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2. Geschichte der Arbeit

2.1. Definition der Arbeit

Entwicklung des Begriffes der Arbeit

Der Begriff der Arbeit hat in verschiedenen Sprachen unterschiedliche (meist negative) Bedeutungen:

  • erebeit → mühselig, belastet, alleingelassen
  • labour (engl.) → leiden
  • trabajo (span.) → Folter
  • robota (poln.) → Knechtschaft, Sklaverei

Die Bedeutung des Begriffes der Arbeit hat sich außerdem im Laufe der Zeit geändert:

  • Antike → Notwendige Tätigkeit (Sklaven, Knechte)
  • Römisches Kaiserreich → Landwirtschaftliche Arbeit als ehrenwerte Arbeit
  • Christliches Arbeitsverständnis → Positive Einstellung zur Arbeit
  • Industrialisierung → Menschliches Potential, welches genutzt werden kann

⇒ Selbstverwirklichung/Lebensverbesserung durch Arbeit

Eigenschaften der Arbeit

  • Negativ → Mühe, Plage, Last, etc.
  • Positiv → Erfolgserlebnis, Freude, Selbstbestätigung, Identität, Sinnerleben, Wirksamkeitserleben, Gebrauchtwerden, etc.

4 Definitionskriterien

  1. Zielgerichtetheit
  2. Bewusstheit
  3. Arbeit schafft Gebrauchswert
  4. Arbeit ist gesellschaftlich determiniert

Unbezahlte Arbeit

Die Menge der geleisteten (1) unbezahlten Arbeit ist in Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2003) höher, als die Menge der geleisteten (2) bezahlten Arbeit. Dabei leisten Frauen einen deutlich höheren Anteil an unbezahlter Arbeit.

  • Unbezahlte Arbeit hat quantitative Bedeutung (trotz geringer gesellschaftlicher Beachtung)
  • Unbezahlte Arbeit hat Auswirkung auf Menschen

Arbeit der Frauen würde von Arbeitspsychologie unterschätzt werden, wenn unbezahlte Arbeit nicht beachtet würde.

2.2. Geschichte der Arbeitspsychologie

  • Wissenschaftliche Betriebsführung (Vorläufer)
  • Grundlage der Arbeitspsychologie durch Wilhelm Wundt
  • Erste Arbeitspsychologie durch Hugo Münsterberg
  • Psychotechnik

⇒ Vorangetrieben durch ersten Weltkrieg

Wissenschaftliche Betriebsführung

Taylor

Die wissenschaftliche Betriebsführung wurde erstmals durch Frederick W. Taylor geprägt.

  • Aufteilung der Arbeit in einzelne Schritte
  • Auswahl/Schulung der Arbeiter
  • Trennung Hand-/Kopfarbeit
  • Ziel: Hohe Löhne / Niedrige Preise
  • Gute Beziehung zwischen Arbeitgeber/Arbeitnehmer

Gilbreth

Von Frank B. Gilbreth wurden Bewegungsstudien durchgeführt, bei denen Bewegungsabläufe optimiert wurden (z.B. das Mauern einer Wand).

Fordismus

Ausgehend von Henry Ford entwickelte sich der Fordismus.

  • Typisierung der Produkte
  • Mechanisierung/Fließbandfertigung
  • Eignungsuntersuchung der Arbeiter
  • Keine Gewerkschaften im Betrieb

Psychotechnik

Verwendet wurde der Begriff der Psychotechnik erstmals von William Stern. Ausgehend von Hugo Münsterberg sollte die Psychologie auf alle Lebensbereiche angewendet werden. Dabei wird unterschieden:

  • Objektpsychotechnik → Gestaltung von Arbeitsmitteln
  • Subjektpsychotechnik → Anpassung des Menschen (Suche einer geeigneten Arbeitskraft)

Neuere Geschichte

  • Eignungsdiagnostik für Soldaten → Army Alpha / Army Beta
  • Institutionalisierung im dritten Reich (gleichzeitig jedoch auch Verlust vieler Wissenschaftler)
  • Entwicklung humaner Arbeitsbedingungen / Demokratisierungsprozesse ab den 50er Jahren
  • Männliche Normalbiografie“ als Orientierung bis vor wenigen Jahren

Kritische Psychologie

Die Protestbewegungen gegen Ende der 60er Jahre erfasste auch die Psychologie. Sie wurde kritisch bezüglich systemkonformen Inhalten betrachtet. Vor allem die Arbeits- und Organisationspsychologie war dabei als „Unterstützer des Kapitalismus“ in der Kritik.

