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7. Merkmale von Organisationen & Organisationsmodelle

7.1. Definition

Organisation

„Eine Organisation ist ein (1) soziales Gebilde, welches (2) dauerhaft ein Ziel verfolgt und eine (3) formale Struktur aufweist, mit deren Hilfe (4) Aktivitäten der Mitglieder auf das verfolgte Ziel ausgerichtet werden sollen.“

  • Soziales Gebilde
  • Dauerhafte Zielverfolgung
  • Formale Struktur
  • Ausrichtung der Mitglieder auf ein Ziel

7.2. Strukturdimensionen

Die 5 Strukturdimensionen von Organisationen sind:

  1. Spezialisierung
  2. Koordination
  3. Konfiguration
  4. Delegation
  5. Formalisierung

7.2.1. Spezialisierung

  • Arbeitsteilung führt zu Spezialisierung
  • Spezialisierung führt zu Änderung des Arbeitsinhaltes → Meist nur geringe Qualifikation nötig
  • Für Unternehmen positiv → Geringe Einarbeitungszeit, Geringer Lohn
  • Für Beschäftigte negativ → Demotivation, Dequalifizierung

Spezialisierungstypen

Eine Spezialisierung kann erfolgen nach:

  • Funktion
  • Objekten/Produkten
  • Regionen

7.2.2. Koordination

Eine Koordination erfordert eine entsprechende Qualifikation. Zu einer Koordination gehört:

  • Rollenstandardisierung
  • Persönliche Weisung
  • Selbstabstimmung
  • Programme
  • Pläne
  • Organisationsinterne Märkte (Profit Center) → „Invisible Hand“
  • Organisationskultur

7.2.3. Konfiguration

Typen von Konfiguration bzw. Leitsystemen sind:

  • Ein- und Mehrliniensysteme
  • Matrixorganisation
  • Linien- und Stabsstellen
  • Projektteams und Netzwerke

Ein- und Mehrliniensystem

Einliniensystem

Einliniensystem

  • Vorteile → (1) Klare Verantwortlichkeiten, (2) Klare Koordination
  • Nachteile → (1) Hohe Qualifikation des Vorgesetzten nötig, (2) Lange Informationswege, (3) Hoher Koordinationsaufwand
Mehrliniensystem

Mehrliniensystem

  • Vorteile → (1) Kurze Informationswege, (2) Geringere Qualifikation des Vorgesetzten nötig
  • Nachteile → (1) Verantwortungsdiffusion, (2) Evtl. widersprüchliche Anweisungen, (3) Kompetenzstreitigkeiten

Matrixorganisation

Matrixorganisation

⇒ Weiterentwicklung des Mehrliniensystems

Linien- und Stabsstellen

Linien- und Stabsstellen

⇒ Weiterentwicklung des Einliniensystems

Projektteams und Netzwerkstrukturen

  • Projektteams → Für die Dauer eines Auftrags, Teilnahme in mehreren Projekten gleichzeitig möglichen
  • Netzwerkstrukturen → Wechselnde Mitarbeiter, Netzwerk bleibt nach Beendigung bestehen

7.2.4. Delegation

  • Mit/Ohne Entscheidungsbefugnis
  • Einfache/Komplexe Aufgaben
  • Delegation als Personalentwicklung

7.2.5. Formalisierung

Die Formalisierung gibt an, wie stark in einer Organisation Richtlinien/Vorgaben bestehen:

  • Rollenformalisierung
  • Informationsflussformalisiserung
  • Leistungsdokumentation

7.3. Modelle/Theorien von Organisationen

Organisationsmetaphern

Organisationsmetaphern bezeichnen die Organisation als:

  • Maschine → z.B. Bürokratieansatz
  • Politisches System → z.B. Begrenzte Rationalität (Entscheidungsprozessorientierter Ansatz)
  • Organismus → z.B. Teory X/Y (Human-Relations-Ansatz)
  • System → z.B. Institutionenökonomischer Ansatz

Organisatinsmodelle und -theorien

Organisationsmodelle und –theorien können eingeordnet werden in (1) rationale Modelle und (2) Nicht rationale Modelle.

