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15. Handlungstheorie

15.1. Definition Handlung

Handlungstheorie

  • Beschreibt menschliches Verhalten
  • Erklärt kognitiven Aufwand
  • Erklärt Lernen und Automatisierung
  • Erklärt Fehler

Handlung

Als Handlung wird eine gegliederte Einheit der Tätigkeit. Die kleinste psychologisch relevante Einheit einer Tätigkeit von Individuen, Gruppen und Organisationen mit folgenden Eigenschaften:

  • Zeitlich geschlossen
  • Auf ein Ziel gerichtet
  • Willentlich gesteuert

⇒ Handlung grenzt sich ab durch bewusstes Ziel

Merkmale einer Handlung

  • Zielgerichtetheit → Ist-Soll-Vergleich
  • Bewusstheit → Bewusstseinsfähigkeit, aber nicht bewusstseinspflichtig
  • Gegenständlichkeit → Veränderung der Umwelt
  • Gesellschaftliche Eingebundenheit → Abhängig von Entwicklung
  • Soziale Eingebundenheit → Kontakt

Struktur einer Handlung

  • Sequenzielle Struktur → Ausführung aller Teilziele von Orientierung/Planung/Entscheidung bis Feedback (Vollständige Sequenz)
  • Hierarchische Struktur → (1) Ziel, (2) Teilziel, (3) Operation/Aktion (sichtbare Handlung)

Sequenzielle Struktur

Sequenzielle Struktur

Hierarchische Struktur

Hierarchische Struktur

15.2. Der zyklische Handlungsprozess

  1. Zielentwicklung
  2. Orientierung/Prognose
  3. Planung/Entscheidung
  4. Ausführung/Überwachung
  5. Feedback

1. Zielentwicklung

Eigenschaften der Zielentwicklung sind:

  • Schwierigkeit
  • Spezifität → Wage/Konkret
  • Hierarchie → Über-/Untergeordnet
  • Verbundenheit → Goal Commitment
  • Zeitperspektive → Nah/Fern
  • Valenz → Wert der Zielerreichung
  • Prozess-/Ergebnisziel

⇒ Ziele leiten den Handlungsprozess

SMART Goals

Damit Ziele (1) motivieren und (2) leistungssteigernd wirken, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:

  • Specific → Spezifisch
  • Measurable → Messbar
  • Aatainable → Erreichbar
  • Realistic → Realistisch
  • Timely → Mit Zeitrahmen

Redifinition

Ziele müssen während dem Handlungsprozess immer wieder redefiniert werden. Durch die Redefinition werden (1) externale Aufgaben zu internalen Aufgaben. Erst dadurch kann ein (2) Handlungsprozess in Schwung kommen.

Bedingungen

Eine Redefinition ist abhängig von:

  • Verständnis der Aufgabe
  • Persönlicher Wert der Aufgabe
  • Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung → Kosten/Nutzen-Abwägung
  • Fähigkeiten/Können

2. Orientierung und Prognose

  • Analyse des Ausgangspunktes
  • Umweltbeobachtung/Prognose
  • Reaktion auf Signale

3. Planung und Entscheidung

In diesem Schritt wird der (1) beste Plan ausgewählt und in Form eines (2) Handlungsprogrammes umgesetzt. Es besteht dadurch eine Verbindung von Kognition und Handlung.

Eigenschaften

Eigenschaften des Plans können sein:

  • Detailliertheit
  • Backup → „Plan B“
  • Hierarchisierung
  • Zeitperspektive

4. Ausführung und Überwachung

  • Flexibilität/Stabilität
  • Geschwindigkeit → Dynamik
  • Koordination → Teams, shared mental models
  • Überlappung von Plänen (?)

5. Feedback

Das Feedback gibt die Möglichkeit das (1) Ausmaß der Zielerreichung einschätzen zu können und ist Voraussetzung für (2) Entwicklung und Lernen.

  • Einschätzung des Ausmaßes der Zielerreichung
  • Voraussetzung für Entwicklung und Lernen
Eigenschaften
  • Prozess/Ergebnis
  • Direkt/Verzögert
  • Verbal/Nonverbal
  • Personen-/Aufgabenbezogen
  • Wertend/Neutral

15.3. Regulationsebenen

Drei Regulationsebene nach Hacker

Nach Winfried Hacker (1978) gibt es drei Ebenen der Regulation:

  • Sensumotorische Ebene → Automatisierte Handlungen
  • Ebene der flexiblen Handlungsmuster → Schemata
  • Intellektuelle Ebene → Bewusste Problemanalyse

Fünf Regulationsebenen nach Oesterreich

Nach Rainer Oesterreich (1981) gibt es fünf Ebenen der Regulation:

  1. Sensumotorische Regulation
  2. Handlungsplanung
  3. (Teil-) Zielplanung
  4. Bereichsplanung → Koordination mehrerer Handlungsbereiche
  5. Erschließungsplanung → Schaffung neuer Handlungsbereiche

15.4. Vollständige/Partialisierte Aufgaben

Vollständige Aufgaben

  • Hierarchisch → Regulation auf allen Regulationsebenen
  • Sequenziell → Alle Phasen des Handlungsprozesses enthalten

Partialisierte Aufgaben

  • Hierarchisch → Regulation nur auf einzelnen Regulationsebenen
  • Sequenziell → Nur bestimmte Phasen des Handlungsprozesses enthalten

Auswirkungen unvollständiger Aufgaben

In einer Studie wurden zwei Betriebe untersucht. Im Betrieb A ist ein Mitarbeiter an allen Produktionsprozessen beteiligt (vollständig sequenziell). In Betrieb B erledigen unterschiedliche Mitarbeiter unterschiedliche Aufgaben (nicht vollständig sequenziell).

Die Einbindung in den Arbeitsprozess hat Auswirkungen auf die Gesundheit

  • Arbeitsunfähigkeitsdauer → 16 Tage/Jahr Betrieb A vs. 26,7 Tage/Jahr Betrieb B
  • Arbeitsunfähigkeitshäufigkeit → 1,5 Betrieb A vs. 3,0 Betrieb B

⇒ Vollständig sequenzielle Handlungen fördern die Gesundheit

15.5. Implikationen für die Arbeitsgestaltung

„Der Mensch entwickelt seine Persönlichkeit über das Handeln.“ (Leontjew, 1982)

Die Arbeit sollte (1) Persönlichkeitsförderlich und (2) Vollständig gestaltet ist.

  • Persönlichkeitsförderlich
  • Vollständig

Eine reibungslose Regulation kann durch bestimmte Stressoren verhindert werden:

  • Fehlendes Material
  • Defekte Arbeitsmittel
  • Mangelnde Zuarbeit
  • Umweltbedingungen → Ablenkung, Unterbrechung

15.6. Kritik

  • Modell zu rational
  • Rolle der Emotionen vernachlässigt
  • Prozesse in Arbeitsgruppen unzureichend betrachtet
  • Fall der Zielunklarheit nicht beachtet
 
uni-leipzig/psychologie/module/aundo/15.txt · Zuletzt geändert: 2013/01/23 16:30 (Externe Bearbeitung)
 
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