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18. Life-Domain-Balance

18.1. Einleitung

Zur Abgrenzung von Arbeit und Freizeit gibt es zwei Kriterien. Arbeit liegt vor, wenn:

  • Drittpersonenkriterium → Arbeiten, die auch von anderen gegen Bezahlung übernommen werden können
  • Reproduktionsarbeit → z.B. Kindererziehung

⇒ Kein Kriterium ist Arbeitszeit/Arbeitsort

18.2. Grundannahmen – Zusammenhang mit Gesundheit

Die basale Annahme ist, dass steigende Arbeit mit steigenden negativen Konsequenzen zusammenhängt. Ein linearer Zusammenhang besteht jedoch nicht.

„work and non-work stress are independently associated with physical and mental health:“ (Litzman et al., 1999)

⇒ Zusammenwirkung/Interaktion nicht ausgeschlossen

18.3. Modelle

  1. Unabhängigkeitsmodell → Kein Zusammenhang zwischen Arbeit und Freizeit
  2. Generalisierungsmodell (split over) → Arbeit beeinflusst Freizeit oder Freizeit beeinflusst Arbeit
  3. Interaktionsmodell → Arbeit/Freizeit beeinflussen sich gegenseitig
  4. Kompensationsmodell → Ausgleichende Wirkung zwischen Arbeit/Freizeit
  5. Kongruenzhypothese → Übereinstimmung Arbeit/Freizeit durch sind auf Drittvariablen zurückzuführen

18.4. Wirkungen von Zusammenhängen für die Gesundheit

Es gibt verschiedene Zusammenhänge, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben:

  • (1a) W-F-C / W-L-C → work - family/life conflict, muss nicht immer Konflikt sein →
  • (1b) W-L-I → work-life-interference,
  • (2) W-F-E/E → work – lifefacilitation/enrichment/enhancement,
  • (3) W-L-B → work – life balance, Arbeit wird mit „nicht-leben“ gleichgesetzt →

Life-Domain-Balance

18.5. Konfliktdimensionen des Work-Family-Conflict

Aus der Rollenstressperspektive führt die Koordination mehrerer Rollen zu (1) Konflikten und (2) vermindertem Wohlbefinden.

Die Konfliktdimensionen des Work-Family-Conflicts sind:

  • Zeitbasierte Konflikte → Zeitanforderungen konkurrieren zwischen den Bereichen
  • Beanspruchungsbasierte Konflikte → Psychische Ansprüche konkurrieren zwischen den Bereichen (z.B. Nächte in denen man wegen Kind nicht schlafen kann)
  • Verhaltensbasierte Konflikte → Inkompatible Verhaltensanforderungen zwischen Bereichen (z.B. rational-kühl / warmherzig-empathisch)

18.6. Konfliktrelevante Tätigkeitsmerkmale

Die Tätigkeitsmerkmale bestimmen die Koordinierbarkeit von Handlungen in unterschiedlichen Lebensbereichen. Sie sind entscheiden für das Erleben von Balance oder Stress.

  • Erhaltungsrelevanz → z.B. Essen, Schlaf
  • Zeitliche Gebundenheit (feste Pflichten) → z.B. Kind im Kindergarten abholen
  • Eigendynamik → z.B. Eigendynamik des Kindes (Krankheit, Hunger, etc.)

18.7. Work-Family-Conflict – Beispiel

In einer Studie wurde der Work-Family-Conflict bei 143 Top-Managern untersucht (Jocobshagen, Amstadt, Semmer & Kuster, 2005).

Variablen

Unabhängige Variablen
  • Arbeitsstressoren → Zeitdruck, Unsicherheit, Wochenarbeitsstunden
  • Arbeitsressourcen → Handlungsspielraum, soziale Unterstützung
  • Work-family-conflict → Work-family-conflict
Abhängige Variablen
  • Beanspruchung → Irritation, Psychosomatische Beschwerden, Depression

Irritationsskala

Beispielitems:

  • „Es fällt mir schwer, nach der Arbeit abzuschalten“
  • Ich muss auch zu Hause an Schwierigkeiten bei der Arbeit denken.“
  • etc.

Ergebnisse

  • Starke Ausprägung des Work-family-conflict
  • Irritation und psychosomatische Beschwerden überdurchschnittlich hoch
Prädiktoren für Irritation
  • Überlastung
  • Unsicherheit
  • Anzahl Arbeitsstunden

Werden zusätzlich zwei weitere Variablen beachtet:

  • Soziale Beziehungen
  • Handlungsspielraum

dann ist nur noch Anzahl der Arbeitsstunden ein signifikanter Prädiktor.

