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16. Arbeitssicherheit / Fehler

16.1. Einleitung

Relevanz

Die Zahl der tödlichen Unfälle sank seit Mitte des 20. Jhd. kontinuierlich. Trotzdem gibt es auch heute (Stand 2008) noch 765 Arbeitsunfälle mit Todesfolge. Daher ist das Thema der Arbeitssicherheit auch heute noch relevant.

Die 765 Arbeitsunfälle teilen sich auf die Berufsfelder wie folgt auf:

  • Gewerbliche Berufe → 527
  • Landwirtschaftliche Berufe → 193
  • Öffentliche Berufe → 45

Sozial-Kognitives Modell gesundheitlichen Handelns

Im Sozial-Kognitiven Modell gesundheitlichen Handelns von Schwarzer wird beschrieben unter welchen Umständen gesundheitliches Handeln zustande kommt.

  • Eine Bedrohung wird nach Schweregrad eingeschätzt, außerdem wird die eigene Verwundbarkeit geschätzt.
  • Es ergibt sich eine Ergebniserwartung, welche eine Kompetenzerwartung verursacht
  • Außerdem ergibt sich eine Intention aus (1) Bedrohung und (2) Kompetenzerwartung, welche einen volitionalen Prozess in Gang setzt.
  • Der volitionale Prozess besteht aus Handlungsplanung und Handlungskontrolle
  • Der volitionale Prozess mündet in eine Handlung

⇒ Ein weiter äußerer Faktor (situative Barrieren und Ressourcen, z.B. sozialer Rückhalt) wirken sowohl auf den volitionalen Prozess (subjektiv), als auch direkt auf die Handlung (objektiv)

16.2. Fehlhandlungen / Fehlerfolge

Definition Fehlhandlungen

Eine Fehlhandlung ist eine ungeeignete Ausführungsweise, mit der das gewünschte Ziel nicht erreicht werden kann.

⇒ Eine Fehlerhandlung muss nicht unbedingt zu einer negativen Konsequenz führen (Fehler-Folge).

16.3. Klassifikation von Fehlern

Klassifikation nach Rasmussen/Reason

Nach Rasmussen

Nach Rasmussen gibt es drei Fehlertypen:

  • Fähigkeitenbasiert (Skill-based) → Slips & Lapses
  • Regelbasiert (Rules-based) → Rule-based mistakes
  • Wissensbasiert (Knowledge-based) → Knowledge-based mistakes

Nach Reason

  • Ausführungsfehler (slips)
  • Speicherungsfehler (lapses)
  • Planungsfehler (mistakes)

Klassifikation nach Hacker

In der Klassifikation der Fehler nach Hacker wird vom Informationsmangel ausgegangen: Dieser unterteilt sich in:

  • Objektiv fehlende Informationen
  • Nutzungsmangel

⇒ Siehe auch Grafik in Vorlesung

Der Nutzungsmangel kann weiter unterteilt werden:

  • Fehlende Nutzung
  • Falsche Nutzung
Fehlende Nutzung
  • Übersehen
  • Vergessen
  • Übergehen
  • Informationsreduzierung
  • Verarbeitungsdefizite
Falsche Nutzung
  • Falsche Orientierung
  • Falsches Entwerfen von Programmen
  • Falsche Entscheidungen
  • Falsches situatives Einpassen von Programmen

16.4. Fehlerbegünstigende Bedingungen

Um Fehler vermeiden zu können, muss die Signalgestaltung optimal gestaltet werden:

  • Kompatibilität mit Vorwissen/Populationsstereotypen → z.B. Rot für „heiß“, blau für „kalt“
  • Anzahl von Signalen → Angemessen bzgl. menschlicher Kapazität
  • Differenzierbarkeit → Erkennung von Signalen vor Hintergrund anderer Signale
  • Vorhersehbarkeit → Basierend auf Vorerfahrung
  • Transparenz
  • Konsistenz

16.5. Unfall

Die Anzahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle (erst ab 3 Tagen Arbeitsausfall) sank seit Mitte des 20. Jhd.:

