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4. Emotion

Einführung

Definition

Wundt 1863

„Jedes Gefühl nämlich wird entweder als angenehm oder unangenehm aufgefaßt, entweder mit Lust oder Unlust empfunden.(…) Lust oder Unlust ist jedem Gefühl beigemengt, denn das Wesen des Gefühls besteht in der Auffassung eines subjektiven Zustandes. Jeder solche Zustand ist aber entweder ein Wohl- oder Übelbefinden und erregt als solches entweder Lust oder Unlust.“ (Wilhelm Wundt, 1863, Vorlesung 31, Seite 18)

Wikipedia

„Die Emotion ist ein psychophysiologischer Prozess, der durch die bewusste und/oder unbewusste Wahrnehmung und Interpretation eines Objekts oder einer Situation ausgelöst wird und mit physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und einer Veränderung der Verhaltensbereitschaft einhergeht.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Emotion, 12/2011)

Emotion, Stimmung, Affekt

  • Affekt → Schnelle kurze intensive emotionale Reaktion auf situativen Reiz, hohe Verhaltensbereitschaft.
  • Emotion → Beständig über eine kurze Situation hinaus. Mittelfristige mehr oder weniger intensive Reaktion.
  • Stimmung → Sehr langanhaltend und nur wenig variabel. Kein Bezug zum Auslöser.

Geschichte

Charles Darwin (1872)

Expression of Emotion in Man and Animal → Emotionen dienen dem Überleben und stehen im Zusammenhang mit der natürlichen Selektion

William James & Carl Lange (1884)

Physiologische Reaktionen sind Ursache für Emotionen

Walter Cannon (1927)

Emotionen sind Ursache für physiologische Reaktionen

Hans Selye (1930)

Generelles Adaptionssyndrom → Stressoren lösen Körperreaktion aus, langanhaltende Stressoren schwächen das Immunsystem

James Papez (1937)

Neuronale Basis von Emotionen → Neuronale subkortikale Strukturen (ringförmig → Papez-Kreis) vermitteln emotionalen Ausdruck

Stanley Schachter & Jerome Singer (1962)

Zwei-Faktoren-Theorie → Emotionen ergeben sich aus Erregung (Arousal) und der kognitiven Interpretation des Arousal (Attribution).

Sylvian Tomkins (1963)

Facial Feedback Hypothese → Gesichtsausdrücke lösen Emotionen aus (basierend auf Darwin)

Paul Ekman, Wallace V. Friesen, Carrol Izard (1970-80er)

Universale emotionale Gesichtsausdrücke → Menschen unterschiedlicher Kulturen erkennen Gesichtsausdrücke universal (Elkman und Friesen). Kleinkinder nutzen Gesichtsausdrücke um Emotionen zum Ausdruck zu bringen (Izard).

Susan Folkman & Richard Lazarus (1980er)

Coping Strategien → Umgang mit Stress (Coping) bestimmt die Wirkung (Impact). Copingstrategien mit Emotionen im Fokus oder Problemlöseorientiert.

Joseph LeDoux & Edmund Rolls (1990er)

Das emotionale Gehirn → Erstellung von Modellen zur Erklärung von Emotionsverarbeitung im Gehirn

2000er

Affective NeuroscienceEEG und bildgebende Verfahren. Interaktion verschiedener Gehirnstrukturen, vor allem präfrontaler Kortex und limbisches System.

Funktion und Auswirkung

Funktionen von Emotionen

Es gibt drei Funktionen von Emotionen:

  1. Bewertung
  2. Verhaltensvorbereitsung
  3. Kommunikation

Auswirkungen von Emotionen

Die Auswirkungen von Emotionen lassen sich in fünf Komponenten nachweisen:

  1. Subjektive Komponente
  2. Physiologisches Komponente
  3. Behaviorale Komponente
  4. Expressive Komponente
  5. Kognitive Komponente

Emotionsauslösende Ereignisse

  • Angst → Verkehr, Gewalt, Soziale Zurückweisung, etc.
  • Traurigkeit → Beziehungsabbruch, Misserfolg, Tod, etc.
  • Ärger → Beschädigung, Ungerechtigkeit, Probleme, bestimmtes Verhalten, etc.
  • Freude → Erfolg, Beziehungen, Lob, etc.

Klassische Theorien

James-Lange-Theorie

Die James-Lange-Theorie von William James (1884) und Carl Lange (1887) geht davon aus, dass zunächst ein Reiz einwirkt, dieser eine körperliche Veränderung hervorruft und anschließend eine Emotion auslöst.