Rationale Modelle
  • Bürokratieansatz
  • Humanistischer Ansatz → X/Y-Theory
  • Systemtheoretische Ansätze → Open-System-Theory, Soziotechnischer Systemansatz
Nicht-Rationale Modelle
  • Entscheidungstheorie → Bounded rationality, Garbage can model (mikropolitische Prozesse)

7.3.1. Bürokratiemodell

Das Bürokratiemodell zeichnet sich aus durch:

  • Ordnung
  • System
  • Rationalität
  • Uniformität
  • Einheitlichkeit
  • Konsistenz

Hauptprinzipien

  • Spezialisierung/Arbeitsteilung
  • Hierarchie/Autorität
  • Trennung von Entscheidung/Ausführung
  • Optimale Führungsspannen
  • Starke Zentralisierung

7.3.2. Theory X/Y

In der Theory x/Y werden zwei gegensätzliche Menschenbilder gegenübergestellt.

Theory X

Die Theory X geht davon aus, dass der Mensch folgende Eigenschaften hat:

  • Verabscheut Arbeit → Kontrolle, Strafandrohung, etc.
  • Will keine Verantwortung tragen
  • Kein Ehrgeiz
  • Sicherheit ist besonders Wichtig
Theory Y

Die Theory Y (Humanistisch) geht davon aus, dass der Mensch folgende – zu Theory X gegensätzliche – Eigenschaften hat:

  • Will Leistung bringen
  • Strebt nach Selbstverwirklichung/Selbstkontrolle
  • Identifikation ist abhängig von erwarteter Belohnung
  • Strebt nach Verantwortung
  • Ist Kreativ
  • Kann sein ganzes Potential nicht entfalten

7.3.3. Open System Theory

Die Open System Theory besteht aus 10 Charakteristiken und geht davon aus, dass Mensch und Maschine zusammenhängen:

  • Energie importieren → Arbeiter einstellen
  • Energie Transformieren → Produkte herstellen
  • Produktausfuhr → Produkte verkaufen
  • Regelmäßige Ereignisse → Arbeitsschritte
  • Unordnung vermeiden → Profitabel bleiben
  • Eingehende Informationenen → Marktfragebogen machen
  • Homöostase → Jährliches Budget ins Gleichgewicht bringen
  • Spezialisierung → Spezialisierte Arbeitsplätze
  • Koordination/Integration → Mitarbeiter leiten
  • Äquifinalität (Anstreben eines Fließgleichgewichts) → Es gibt viele effektive Wege ein Unternehmen zu führen

7.3.4. Begrenzte Rationalität

Die Grundannahme ist, dass Menschen (1) kognitive Grenzen in der Informationsaufnahme und –verarbeitung haben, welche (2) rationale Entscheidungen begrenzen.

Satisficing

Als Satisficing wird eine Suche nach (1) zufriedenstellenden und (2) nicht nach optimalen Lösungen bezeichnet.

Prozess

  • Bewusstwerden eines Problems
  • Vereinfachung des Problems
  • Festsetzung von Mindestanforderungen → Zufriedenstellende Kriterien
  • Suche nach eigenen Alternativen
  • Vergleich der Alternativen mit Mindestanforderungen → Evtl. Aktualisierung der Mindestanforderungen
  • Zufriedenstellende Alternativen vorhanden → Wahl der ersten Alternative
  • Keine zufriedenstellenden Alternativen vorhanden → Weitere Alternativensuche

7.3.5. Mülleimer-Modell (garbage can model)

Das Modell geht von einem Zustand der organisierten Anarchie aus:

  • Problematic preferences → Unklare Definition Problem/Ziel, Entdeckung der eigenen Präferenzen
  • Unclear Technology → Regeln/Strukturen des Entscheidungsprozesses kaum bekannt
  • Fluid Participation → Gremien-Mitglieder wechseln, Themen werden wiederholt diskutiert

Aus der Interaktion dieser drei Punkt (1) problematische Präferenzen, (2) unklare Entscheidungstechnologien und (3) wechselnde Teilnehmer ergeben sich Entscheidungsgelegenheiten. Diese Gelegenheiten begünstigen bestimmte Entscheidungen.

Mülleimersituation treten vor allem in folgenden Situationen auf:

  • Unklarheit über Entscheidungsbefugnis
  • Unklarheit über beteiligte Personen
  • Knappe Zeit

7.3.6. Miktropolitische Taktiken

Mikropolitische Taktiken bestehen aus folgenden Elementen:

  • Zwang/Nachdruck → z.B. Strafe, Sanktionen, etc.
  • Vorteile schaffen → z.B. Belohnung
  • Höhere Autorität einschalten → Legitime Macht, Beziehungsmacht
  • Rationales Argumentieren → Überzeugen, Rationales Problemlösen
  • Koalitionsbildung
  • Persönliche Anziehungskraft → Referenzmacht, Identifikation
  • Idealisierung/Ideologisierung
 
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