe → Keine klinische Stichprobe
  • Aufwändige Auswertung
  • Profilauswertung unklar → Reliabilität zu niedrig
  • Komplexe allgemeine Interpretation
  • Schlechtes Verhältnis Menge der Items / Informationsgehalt
 
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