  1. Emotionsauslösender Reiz
  2. Körperliche Veränderung
  3. Emotion

⇒ Es müsste demnach für jede Emotion ein charakteristisches autonomes Aktivitätsmuster geben (?).

Studie - Peripherphysiologischen Reaktionen

Die peripherphysiologischen Reaktionen wie Herzfrequenz, Hautleitwert und Hauttemperatur zeigen spezifische Kombinationen der Reaktionen für verschiedene Emotionen (?).

⇒ Spricht für James-Lange-Theorie, da es spezifische Reaktionen gibt.

Studie - Querschnittslähmung

In einer Studie wurden solche Personen als Probanden untersucht, denen aus gesundheitlichen Gründen eine Läsion im Rückenmark durchgeführt werden musste. Vor und nach der Läsion wurden die Probanden auf ihr emotionales Verhalten bzgl. Angst und Ärger untersucht.

Nach der Läsion wurde das Angst- und Ärgerempfinden schwächer. Je höher (kranial) die Läsion stattfand, desto weniger Angst und Ärger empfanden die Probanden nach der Läsion.

⇒ Spricht für James-Lange-Theorie, da die Emotion von der körperlichen Erregung abhängt.

Cannon-Bard-Theorie

1927 präsentierte Walter Cannon einige Gegenargumente zur James-Lange-Theorie:

  1. Innere Veränderungen → Innere Organe werden nur wenig erregt und sind eher unempfindlich. Innere Veränderungen treten zu langsam auf.
  2. Künstliche Erzeugung → Werden Stoffe gegeben, die eine körperliche Empfindung künstlich auslösen (z.B. Adrelaingabe), so führt das zwar zu entsprechenden körperlichen Reaktion, nicht jedoch zur entsprechenden emotionalen Reaktion.
  3. Nicht-Autonomes Erregungsmuster → Bei der Betrachtung spezifischer physiologischer Reaktionen (z.B. nur Herzrate) gibt es keine autonomen Erregungsmuster.
  4. Nervensystemunabhängig → Werden die Nervenverbindungen von inneren Organen und ZNS getrennt, bleibt ein gewisses Maß an emotionalem Erleben erhalten.

⇒ Mehr als die körperliche Reaktion ist Auslöser für Emotion.

Hypothese

Die kognitive Bewertung einer Situation bestimmt ebenfalls Emotion. In unterschiedlichen Situationen kann rein physikalisch eine ähnliche Situation vorliegen. Das Wissen über den wahrscheinlichen Ausgang oder die Gründe (also die Bewertung) der Situation kann trotzdem unterschiedlich starke Emotionen auslösen.

Beispiel: Hat in einer Situation etwas nicht funktioniert, wie man es sich vorstellt, so ist die emotionale Reaktion abhängig davon warum es nicht funktioniert hat. Es macht einen großen Unterschied ob man selbst die Ursache ist, jemand anderes oder die Umstände.

Theorie

  1. Emotionaler Stimulus
  2. Subkortikale Verarbeitung
  3. Gleichzeitig:
    • Kognitive Bewertung
    • Unspezifische physiologische Reaktion
  4. Emotion

⇒ Eine Situationen determiniert die kognitive Interpretation und die physiologische Reaktion unabhängig.

Cannon-Bard-Theorie

Vorteile kognitiver Bewertung

  • Größere Variation der kognitiven Bewertung im Gegensatz zur autonomen Erregung
  • Schneller Ablauf der kognitiven Bewertung

⇒ In neutraler Erregung müsste allein die Bewertung die Qualität einer Emotion bestimmen.

Zweifaktorentheorie

Die Zweifaktorentheorie wurde von Stanley Schachter und J. E. Singer entwickelt.

Nach diesem Modell folgt aus der kognitiven Bewertung die Emotion und aus der unspezifischen physiologischen Reaktion die Emotionsintensität.

  1. Emotionaler Stimulus
  2. Interaktiv:
    • Kognitive Bewertung → Emotion
    • Unspezifische physiologische Reaktion → Emotionsintensität

Zweifaktorentheorie

Experiment

Im Experiment von Schachter und Singer bekamen die Probanden erzählt, dass sie ein Medikament testen sollten, sie bekamen statt dem Medikament jedoch Adrenalin bzw. Kochsalz (was sie nicht wussten). Die Probanden wurden folgendermaßen aufgeteilt.