  • Absolute Unfälle → Von knapp 3.000.000 Unfälle (1960) auf 1.063.915 Unfälle (2008)
  • Relative Unfälle (à 1000 Vollarbeiter) → Von ca. 120 (1960) auf 28,3 (2008)

⇒ Im Produktionssektor ca. 7 Mal höhere Unfallrate, als in Bürojobs

16.5.1. Unfallpyramide

Unter ca. 50.000 Beinaheunfällen sind enthalten:

  • Davon: 5.125 Unfälle (66,9%) mit max. 1 Tag Ausfallzeit (keine ärztliche Behandlung)
  • Davon 1272 Unfälle (16,6%) mit mind. 3 Tagen Ausfallzeit (ärztliche Behandlung)
  • Davon: 1264 Unfälle (16,5%) mit mind. 4 Tagen Ausfallzeit
  • Davon 1 Unfall (0,013%) mit Todesfolge

16.5.2. Unfallpsychologie & Sicherheitspsychologie

Unfallpsychologie

Die Unfallpsychologie untersucht den Prozess eines Unfalls. Dabei sind folgende Aspekte von Bedeutung:

  • Analyse nach dem Unfall (ex-post-facto)
  • Diagnose wird Prognose

⇒ Unfalldaten sind selten und damit invalide Ereignisse

Sicherheitspsychologie

Die Sicherheitspsychologie untersucht menschliches Verhalten in Gefahrensituationen.

16.5.3. Unfallpersönlichkeit

Allgemein werden Gefahren unter zwei Bedingungen eher unterschätzt:

  • Seltene Ereignisse
  • Nicht sinnlich erfahrbare Gefahren

Risikogruppen

Ein Risikogruppe sind jünger Menschen, bei denen häufiger Unfälle passieren, als bei älteren Mitarbeitern. Dies hat zwei Gründe:

  • Geringe Erfahrung
  • Höhere Risikoneigung

Persönlichkeit

Es gibt auch geringe Zusammenhänge zwischen Personen, welche häufiger Unfälle haben und deren Persönlichkeit:

  • Verträglichkeit → Negative Korrelation
  • Gewissenhaftigkeit → Negative Korrelation
  • Offenheit → Positive Korrelation
  • Neurotizismus → Positive Korrelation

16.5.4. Depose-Modell

Nach dem Depose-Modell sind folgende Faktoren wichtige Aspekte zur Vermeidung eines Unfalls:

  • Design → Signale, Informationslage, etc.
  • Equipment → Ausstattung
  • Procedures → Vorgehensweisen, Prozessabläufe
  • Operators → Handelnde Personen
  • Supplies → Zu verarbeitendes Material
  • Environment → Umgebungsbedingungen (z.B. Ablenkung, Lärm, Staub, etc.)

⇒ Je mehr Faktoren negativ ausgeprägt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall

16.6. Arbeitspsychologie und Arbeitssicherheit

Sicherheitsbezogene Intervention in der Arbeitspsychologie können sich auf zwei Bereiche beziehen:

  • Bedingungsbezogen
  • Personenbezogen

Bedingungsbezogen

  • Ausführungs-/Umgebungsbedingungen, Sichere Arbeitsumwelt
  • Gestaltung von Signalen
  • Rahmenbedingungen → z.B. Arbeitsbedingungen, Stressreduktion, etc.
  • Finanzielle Anreize → z.B. Prämiensystem
  • Arbeitsaufgabe → Arbeitsinhalte, Ressourcen
  • Risikoreduzierung
  • Fehlerfreundlichkeit als Unternehmenskultur
  • Überbetriebliche Bedingungen → Gesetze, Werte, etc.

Personenbezogen

  • Informationen → Aufklärung, Instruktion, Unterweisung
  • Plakate
  • Training/Qualifikation → z.B: Sicherheitstraining
  • Sicherheitszirkel
  • Negative Verstärkungen erkennen
  • Modellverhalten Vorgesetzter → z.B: Führungskräfteschulung

Firmenphilosophie

Die Firmenphilosophie sollte Fehlerfreundlich gestaltet und nicht allein auf Fehlervermeidung ausgerichtet sein.

 
uni-leipzig/psychologie/module/aundo/16.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/24 21:52 von carlo
 
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