2.3. Gegenstand der Arbeitspsychologie

„Die Hauptaufgaben arbeitspsychologischer Tätigkeit sind: (1) Analyse, (2) Bewertung und (3) Gestaltung von Arbeitstätigkeiten und Arbeitssystemen nach definierten Humankriterien“ (Ulich, 1991, S. 1).

⇒ Im Mittelpunkt der arbeitspsychologischen Praxis steht der Mensch

Moralische Dilemma der Arbeitspsychologie

Das Dilemma der Arbeitspsychologie ergibt sich aus (1) humaner Arbeit auf der einen Seite und (2) Effizienzsteigerung auf der anderen Seite.

  • Humane Arbeit
  • Effizienzsteigerung

Arbeitspsychologen gehen davon aus, dass aus humaner Arbeit effiziente Arbeit folgt. Aus Sicht der Arbeitspsychologie ist also die menschliche Perspektive zentral, auch für Effizienzsteigerung.

⇒ Humane Arbeit ist effizient

2.4. Arbeitsfelder

Alle Arbeitsfelder beschäftigen sich mit Beschreibung, Erklärung, Prognose und Veränderung der betreffenden Bereiche.

  • Arbeitspsychologie → Betrifft den Mensch und seine Arbeitsaufgaben
  • Organisationspsychologie → Betrifft Menschen und Merkmale der Organisation (bzw. Menschen untereinander)
  • WirtschaftspsychologieErweitertes Themenspektrum (Marktpsychologie, Werbepsychologie, Konsumentenpsychologie, Finanzpsychologie, etc.)

Kerninhalte und Themen

Die Kerninhalte der A&O ergeben sich aus zwei Dimensionen. In der ersten Dimension werden die Bereiche eingeteilt in:

  • Grundlagen
  • Diagnose
  • Intervention

Diese Perspektiven werden jeweils angewendet auf:

  • Methodologie
  • Arbeit
  • Individuum
  • Interaktion
  • Organisation

Konkrete Arbeitsfelder

  • Eignungsdiagnostik
  • Personalmanagement, Personalentwicklung
  • Organisations-, Teamentwicklung
  • Coaching, Training, Seminare
  • Betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeitsschutz
  • Diagnostik psychischer Belastung (am Arbeitsplatz)
  • Gestaltung von Arbeitsabläufen/Arbeitsaufgaben und Rehabilitation

Weitere sind:

  • Marketing/Werbung
  • Qualitätsmanagement
  • Mediation
  • Sportpsychologie
  • Medienpsychologie
  • Notfallpsychologie
  • Forschung/Lehre
  • etc.

Organisationen

  • Deutschland → Deutsche Gesellschaft für Psychologie (Fachgruppe AOW-Psychologie), Berufsverband Deutscher Psychologinnen/Psychologen (Sektion Wirtschaftspsychologie)
  • Europa → European Association of Work and Organizational Psychology
  • Amerika → APA (Society for Industrial and Organizational Psychology), Academy of Management
  • Welt → International Association of Applied Psychology (Work and Organizational Psychology)

2.5. Entwicklung/Trends

Einige Entwicklungsaspekte und Trends der nächsten Jahre sind bzw. werden sein:

  • Flexilibisierung, Virtualisierung
  • Neue Technologien
  • Globalisierung
  • Psychosoziale Faktoren
  • Dienstleistung → Dialogische-Interaktionsarbeit
  • Arbeit und Alter → Erhöhter Pflegeaufwand
  • Diversity → Bezüglich Geschlecht, Alter, etc.
  • Gesundheit
 
uni-leipzig/psychologie/module/aundo/2.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/26 11:55 (Externe Bearbeitung)
 
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