  1. Korrekte Aufklärung über angebliche Nebenwirkungen (Beschreibung der Adrenalinwirkung)
  2. Keine Aufklärung über Nebenwirkungen
  3. Inkorrete Aufklärung über angebliche Nebenwirkungen (Falsche Symptome wurden genannt)
  4. Kontrollgruppe → Kochsalzlösung

Die Probanden wurden nach der Injektion gebeten 20min im Warteraum auf die Wirkung zu warten. Dort war ein „Schauspieler“ (der Versuchsleiter), welcher in zwei verschiedenen Bedingungen handelte:

  • Euphoriebedingung → Verbreitung guter Laune
  • Ärgerbedingung → Aufregen über den Fragebogen
Ergebnisse

Die Probandengruppen 2 und 3 gaben das Erleben von Verärgerung bzw. Freude während der Wartezeit an.
Die richtig informierte Gruppe 1 gab keine Verärgerung oder besondere Freude an.
Die Gruppe 4 unterschied sich nicht signifikant von Gruppe 2 und 3.

⇒ Der injizierte Stoff hatte keine Auswirkung auf die Emotion (Siehe Modell „kognitive Bewertung“ → „Emotion“).

⇒ Es gab einige Einwände gegen das Experiment. Außerdem konnte es nie repliziert werden.

Zusammenfassung

  1. Affektive Ereignisse → Autonome Erregung & kognitive Bewertung
  2. Physiologische Erregung & kognitive Bewertung gehören zusammen
  3. Bewertung oft subjektiv als Ursache für die autonome Erregung
  4. Intensität von Emotion → Physiologische Erregung & kognitive Bewertung
  5. Typ der Emotion manchmal allein von der kognitiven Bewertung

⇒ Bewertung hat dominierende Rolle

Psychoevolutionäre und Ausdrucksmodelle

Ausgang für Psychoevolutionäre Modelle ist die Theorie von Charles Darwin, der sich ebenfalls mit den Emotionen beschäftigte und diese auf einen Ausleseprozess zurückführte.

Emotionsausdruck

Seiner Theorie nach haben sich Emotionen entwickelt, weil sie zum Überleben notwendig waren. Die wichtigste Funktion von Emotionen ist nach Darwin der Emotionsausdruck, welche eine offene Handlung darstellt, die durch die Emotion motiviert ist. Spezifische Emotionsausdrücke sind übrig gebliebene Merkmale, welche sich ursprünglich adaptiv entwickelt haben. Ein Ausdrucksverhalten gibt Informationen an andere Artgenossen weiter.

Zweckmäßig assoziierte Gewohnheit

Unter dem Prinzip der zweckmäßig assoziierter Gewohnheit wird nach Darwin eine Neigung zu einer Handlung verstanden, sobald ein bestimmter (innerer) Zustand herbeigeführt wird. Diese Handlung wird unabhängig von der Zweckmäßigkeit ausgeführt, sondern alleine durch die Gewohnheit in dieser bestimmten Situation immer so zu handeln.

Grund- und Basisemotionen

Abgleitet aus dem evolutionären Modell ergibt sich das Ausdrucksmodell, in dem bestimmte regelmäßig vorkommende Emotionen klassifiziert und auf eine gewisse Basis reduziert werden. Angenommen wird, dass diese Grund- und Basisemotionen universell auftreten. Sie rufen ein bestimmtes Verhalten hervor oder sind verknüpft mit charakteristischen Gesichtsausdrücken.

Pro

  • Universell → Kulturübergreifend
  • Elementar → Elementare Informationen werden vermittelt

Kontra

  • Anzahl willkürlich
  • Grundlage willkürlich
    • Ausdruck, Reaktion, Einschätzung, etc. (siehe Vorlesung)
  • Mischung → Eine Mischung ergibt andere Emotionen
  • Typisierung
    • Unterschiedliche Gesichtsausdrücke für gleiche Emotionen
    • Gleiche Gesichtsausdrücke für unterschiedliche Emotionen

Dimensionale Modelle

In dimensionalen Modellen gibt es meist 2 oder 3 Emotions-Dimensionen. Neure Untersuchungen sprechen zunehmend jedoch für bipolare Dimensionen. Eine Beschreibung aller Emotionen ist immer auf Basis dieser Dimensionen möglich.

Datengewinnung

Bei der Datengewinnung werden Gesichtsausdrücke und Adjektive anhand von Emotionsskalen bewertet. Die Emotionsskalen sind nach dem semantischen Differential aufgebaut. Bei dem Verfahren des semantische Differential werden Begriffe/Bilder nach bestimmten Eigenschaften auf einer Skala mit einer bestimmten Anzahl an Stufen bewertet.