Wird zusätzlich der Work-family-conflict beachtet, dann sind ebenfalls nur noch Anzahl der Arbeitsstunden ein signifikanter Prädiktor (in geringem Maße auch Handlungsspielraum).

Zusammenfassung

Wird Work-Family-Balance als Mediator kontrolliert, dann sinkt der Zusammenhang zwischen Überlastung und Irritation von .34 auf .11 und wird nicht signifikant.

Irritation entsteht durch Konflikten im privaten Bereich, ausgelöst durch Überlastung an der Arbeit

Generelle Erfassung des Work-Family-Conflict

Zwei mögliche Tests zur Erfassung des Work-Family-Conflicts sind:

  • WiF (work interfrence with family) → z.B. How often does your job interfere with responsibilities at home
  • FiW (family interfernce with work) → z.B. How often does home life interfere with responsibilities at job

18.8. Work-Life-Facilitation

Die Work-Life-Facilitation bezeichnet:

„Ausmaß, in dem die (1) Teilhabe an und das (2) positive Erleben in einem Lebensbereich (z. B. Berufsarbeit) durch die Fähigkeiten und Erfahrungen erleichtert wird, die sich aus der Teilhabe an einem anderen Lebensbereich (z. B. Familie) ergeben.“ (Grzywacz & Marks, 2000)

Arten von Bereicherung

Es wird unterschieden zwischen:

  • Affektive Bereicherung → Positive Stimmung
  • Instrumentelle Bereicherung → Kompetenzen
Ressourcenaufbau

Eine Positivwirkung entsteht durch einen zusätzlichen Aufbau von Ressourcen:

  • Work-Family-Enhancement
  • Work-Family Enrichment
  • positive spillover

Enrichmet/Enhancement

Bisher wurde vorwiegend Nicht-Arbeit als Erholungsfaktor untersucht.

Nach dem Effort-Recovery-Modell tritt Erholung dann ein, wenn Anforderungen auf einer anderen funktionalen Ebene stattfinden, als es üblicherweise bei der Arbeit der Fall ist.

Erlebnisqualität von Erholung
  • Gedankliches Abschalten
  • Entspannung
  • Mastery-Erlebnisse → Erleben von Herausforderungen und deren Bewältigung
  • Kontrolle

Noch nicht untersucht

Bisher wurde noch nicht untersucht, welche Rolle Arbeit als Erholung von anderen Life-Domains spielt. Z.B. Arbeit als Erholung von familiärer Belastung.

18.9. Work-Family-Balance

Work-Family-Balance ist passender, als Work-Family-Conflict, denn:

  • Konfliktlevel gering zwischen Rollen
  • Bereicherung durch Teilnahme an beiden Rollen
  • Gleichwertigkeit der Lebensbereiche
  • Individuelle Zufriedenheit/Leistungsfähigkeit im Einklang mit Lebensprioritäten

18.10. Entwicklungs- und biografieorientierte Ansätze

Bei Entwicklungs- und biografieorientierten Ansätzen wird die mittel- und langfristige Balance verschiedener Lebensbereiche betrachtet. Aus sozio-normativer Perspektive sollte sowohl (1) Engagement, als auch (2) erfolgreiche Entwicklungsprozesse in Beruf und Familie angestrebt werden.

Formen der Lebensgestaltung

  • Segmentation → Ziele Beruf/Familie unabhängig
  • Integration → Ziele Beruf/Familie aufeinander bezogen
  • Entgrenzung → Familie durch berufliche Lebensbereiche bestimmt

18.11. Intervention

Betriebliche Programme und Maßnahmen können sein:

  • Kinderbetreuung → Betriebskindergarten, Belegplätze in Kinderbetreuungseinrichtungen, Zuschüsse, Vermittlung, Ferienbetreuung
  • Arbeitszeit- und ort → Flexible Arbeitszeit, Teilarbeitszeit, Telearbeit, Job-Sharing
  • Mobilitätsunterstützung → Arbeitsvermittlung für Lebenspartner, Umzugskostenübernahme
  • Führungskompetenz → Schulungen, Mentorenprogramme (für vereinbarkeits-orientierte Führung)
  • Freistellungen → Über gesetzliche Ansprüche hinaus
  • Informationsbereitstellung → Familienbeauftragte (Betriebsintern), Informationsmaterial

Studie

In einer Studie wurde festgestellt:

  • Korrelation Verinbarkeitsregelungen mit geringem Aufstieg und Berufserfolg
  • Vereinbarkeitsregelungen helfen, wenn Personen (1) verantwortungsvolle Aufgaben und (2) Förderung bekommen

⇒ Vereinbarkeitsangebote gut für berufliche Entwicklung, wenn Förderung gegeben

 
uni-leipzig/psychologie/module/aundo/18.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/26 17:01 von carlo
 
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