Beispiel: Semantisches Differential
  • glücklich/unglücklich in 4 Stufen
  • zufrieden/unzufrieden in 4 Stufen

Analyse

Mit Hilfe einer Faktorenanalyse können Wortlisten bzw. Gesichtsausdrücke gruppiert werden.

Dreidimensionales Modell (Mehrabian)

Eine Faktoranalyse ergab nach Albert Mehrabian eine Lösung mit 3 Faktoren:

  • angenehm-unangenehm (30% Varianzaufklärung)
  • arousal-Ausmaß (20% Varianzaufklärung)
  • Dominanz-Submission (12% Varianzaufklärung)

Die Lösung basiert auf dem semantischen Differenzial (siehe oben).

Bioinformationales Modell (Lang)

Dieses Modell entstand im Kontext der systematischen Desensibilisierung (in Bezug auf Therapieforschung). Diese Therapieform bezeichnet eine schrittweise Konfrontation von Angstpatienten mit dem entsprechenden angst- oder panikauslösenden Objekt/Situation.

Ausgangspunkt war die Frage was diejenigen Patienten auszeichnet, die nicht von einer systematischen Desensibilisierung profitieren können. Untersucht wurde die psychophysiologische Reaktion auf ausschließlich vorgestellte (nicht konkret erlebten) emotionale Situatione.

Grundaussagen
  1. Handlungsdispositionen
  2. Propositionale Netzwerke
  3. Valenz, Arousal, Dominanz
  4. Motivierte Aufmerksamkeit
  5. Emotionales Priming

1. Emotion als Handlungsdispositionen

Es wird sich auf motivationale Prozesse bezogen. Emotionen werden als eine bestimmte zeitlich beschränkte Reaktion auf diskrete Reize verstanden. Die Reaktion wird durch das motivationale System durchgeführt, welches eine Anpassung des Verhaltens an eine bestimmte Situation steuert. Eine Zirkularität der Lerntheorie wird damit vermieden. Es kann also eindeutig ein kausaler Zusammenhang (Ursache → Wirkung) definiert werden.

Beispiel Zirkularität: „Ich weine, weil ich traurig bin“ / „Ich bin traurig, weil ich weine!“

2. Propositionale Netzwerke für emotional erregende Reize

Propositionen (lat. „Satz“) sind kleinste Sinneinheiten. Sie enthalten Argumente bzw. Objekte und sind untereinander verknüpft (stehen in einer Relation). Bei einer spezifischen Teilaktivierung eines propositionalen Netzwerkes wird als Konsequenz das gesamte Netzwerk aktiviert.

3. Valenz, Arousal, Dominanz

a. Valenz

Emotionale Valenz (lat. „Stärke“,“Kraft“) (Lust/Unlust bzw. Angenehm/Unangenehm) wird kodiert durch:

  1. Art & Inhalt (des Netzwerkes)
  2. Physiologisch (Beteiligte subkortikale Strukturen)
b. Arousal

Emotionales Arousal (Intensität) wird kodiert durch:

  1. Größe (des Netzwerkes)
  2. Erregung/Aktivierung (Intensität)

Neurophysiologische Netzwerke: Übertragung semantische Ebene auf physiologische Ebene

c. Dominanz

Die Dominanz ist keiner Netzwerkeigenschaft zugeordnet (kein neurophysiologisches Korrelat).

4. Motivierte Aufmerksamkeit

Die motivierte Aufmerksamkeit meint die Zuwendung der Verarbeitungsressourcen auf hocherregende Reize. Diese natürliche selektive Aufmerksamkeit ist abhängig von der Arousaldimension.

5. Emotionales Priming

Die Probanden werden mit einer entsprechenden Valenz (=Stärke) voraktiviert (Priming). Diese Interagieren mit den anschließenden Testreizen.

Emotionale Reize werden ausgelöst durch Bilder mit hohe (angenehm), neutraler und niedrige (unangenehm) Valenz nach dem International Affective Picture System (IAPS).

Die Valenzdimension wird durch einen kurzen steil ansteigenden Ton (white noise, ca. 50ms), als Testreiz erfasst (?).

Self-Assessment Manikin (SAM)

Mit Hilfe des Self-Assessment Manikin (SAM) können subjektive Beurteilungen auf emotionale Reize erfasst werden. Angegeben wird dabei die Valenz (angenehm/unangenehm), Arousal (aktivierend/ruhig) und die Dominanz (niedrig/hoch).

Beispiele

Mit Hilfe von Daten, welche auf SAM basieren konnten Begriffe und Bilder zweidimensional eingeordnet werden (Dominanz wurde nicht erhoben/ausgewertet). Bilder wie eine zielende Waffe ist z.B. sowohl relativ hoch aktivierend (Arousal), als auch unangenehm (Valenz). Ein einfaches Gebäude ist eher ruhig (Arousal) und neutral (Valenz). Ein glückliches Kind ist entsprechend mittelmäßig aktivierend (Arousal) und sehr angenehm (Valenz).

Schreckreflex

Der Schreckreflex ist eine Reaktion auf eine überraschende und potentiell gefährliche Situation. Folgende Teilreaktionen treten auf:

  • Lidschluss
  • Anspannung Schultermuskulatur
  • Vokalisierung (evtl.!)

⇒ Die Aktivierung der Amygdala ist eine notwendige Bedingung für das Auftreten des Schreckreflexes.

Messung

Vor allem der Lidschlag lässt sich als eine Komponente des Schreckreflexes messen. Mit Hilfe der Elektromyografie (EMG) kann der musculus orbicularis oculi gemessen werden.

Valenz

Bei einer Untersuchung des Lidschlages bezüglich der Valenz konnte festgestellt werden, dass die Lidschlagintensität abhängig von der Valenz des Stimulus auftritt. Erhöht sich die Valenz (unangenehm), so erhöht sich auch die Intensität des Lidschlages.

Reaktion auf unterschiedliche Valenz

Bezüglich der Valenz wurden neben dem Lidschlag auch weitere körperliche oder psychische Reaktionen untersucht:

  • Interesse (Bewertung)
  • Arousal (Bewertung)
  • Blickzeit (Sekunden)
  • Hautleitfähigkeit (µSiemens)

Diese Verhielten sich nicht positiv proportional zu zunehmender Valenz (sondern V-Form). Es zeigte sich mehr eine Erhöhung der Reaktionen, wenn die Stimuli entweder angenehm oder unangenehm waren. Niedrige Reaktionen ergaben sich ausschließlich bei neutralen Stimuli.

Kognitionstheoretische Modelle

Kognitionstheoretische Modelle betrachten den kognitiven Einfluss auf Emotionen. Dabei wird sowohl der Einfluss auf die Intensität, aber vor allem auch auf die Qualität der Emotion untersucht.

In diesen Modellen wird vom Primat der Kognition ausgegangen, also der Vorrangstellung der Kognition bei jeglichen Verarbeitungsprozessen.

Die kognitionstheoretischen Modelle können in zwei Theorien unterteilt werden:

  • Netzwerktheorien → Peter Lang, Gordon Bower
  • Appraisaltheorien (Bewertungstheorien) → M.B. Arnold, Richard Lazarus, Susann Folkman

Appraisal

Mit Appraisal (Bewertung, Beurteilung) ist eine subjektive Bewertung und Interpretation der Situation gemeint. Der Begriff wurde von Arnold 1960 eingeführt. Es wird zwischen primären und sekundären Bewertungen unterschieden:

  • Primäre Bewertung → Bewertung der Sinneseindrücke (Führt zu → Verhaltenstendenz)
  • Sekundäre Bewertung → Bewertung der körperlichen Reaktion

⇒ „Positive and Negative Appraisal“

Lazarus und Folkman

In diesem Model wird davon ausgegangen, dass vor der primären und sekundären Bewertung eine Informationsverarbeitung stattfindet. Zuerst werden also die Sinneseindrücke verarbeitet, dann werden sie primär (sinnesbezogen) und sekundär (körperbezogen) bewertet.

  1. Verarbeitung
  2. Bewertung

Lazarus Folkman

Es wird davon ausgegangen, dass primäre und sekundäre Bewertung gleichzeitig ablaufen können.

Art und Intensität der Emotion hängen von dem Zusammenspiel der beiden Bewertungen ab.

Modelle der modernen Kognitiven Neurowissenschaften

Grundsätzlich beschäftigen sich die modernen kognitiven Neurowissenschaften damit, welche Hirnareale für höhere Prozesse verantwortlich sind (1) und wie diese untereinander kommunizieren (2) bzw. verknüpft sind.

Klüver-Bucy Syndrom

Dieses Syndrom wurde an Affen beobachtet, bei denen man eine Läsion im Temporallappen durchführte. Die resultierende Reaktion war:

  • Angstverlust (z.B. vor Schlangen, Menschen)
  • Hypersexuelles Verhalten
  • Hyperorales Verhalten
  • Fehlende Unterscheidungsfähigkeit → Essbare / Nicht-Essbare Objekte

Zusammenfassend kann man von psychischer Blindheit sprechen. Die Bedeutung der Bedürfnisse von Objekten (z.B. Lebewesen) kann nicht mehr erkannt werden.

Limbisches System

Die emotionale Verarbeitung findet anatomisch vor allem im limbischen System, genauer in der Amygdala statt.

Modell von LeDoux

Joseph LeDoux postulierte ein Modell mit folgenden Eigenschaften:

  • Grundlage: Entstehung von Angst
  • Amygdala → Zentrale Rolle
  • Integration kognitiver und biologischer Aspekte
  • Experimentelle Befunde als Basis
  • Hypothesenbildung → Überprüfbare Experimente

Furcht als Emotionsmodell

Das Lernen von Furcht wird nicht durch Reaktionslernen, sondern durch Stimuluslernen ausgelöst. Als CS (bedingter Reiz) kann dabei ein neutraler Stimulus verwendet werden. Eine Furchtkonditionierung erfolgt schnell, eine Auslöschung eher langsam.

Diese Eigenschaft der Furchtkonditionierung macht sie zu einer guten Technik zur Untersuchung der neuronalen Basis von Emotionen bzw. emotionalem Lernen. Die Amygdala ist dabei die zentrale Schaltstelle (siehe oben).

Eigenschaften der Amygdala

  • Reduktion der Furchtkonditionierung bei Läsion
  • Gehirnstammgebiete sind mit Amygdala verbunden → Physiologische Reaktion
  • Schnittstelle für Motorprogramme der Furcht
  • Kortikale Assoziationsgebiete aller Modalitäten liefern Input für Amygdala
  • Kortikale Projektion steuert Furchtextinktion
  • Höherwertige Informationen aus dem Hippocampus (z.B. Kontext)

High Road & Low Road

High Road und Low Road sind zwei Informationsverarbeitungswege im Modell nach LeDoux.

Low-Road

Die Low-Road (auch „Quick and Dirty“ bzw. Affective Computation) detektiert einfache Gefahrensignale. Sie werden über Thalamus und Amygdala direkt und schnell verarbeitet. Dabei spielt ein kognitiver Prozess kaum eine Rolle. In der Folge setzen vor allem starke physiologische Reaktionen ein:

  • Blutdruck
  • Stresshormone
  • Startle (= Erschrecken)
High-Road

Die High-Road (auch „Feinanalyse“ bzw. Cognitive Computation) bewertet emotionale Reize hinsichtlich der verfolgten Ziele kognitiv. Dieser Prozess verläuft zusätzlich zu Thalamus und Amygdala auch über den Kortex und den Hippocampus. Die Information erreicht die Amygdala zeitverzögert, wodurch sich das Verhalten auf die emotionale Situation eher in Form länger anhalteneder Emotionen äußert. Wie z.B.:

  • Ärger
  • Hilflosigkeit
  • Zufriedenheit
  • etc.

⇒ Die Amygdala kann als „emotionale Bewertungszentrale“ betrachtet werden

Emotionsgefärbte Wahrnehmung

Eine Rückmeldung der Amygdala zum Kortex findet ebenfalls statt. Dieser Prozess wird als emotionsgefärbte Wahrnehmung bezeichnet.

Folgerungen von LeDoux

  • Emotion und Kognition sind unterscheidbare Prozesse
  • Affektive und kognitive Prozesse finden unbewusst statt
  • Emotionsreaktion und Emotionserleben ergeben sich aus affektiven Prozessen
  • Amygdala ist das Zentrum affektiver Prozesse
  • Interaktion zwischen Amygdala und kognitiven Systemen (Neokortex, Hippocampus)
  • Affektive und kognitive Prozesse werden durch Eintritt in das Arbeitsgedächtnis bewusst
  • Bewusstes Ermotionserleben: Ereignis (1), affektive Reaktion (2), Selbstrepräsentation (3) im Arbeitsgedächtnis
  • Gehirnaktivitäten können zu einem Emotionserleben führen, Rückmeldungen von der Peripherie sind nicht notwendig
 
uni-leipzig/psychologie/module/allgemeine/emotion.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/18 15:39 von carlo
 
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